Privatisierung liegt auf Eis

Wintersport am Erbeskopf scheint bei den derzeit herrschenden milden Temperaturen wie eine Geschichte aus ferner Zeit. Doch die Schneemacher sind zuversichtlich, dass der Winter noch kommt und die Pisten, die auch für den Nationalpark bedeutsam sein könnten, wieder ins rechte Licht rückt - auch für private Investoren.

Erbeskopf. Noch vor etwa einem Jahr wurde heiß darüber diskutiert, den Skibetrieb am Erbeskopf zu privatisieren (der TV berichtete). Derzeit scheint der Verkauf der Anlagen aber nicht aktuell zu sein. Allerdings nicht, weil es für mögliche Investoren unattraktiv wäre: Eher das Gegenteil ist der der Fall.Die Anlagen, über die sowohl Skifahrer als auch Sommerrodler talwärts gleiten, spielen in den Debatten um einen Nationalpark Hunsrück eine wichtige Rolle. Und das, obwohl sie als Areal mit intensiver Nutzung schutzwürdiger Flächen aus dem ins Auge gefassten Nationalparkgebiet herausgenommen wurden. Für Marc Hüllenkremer, Vorsteher des Zweckverbandes Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte Erbeskopf (siehe Extra), gilt es daher abzuwarten: "Wir müssen zuerst schauen, was mit dem Nationalpark ist." Sollte er realisiert werden, würden sich völlig neue Möglichkeiten ergeben. Auch für ein Sorgenkind vor Ort: das Hunsrückhaus mit seiner Dauerausstellung und dem Erlebnisgelände. Hüllenkremer hofft auf ein Gesamtkonzept mit guten Perspektiven für das Gebäude. Als Veranstaltungsort an exponierter Stelle könnte es Teil eines künftigen Eingangstores zum Nationalpark werden.Einwände der Behörde

Der angedachte Verkauf ist aber nicht nur wegen der offenen Nationalparkfrage vorerst vom Tisch. Ein Knackpunkt war laut Klaus Hepp, Betriebsleiter des Wintersportzentrums, der damals gewählte Weg. Die Trierer Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) habe dem Verkauf einen Riegel vorgeschoben. Laut Hepp beanstandete sie unter anderem die fehlende formelle Ausschreibung. Der Marktwert wurde auf etwa 650 000 Euro geschätzt. Über den möglichen Kaufpreis gab es unterschiedliche Meinungen. Die Behörde habe, so Hepp, deutlich gemacht, dass der Grundsatz "Vermögen darf nicht verschleudert werden" für einen Zweckverband ebenso gelte wie für Ortsgemeinden.. Die technischen Anlagen seien zwar zum Teil alt aber voll funktionstüchtig.Die damaligen Interessenten, die Betreiber der Sommerrodelbahn am Erbeskopf, wollten die komplette Wintersportanlage - mit drei Liften und Beschneiungsanlage, nicht aber das Hunsrückhaus - übernehmen und in Eigenregie betreiben.Im Gegenzug wollten sie in Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie vor Ort investieren und interessierten sich auch für die Parkplatzbewirtschaftung. Laut Hepp ist dies ein wichtiger Baustein, mit dem jährlich etwa 40 000 Euro erwirtschaftet werden könnten. Dafür erforderliche Investitionen wären binnen einer Wintersportsaison bezahlt. Obwohl die Investoren inzwischen abgesprungen sind, kann sich Hepp vorstellen, dass es einen weiteren Vorstoß des Zweckverbandes geben wird, die Pisten zu privatisieren.Erforderlich sei aber Klarheit wegen des Nationalparks. Insbesondere bleibe abzuwarten, welche Verträge der Staatswaldeigentümer Landesforsten anbieten werde.Extra

Träger von Hunsrückhaus und Wintersportzentrum ist der Zweckverband "Wintersport-, Natur- und Umweltbildungsstätte Erbeskopf". Beteiligt daran sind die Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf mit 42 Prozent sowie die Einheitsgemeinde Morbach und der Landkreis Bernkastel-Wittlich mit je 25 Prozent. Die übrigen acht Prozent teilen sich die Ortsgemeinden Deuselbach, Gräfendhron, Hilscheid, Malborn und Thalfang. Die Wintersportanlagen bestehen aus drei Liften, fünf Schneekanonen, einer Pistenraupe, im Boden verlegten Wasserleitungen für die Beschneiung und Gebäuden wie Pumpen- und Kassenhaus. urs