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Potenzialstudie sieht in der VG Wittlich-Land Raum für Gewerbegebiete

Wirtschaft : Mehr Gewerbefläche? Hetzerath sagt Nein!

Eine Potenzialstudie sieht in der VG Wittlich-Land viel Raum für weitere Industrie- und Gewerbegebiete. Doch wie das Beispiel Hetzerath zeigt, wird davon nur ein Bruchteil Wirklichkeit werden.

Schon die Erweiterung des Industrieparks Region Trier (IRT) war in Hetzrath keine leichte Geburt: Vier Jahre nahm der demokratische Prozess im Ort und im Gemeinderat in Anspruch, bis im Frühjahr 2020 der Beschluss stand, den IRT zu erweitern. Bevor der Gemeinderat eine Entscheidung treffen und grünes Licht geben konnte, waren zahlreiche Gemeinderatssitzungen, drei Bürgerversammlungen und auch eine Bürgerbefragung notwendig (unsere Zeitung berichtete).

Mehr als 60 Prozent der Hetzerather sprachen sich damals für eine Erweiterung des IRT aus. In den Bürgerversammlungen brachten sie aber auch klar zum Ausdruck, dass sie weder mehr Verkehr noch mehr Lärm wollen. Deshalb wurde der Erweiterung nur unter Bedingungen zugestimmt. Und dieses Votum diente dem Gemeinderat auch auf der öffentlichen Sitzung am Mittwochabend, 17. Februar, bei einer Entscheidung über weitere Industrie- und Gewerbeflächen als Entscheidungshilfe: So stimmte der Rat einstimmig gegen die Ausweisung weiterer Gewerbeflächen auf der Gemarkung Hetzerath, welche laut einer von der Verbandsgemeinde beauftragten Potenzialstudie dort noch entstehen könnten. „Nach der Zustimmung zur IRT-Erweiterung wollen wir da Wort halten“, sagt Ortsbürgermeister Werner Monzel. Denn mit einem weiteren Gewerbegebiet von 90 Hektar Größe jenseits der Autobahn A1, wie in der Potenzialstudie vorgeschlagen wird, „würden wir uns ja noch mehr Verkehr in den Ort holen“. Und so hätten sich alle Fraktionen bereits vor der Ratssitzung darauf verständigt, weitere Gewerbeflächen abzulehnen. So wurde einstimmig der Beschluss gefasst, bei der Verbandsgemeinde Wittlich-Land zu beantragen, im Zuge der Änderung des Flächennutzungsplanes zur Schaffung weiterer Gewerbeflächen die Hetzerather Gemarkung „nicht zu berücksichtigen“. Außerdem werde diese Fläche jenseits der Autobahn A 1 dringend von der Landwirtschaft benötigt, sagt Monzel, „und wir müssen Landwirten auch die Möglichkeit geben, ihre Arbeit zu machen. Das war auch ein Grund für unsere Entscheidung“.

Eine ähnliche Entscheidung steht in Niederöfflingen an. Denn auch dort sieht die Potenzialstudie Raum für Gewerbe und Industrie. Der Ortsgemeinderat will sich auf seiner öffentlichen Sitzung am Dienstag, 23. Februar, mit dem Thema befassen.

Aber wie Ortsbürgermeister Hermann Josef Clemens vorab im TV-Gespräch erklärt, wolle die Gemeinde nur eine der beiden Potenzialflächen befürworten. „Die andere Fläche ist zu groß, da nähmen wir den Landwirten zu viel Land weg.“ Die Entwicklung der rund 33 Hektar großen Fläche werde der Ortsgemeinderat, eine entsprechende Beschlussvorlage ist schon formuliert, vermutlich ablehnen. Die demokratische Entscheidung dazu fällt jedoch erst auf der Sitzung am Dienstagabend. Clemens: „Damit irgendwann mal die Chance zur Ansiedlung von Industrie und Gewerbe in Niederöfflingen entsteht, könnten wir uns aber die Entwicklung der kleineren und rund sechs Hektar großen Fläche, die weiter vom Dorf entfernt und nicht im Wasserschutzgebiet liegt, vorstellen.“ Mit einem der beiden Planungsgebiete sei die Tür für Niederöfflingen in Richtung einer Entwicklung zum Industrie- und Gewerbestandort hinreichend geöffnet, sagt Clemens. „Die kleine Fläche könnten wir uns vorstellen, mehr aber auch nicht. Und wir würden so nah am Ort auch nur Unternehmen dulden, von denen kein Lärm oder Feinstaub ausgeht. Denn Läm haben wir von der Autobahn schon genug.“ Die 33 Hektar große Fläche aus der Potenzialstudie mit nur 200 bis 300 Metern Abstand zur Bebauung liege viel zu nah am Ort, sagt Clemens. Diese zu entwicklen, so schätzt der Ortsbürgermeister, „wäre gegen den Willen der Bürger“.

Raumplaner sehen in einer 2020 vorgestellten Studie in der VG Wittlich-Land Raum für 1300 Hektar Gewerbe und Industrie. 39 Potenzialflächen präsentierte das Büro BGH-Plan in seiner Studie. Doch wie die Beispiele Hetzerath und Niederöfflingen zeigen, wird wohl nur ein Bruchteil dieser Potenzial­fläche realisiert und bebaut werden. Die Ortsgemeinden haben die Planungshoheit. Dennis Junk, Bürgermeister der Verbandsgemeinde, überrascht nicht, dass nicht die gesamte Potenzialfläche realisiert werden kann – er hatte es genau so vorausgesagt. Junk: „Ich sehe das jetzt nicht kritisch, wenn Gemeinden sagen: ‚Wir wollen das nicht’.“ An vielen Stellen könne man die Potenziale – falls Bedarf – auch später noch heben und die Flächen entwickeln. Derzeit wird in mehreren Orten der VG Wittlich-Land die Entwicklung weiterer Gewerbeflächen vorangebracht: In Landscheid, Wallscheid, Laufeld, Osann-Monzel, Manderscheid, Binsfeld und Großlittgen sollen neue Gewerbegebiete enstehen oder bestehende Areale erweitert werden.