Premiere in der Osternacht

PIESPORT. (urs) Das Hineinheben der fünf neuen Glocken in den Glockenstuhl bescherte der Pfarrkirche St. Michael erneut breites Publikumsinteresse. Zeitweise hatten sich 200 Menschen versammelt, um die Aktion zu beobachten.

Ein letztes Mal hatten die Piesporter Gelegenheit "ihre" Glocken zum Greifen nah in Augenschein zu nehmen. Zeitweise seien sicher 200 Leute da gewesen, schätzt Pfarrer Matthias Biegel. Sie alle hatten dabei sein wollen, wenn die fünf neuen Bronzeglocken in ihr künftiges Zuhause, den sanierten Glockenstuhl der Pfarrkirche St. Michael, hineingehoben werden. Die Aktion zog sich jedoch über Stunden hin, so dass sich die Zahl der Zaungäste bis um halb zwei nachmittags auf etwa 50 reduziert hatte. Dann war es endlich so weit: Majestätisch strebte die erste der fünf Glocken per Kran der Spitze des Kirchturms zu. Dort wurde sie vom Brockscheider Glockengießer Hermann Schmitt, der jede Einzelne zuvor am Boden noch einmal anschlug, in Empfang genommen und auf der begrenzten Fläche des oberen Glockenstuhlbodens platziert. Für die größte Glocke, St. Michael, mit einem Gewicht von 1900 Kilo und anderthalb Meter Durchmesser, war dafür zuvor sogar das Mauerwerk teilweise weg gebrochen worden. Nach anderthalb Stunden war die Präzisionsarbeit vollbracht. Bis die Piesporter ihr neues Geläut hören können, werden jedoch noch zwei oder drei Wochen ins Land gehen.Denn nun gilt es, die insgesamt 4508 Kilo an Ort und Stelle per Flaschenzug an den eigens dafür gefertigten Gestellen aufzuhängen und den Glockenstuhl wieder herzurichten. Ziel ist, die fünf zur Osternacht erstmals läuten zu lassen. Mit den fünf neuen Glocken hat die 1777 erbaute Kirche bereits ihr viertes Geläute und innerhalb von rund 80 Jahren ihr drittes, bekommen. Drei der vier vom Kueser Glockengießer Urbanus Mabilot 1776 gegossenen Glocken waren 1917 beschlagnahmt worden. Die verbliebene Läuteglocke gab die Gemeinde 1923 für die Anschaffung eines Dreiergeläutes in Zahlung, von dem jedoch 1942 wieder die zwei schwersten beschlagnahmt wurden. Das nun wegen Rissen im Glockenstuhl und der erforderlichen Sanierung aus dem Turm ausquartierte Vierer-Stahlgeläut hatten 1950 die Geschwister Maria, Elisabeth und Arnold Brösch gestiftet.