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Profis steigen Denkmal aufs Dach - Wittlicher Klosterschenke wird renoviert

Profis steigen Denkmal aufs Dach - Wittlicher Klosterschenke wird renoviert

Sanierung maroder Räume, Schaffung moderner Wohnungen, Instandsetzung von Dach und Fassade: Das als Klosterschenke bekannte Denkmal in Wittlichs Karrstraße ist eine Baustelle, in die 550 000 Euro investiert werden.

Wittlich. Die Mauern haben annährend 500 Jahre auf dem Buckel. Für junge Leute sind sie immer noch attraktiv: Sie stapfen feierlustig die vier Stufen, die aus dem Bürgersteig der Karrstraße zu wachsen scheinen hoch, hinein in die Klosterschenke. So heißt das Lokal, das in der Mitte zwischen "Bitchen" und "Treibhaus" liegt und diese beiden Kneipen allein durch Größe und Alter in den Schatten stellt.
Die Klosterschenke, von manchen auch immer noch nach dem ehemaligen Wirt "beim Slowik" genannt, ist seit Generationen beliebter Ort fürs Feiern und dazu ein Denkmal.
Als "Winkelbau mit Mansarddach, im Kern um 1600, Umbau 1753" betextet das Verzeichnis der Kulturdenkmäler das zu den bekanntesten Häusern der Wittlicher Innenstadt zählende Gebäude in der Karrstraße 36.Spaß in der Jugend


Pia Maria Simon ist hier groß geworden, im Zuhause und Arbeitsplatz ihrer Eltern Walter Slowik und Erika Slowik geborene Frühauf. Der Mann, dessen Name noch heute als Synonym für das Lokal genannt wird, hat die Gaststätte vor 16 Jahren an Elmar Becker verpachtet. Und nach dem Tod von Walter Slowik hat Tochter Pia Maria die Immobilie 2013 von der Mutter übernommen. Sie ist jetzt 47 Jahre alt und hat als junge Frau oft im Gasthaus geholfen. Jetzt will sie helfen, dass das Gebäude für die Zukunft gesichert ist: "Ich will es in Schuss bringen."
Immerhin ist die Klosterschenke seit vier Generationen im Familienbesitz. Und Eigentum verpflichtet. Zum einen wurde im Haus und dem dazu gehörigen Nachbargebäude Nummer 38 schon neuer Wohnraum, insgesamt neun Wohnungen, geschaffen, zum anderen stehen jetzt Außenarbeiten vom Sockel bis zum Dach an. Fünf Gerüstetagen ragen von der Karrstraße bis in den dahinter liegenden Klostergarten um den Bau. Man hört die Handwerker hämmern, rückwärts sanieren sie gerade Balkone. Ein Anstreicher steigt vom Gerüst. Auf die Frage, was er eigentlich mit der Kultkneipe verbindet, sagt er: "Spaß in der Jugend. Aber aus dem Alter, also den Zwanzigern, bin ich raus."
In dem Alter hat Pia Maria Simon selber viel Zeit im Lokal verbracht: "Ich habe immer mitgearbeitet, wenn etwas los war. Karneval, Kirmes. Es hat mir Spaß gemacht. Ein Jahr habe ich auch das Enigma geführt." Das war ein kleines Lokal dort, wo ganz früher noch eine Bäckerei war. Es ist seit dem Herbst geschlossen. Pia Maria Simon hätte da schon eine Idee, um die sie bis zur Spruchreife aber noch ein Geheimnis macht: "Ein Umnutzungsantrag ist jedenfalls gestellt. Es soll etwas werden, was es so nicht in Wittlich gibt. Sagen wir mal: mit Eventcharakter."
Die aktuelle Sanierung durch Familie Simon ist nicht die erste, die den Erhalt der Klosterschenke sichern soll: Unter anderem war der ehemalige Adelshof der Herren von Kallenbach nach dem Bombenangriff Weihnachten 1944 schwer zerstört. Man soll bei dem Wiederaufbau 1948 einen unterirdischen Gang entdeckt haben, der vermutlich zum ehemaligen Franziskanerkloster führte, von dem das Lokal noch heute seinen Namen hat. Die Franziskaner, die 1652 nach Wittlich kamen, waren einst in der Klosterschenke einquartiert. Das ist lange her. Damit die Geschichte weiter geht, steigen jetzt die Handwerker dem hohen Haus aufs Dach. Wenn alles klappt, rücken sie bis Ende Juni wieder ab. Das Gerüst zum Klostergarten hin soll bis zum Mai für die Biergartensaison verschwunden sein. Und dieser Platz hat sich auch enorm gewandelt. Pia Maria Simon: "Ich kann mich noch erinnern, dass hier ein Gebäude war: unten die Duschen und darüber der Versammlungsraum vom SV Wittlich. Wir waren ja damals Vereinslokal. Ich habe jetzt auch noch alte Pokale gefunden."Kein Schatz im Kloster


Von sonstigen Schatzfunden kann sie nichts erzählen. Auch ihren Mann, mit dem sie seit 25 Jahren in Bengel lebt, hat sie nicht "im Kloster" kennengelernt: "Ich habe ihn beim Steuerberater kennengelernt. Ich habe ja Steuerfachangestellte gelernt. Leider wollte er nicht Wirt werden. Er hat ja einen Dachdeckerbetrieb. Meine Eltern waren schon enttäuscht. Als ich gesehen habe, wie schön das Handwerk ist, wollte ich nie mehr in die Gastronomie."
Den drei Söhnen geht es wohl auch so: Einer arbeitet schon als Zimmerer auf der Baustelle, der nächste steht bald als Dachdecker auf dem Gerüst und genau dahin will der Jüngste auch. Und um die nächsten Generationen, die die Klosterschenke als Gast erleben wollen, kümmert sich weiter Pächter Elmar Becker. Er hat spezielle Baustellenschilder aufgehängt: "Wir haben geöffnet - trotz Gerüst und Renovierungsarbeiten."