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Problemfall Bruchbude: Abriss wird teurer

Problemfall Bruchbude: Abriss wird teurer

Die Stadt kann nicht einfach mit ihrem Besitz machen, was sie will. Die Lokalpolitiker müssen beraten und entscheiden, Planer müssen prüfen und zeichnen, überzeugen, Kosten müssen geschätzt und überraschende Probleme gelöst werden. Ein Beispiel für die langwierigen Prozesse ist ein Haus in der Himmeroder Straße.

Wittlich. Schneeglöckchen blühen hell im Rasengestrüpp, in dem bäuchlings ein Gartenzwerg liegt: Hier fehlt der Gärtner. Die Türen vom Schuppen und Anbau stehen schief und offen, aus einem offenen Fenster im Giebel flattert ein schmutziger Stofffetzen: Hier wohnt kein Mensch mehr und hier will auch keiner wohnen: Das Haus Nummer 42 auf dem 230-Quadratmeter-Grundstück in der Himmeroder Straße steht leer und verkommt.
Der Eigentümer hat sich auch nicht um die Immobilie gekümmert, die immerhin direkt neben einem Vorzeigebau Wittlichs steht, der Synagoge.Eingehende Voruntersuchung


Wem gehört der Schandfleck? Der Stadt. Und die will ihn loswerden. Seit Jahren. Der Stadtrat hat einem Abriss zugestimmt und schon Pläne gesehen, auf denen statt verdreckter Mauern und dem vernachlässigten Gärtchen, grüne Baumkronen zu sehen sind: Denn hier soll ein innerstädtischer Platz entstehen. Der Arbeitstitel: "Baum-Dach-Platz" (der TV berichtete).
Wie der genau einmal aussehen soll, können die Wittlicher in der Einwohnerversammlung am Donnerstag direkt nebenan in der Synagoge aus erster Hand erfahren: Dann wird Planer Heckel die Idee für die Zukunft noch mal vorstellen (siehe Extra).

Die erste Idee war: Das längst unbewohnbare Gebäude abreißen und Parkplätze schaffen. Das hat vor fünf Jahren die FDP beantragt. Damals sagte der Inhaber der direkt angrenzenden Kultkneipe Äschatskaul, Andreas Eichhorn: "Es verfällt. Es abzureißen wäre eine gute Sache." Er konnte seitdem viel Bier zapfen, der Leerstand steht noch. Aber es wurde beraten und geplant.
Und jetzt, kurz vor einem tatsächlichen Abbruch, gibt es ein Problem: Würde die Stadt ihr Haus abreißen, hätte die Äschatskaul keine Seitenwand mehr sozusagen. Das hatte Bürgermeister Joachim Rodenkirch in der vergangenen Stadtratssitzung angedeutet.

Wieso fällt das erst jetzt auf? Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung sagt dazu: "Im Rahmen der Beschlussumsetzung wurde durch eine Fachfirma eine eingehende Voruntersuchung vorgenommen. Hierbei wurde festgestellt, dass das angrenzende Nachbargebäude in der Himmeroder Straße 40, die Schankwirtschaft Äschatskaul, Baujahr etwa 1889, keine eigene Giebelwand besitzt. Diese Tatsache konnte allerdings nicht ohne die Fachfirma festgestellt werden, beispielsweise durch bloßes Betrachten der Außenwände."

Allerdings wurden bislang nicht nur die Außenwände betrachtet, immerhin gab es bereits eine Kostenschätzung für den Abriss in Höhe von 60 000 Euro. Jetzt hat man genauer hingeschaut und, so Mußweiler weiter: "Die Rückbaukosten schätzen wir aktuell auf rund 77 000 Euro. Derzeit wird das Leistungsverzeichnis erstellt und in Kürze soll die Ausschreibung erfolgen.

In dieser aktuellen Kostenschätzung sind neben den Kosten der Giebelsicherung auch die erhöhten Kosten für die Entsorgung der schadstoffbelasteten Bausubstanz enthalten. Auch dies konnte erst im Rahmen der Voruntersuchungen festgestellt werden." Insgesamt habe man nun 210 000 Euro für die Gesamtmaßnahme eingeplant.Sechs Bäume und drei Bänke


Von Ende April bis Juni sollen die Wände fallen und: "Die Giebelwand soll von dem Abrissgebäude getrennt und mit dem Nachbargebäude verknüpft werden. Der Eigentümer ist selbstverständlich in die Abrissplanung involviert."
Was "Baum-Dach-Platz" wird, wissen die Stadträte offiziell seit September: Es werden sechs Bäume gepflanzt, vermutlich Schnittplatanen.

Dazu kommen drei Bänke und eine Beleuchtung. Das Gelände zur Straße und der Vorplatz der Synagoge sollen einen einheitlichen Belag bekommen, vermutlich aus Naturstein.Extra

Die Einwohnerversammlung am Donnerstag, 3. März, 19 Uhr, in der ehemaligen Synagoge hat folgende Themenschwerpunkte: "Stadt am Fluss - Aufwertung des Lieserufers", "Parkplatz Karrstraße - Ideen zur Umgestaltung" und "Platz an der Synagoge - Nachnutzung des Grundstücks Himmeroder Straße 42". Christoph Heckel vom Trierer Büro BGH Plan wird dazu die einzelnen Konzepte vorstellen. sos