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Polizistin berichtet: Kein Einzelfall - Unfall-Gaffer blockieren Brücke in Klausen

Nach Frontalzusammenstoß : Polizistin berichtet: Kein Einzelfall - Unfall-Gaffer blockieren Brücke in Klausen

Die Polizei ärgert sich über Schaulustige, die nach einem Unfall  den Verkehr zum Erliegen bringen. Das ist in der Region bei weitem kein Einzelfall.

Einige Autofahrer möchten am vergangenen Freitag nur über die Brücke fahren, die über die L 47 führt. Sie möchten nicht stehen bleiben, um zu sehen, was unterhalb der Überquerung passiert ist. Dort hat es geknallt, zwei Autos sind frontal ineinandergefahren. Es gibt einen Schwerverletzten (der TV berichtete).

Rettungskräfte und Polizei sind vor Ort, auch ein Hubschrauber hat die Unfallstelle angeflogen. Doch für die Autofahrer, die nur über die Brücke wollen, gibt es kein Durchkommen. Die Überquerung ist blockiert. Von Menschen, die andere Intentionen haben, als von A nach B zu kommen. Von Schaulustigen, die sich auf der Brücke versammelt haben. „Die ganze Brücke war mit Sprintern und Autos zugeparkt“, tobt einer der Autofahrer nach dem Unfall im sozialen Netzwerk Facebook. Die Polizei wird informiert.Auch die Ordnungshüter sind empört über das Verhalten der Gaffer. Auf dem sozialen Netzwerk Twitter schreibt die Polizei Wittlich: „Ärgerlich war, dass die Brücke über die L 47 zeitweise komplett durch Schaulustige blockiert war, die einen besonders guten Ausblick auf den Unfall haben wollten.“ Ärgerlich ja. In diesem Fall glücklicherweise nicht gefährlich. Denn wie Jürgen Bastgen von der Polizeiinspektion Wittlich erklärt, kam es „nicht zu Behinderungen der Rettungs- und Unfallaufnahmearbeiten“. Man habe, nachdem die Anrufer von der blockierten Brücke berichteten, Kollegen losgeschickt, um das Problem zu lösen. Als diese eingetroffen seien, sei der Verkehr allerdings wieder gelaufen.

Gaffer bei Unfällen und Polizeieinsätzen. Leider kein Einzelfall, wie Angela Schmitt erklärt. Sie ist Jugendsachbearbeiterin und war lange Jahre im Schichtdienst der Polizei Bitburg tätig. „Ich bekomme von den Kollegen tagtäglich den Wahnsinn mit“, klagt sie. Deswegen sagt sie auch, dass es sich dabei „nicht um ein Klausener Problem“ handele. „Die Menschen sind mittlerweile so sensationsgeil, da wird keinerlei Rücksicht auf die Persönlichkeitsrechte der Verletzten genommen.“

Sie erinnert sich an Fälle aus ihrer Zeit im Schichtdienst, in denen „Eltern ihre Kinder über Felder und Gräben getragen haben, um möglichst nahe an die Unfallstelle zu kommen, und ihnen gezeigt haben, wo der tödlich Verletzte unter der plane auf der Straße liegt“.

Spreche man als Einsatzkraft die Schaulustigen auf ihr Verhalten an, dann werde „noch mit Unverständnis reagiert“. Dass es nicht zu Behinderungen der Arbeiten gekommen sei, liege ihrer Meinung nach nur daran, dass „es schwierig ist, von der Brücke auf die L 47 zu gelangen, und der Unfall direkt unter der Brücke war“. Beim Gaffen handele es sich nicht um ein Phänomen, das erst durch die sozialen Netzwerke entstanden ist. Jedoch arte es in Zeiten der schnellen Kommunikation immer mehr aus, „weil alles sofort in Wort und Bild festgehalten und vor allem verbreitet wird“. Facebook und Co. böten „lediglich die Plattformen um die Sensationslust zu bedienen“.

Auch im Klausener Fall liegt nahe, dass Fotos und Videos gemacht wurden. Zwar sind in den sozialen Netzwerken keine solchen zu finden, doch die Polizei bestätigt auf TV-Nachfrage, dass „einige Beobachter wohl Mobiltelefone in der Hand“ hatten. Allerdings könne man nicht sagen, ob auch Foto- oder Videoaufnahmen gemacht wurden. Die Einsatzkräfte vor Ort hätten „diesbezüglich keine Feststellungen machen“ können.

Warum überhaupt eine Situation enstand, die die Schaulustigen anziehen konnte, ist weiterhin unklar. Wie die Polizei mitteilt, sei der Unfallhergang „nicht genau nachvollziehbar“ gewesen. Man habe ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis nun abzuwarten bleibe.