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Ponykarussell auf der Wittlicher Säubrennerkirmes könnte bleiben, Betreiber sagt ab

Ponykarussell auf der Wittlicher Säubrennerkirmes könnte bleiben, Betreiber sagt ab

Die Ausschussmitglieder stimmen für das umstrittene Angebot. Die Tierfreunde kritisieren das. Schausteller reagiert mit einem "Nein, danke".

So schnell kann's gehen: Der Wirtschaftsausschuss fasst am Donnerstagabend den Beschlussvorschlag: "Das Ponykarussell ist bis auf Weiteres Bestandteil der Säubrennerkirmes."

Tierschützer vom Förderverein Eifeltierheim (siehe Info) sind enttäuscht und kündigen an: "Wir werden an drei Kirmestagen Demonstrationen gegen die Ponyreitbahn auf der Wittlicher Kirmes durchführen, um die Besucher für das Leid der Karussellponys zu sensibilisieren."

Dann erfährt Bürgermeister Joachim Rodenkirch am Freitagmittag, dass der Betreiber des sogenannten Ponykarussells seine traditionelle Teilnahme an der Säubrennerkirmes absagt. Joachim Rodenkirch: "Wir haben Herrn Bügler eben mitgeteilt, dass der Wirtschaftsausschuss positiv entschieden hat. Daraufhin hat er gesagt, er nehme trotzdem Abstand von seiner Teilnahme. Das ist jetzt die neueste Meldung. Wir suchen jetzt ein anderes Fahrgeschäft. Es wird kein weiteres Ponykarussell sein."

Damit ist ein überraschender Schlusspunkt einer lange geführten Debatte gefunden. Dabei waren unter anderem Tierschutzvertreter und die Kreisveterinärin zu Wort gekommen. Letztere hatte vorgetragen, die in Wittlich eingesetzten Tiere seien in bestem Zustand, alle Vorgaben würden mehr als eingehalten, es gebe in dieser Hinsicht keinerlei Handhabe, das Ponykarussell zu verbieten.

Dann folgen die offiziellen Statements der jeweiligen Fraktionssprecher, um die Bürgermeister Joachim Rodenkirch alle gebeten hatte.

Stefanie Pützer-Queins, Grüne: "Was es uns schwierig gemacht hat, ist, dass laut Amtstierärztin die Tiere in einem guten Zustand sind. Entscheidend ist aber für uns: Es besteht keine Notwendigkeit für ein Ponykarussell, und es gibt Alternativen. Wenn wir es verbieten, interessiert das in zwei Jahren kein Schwein mehr. Wir sind dagegen."

Leo Condne, FWG: "Die FWG sieht das ähnlich. Wir sind der Meinung 2017 kann man es wohl nicht mehr ausschließen, aber es ist nicht mehr zeitgemäß. Es gibt definitiv Alternativen für Kinder, Pferde kennenzulernen."

Joachim Gerke, SPD: "Über die Frage, ob es sinnvoll ist oder nicht, gibt es verschiedene Auffassungen in der Fraktion. Aber in der Bewertung stand die Frage, wie sehen Veterinäre das und wird hier die Gesetzeslage beeinträchtigt? Wir haben im Gegenteil gehört, dass der Betreiber sich sehr viel Mühe gibt. Wir sind der Meinung, wir sollten es nicht ablehnen."

Marvin Stablo, FDP: "Wir sehen es aus dem wirtschaftlichen Aspekt. Uns wäre es am liebsten, wenn die Bevölkerung es ablehnt, nicht mehr hinginge. Ablehnen können wir es nicht."

Carlo Bauer, CDU: "Es wurde über das Thema sehr viel diskutiert, wir haben uns sehr viele Gedanken gemacht. Der größte Teil der CDU-Fraktion ist dafür, dass es weiter geht. Natürlich gibt es Für und Wider, und ich denke, da werden wir noch weiter diskutieren."
KommentarMeinung

Überraschung: Ende gut, alles gut
Die Debatte war intensiv und fair. Alle Seiten wurden gehört, was nicht selbstverständlich ist. Irgendwie haben sich auch im Ausschuss fast alle gewunden, um dann mehrheitlich doch für das Ponyreiten im Kreis zu stimmen. Damit war das Thema längst nicht ausgestanden. Die Kluft zwischen Pro und Contra hat kein Reden, kein gegenseitiges Informieren zugeschüttet. Vermutlich ist dem Betreiber nun der Kragen geplatzt: Alle offiziellen Stellen haben ihm bescheinigt, seine Tiere seien sehr gut gepflegt, die Mehrheit der Lokalpolitik stand hinter ihm, er sah sich im Recht, doch die Tierschützer haben sich nicht befrieden lassen, Demos gegen seine Tierhaltung angekündigt. Dem hat er sich nun freiwillig entzogen. Kommt überraschend, ist aber ein guter Schlussstrich. s.suennen@volksfreund.deExtra: DAS SAGEN TIERSCHÜTZER ZUM PONYKARUSSELL


Für Sandra Wolf vom Förderverein Eifeltierheim zeigen nur Grüne und FWG, "dass in diesen Parteien das im Grundgesetz verankerte Staatsziel Tierschutz ernst genommen wird." Und: "Wer die Vorschriften zur Haltung von Nutztieren als einziges Maß für eine artgerechte Haltung nimmt, ignoriert die mitunter schrecklichen Bedingungen, unter denen die Tiere völlig gesetzeskonform gehalten werden können. Hätte man noch vor wenigen Jahren das Veterinäramt zur Haltung von Hühnern in Legebatterien befragt, so hätte die Antwort gelautet, dass diese dem Tierschutzgesetz entspricht und somit nicht zu beanstanden wäre.” Kein Veterinäramt könne "den regelmäßig zu erfolgenden Laufrichtungswechsel sowie die Ruhezeiten überwachen". Hier müsste man sich "alleine auf die Dokumentation der Ponykarussellbetreiber verlassen. Tierschützer berichten immer wieder von Verstößen gegen die ohnehin viel zu geringen Auflagen." Wolf wollte die Mitglieder des Stadtrats auffordern, der Empfehlung des Wirtschaftsausschusses nicht zu folgen. Das hat sich nun durch die unvorhersehbare Entwicklung für den Fall der Säubrennerkirmes erledigt.