Profitables preußisches Pflaster

SCHWARZENBORN. Die erste ausgebaute und befestigte Straße zwischen Wittlich und Bitburg führte nördlich der heutigen A 60 über Großlittgen, Himmerod, Oberkail und Kyllburg. Ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke liegt das kleine Örtchen Schwarzenborn. Die Durchgangsstraße ist vor 150 Jahren bewusst durch das Dorf hindurch gelegt worden.

Ende vergangenen Jahres sind in Schwarzenborn (Verbandsgemeinde Manderscheid) verkehrsberuhigende Maßnahmen an den Ortseinfahrten angelaufen. An der Durchgangsstraße sollen im Rahmen der Dorferneuerung beidseitig Gehwege angelegt werden. Derzeit ruhen die Arbeiten. Das frostige Wetter hat die Eifel fest im Griff. Zeit genug, einen Blick in die Geschichte der Eifel-Ardennen-Straße zu werfen, der heutigen Landesstraße 34, die durch Schwarzenborn führt. Beim Bau vor etwa 170 Jahren hieß sie Wittlich-Viandener-Straße. Damals begann der preußische Staat mit der Planung befestigter Straßen, so genannter Chausseen. Vorher gab es in der Eifel nur morastige Wege, die für Kutschen und Fuhrwerke kaum passierbar waren. Die neuen preußischen Straßen wurden allesamt gepflastert oder zumindest mit festem Untergrund versehen. Zur selben Zeit wurde auch die Bernkastel-Prümer Straße gebaut. Beide trafen sich in Wittlich und führten gemeinsam über Minderlittgen, Großlittgen, Himmerod, Eichelhütte und Schwarzenborn in den heutigen Kreis Bitburg-Prüm. Bei Kyllburg trennten sich die Straßenführungen. Nikolaus Zens, der Posthalter und Gastwirt des nur 60 Einwohner zählenden Eifeldorfes Schwarzenborn, beschloss, Kapital aus dieser Straße für sich und seine Gaststätte zu schlagen. Ursprünglich sollte die Trasse aus dem Salmtal herauf geradewegs etwa 250 Meter an Schwarzenborn vorbei führen. So wollten es die Straßenbauer, so würde es heute sicherlich gemacht werden. Aber der geschäftstüchtige Brauer und Gastwirt sah seinen Umsatz wegen des zu erwartenden Durchgangsverkehrs in ungeahnte Höhen steigen. Seinem Beharren und seinem Einfluss ist es schließlich zu verdanken, dass die Straße ihre heutige Wegführung erhielt, mit einem Schlenker vor und hinter Schwarzenborn. Die Kosten für die längere Trasse übernahm er selbst. Unmittelbar an dieser Straße errichtete sein Sohn Matthias Zens 1862 eine neue Posthalterei. Auf der Strecke von Wittlich nach Bitburg war es neben Kyllburg die einzige Pferdewechselstation. Ein lukratives Geschäft also, zusammen mit der Gastwirtschaft. Die Strecke über Schwarzenborn und Kyllburg war in der Zeit um 1860 die Hauptverbindung zwischen Wittlich und Bitburg. Dieser "Vorläufer" der A 60 ist zwar heute nicht mehr so stark frequentiert, soll aber vor allem für Fußgänger verkehrssicher gestaltet werden. Darauf legt Schwarzenborns Bürgermeister Jörg Klein Wert. Denn trotz der A 60 ist der Durchgangsverkehr in der kleinen Gemeinde wegen der nahen Airbase Spangdahlem immer noch relativ hoch. Jörg Klein spricht gerne vom "einwohnerjungen" Schwarzenborn: "Sicherheit brauchen wir auch für die Schwarzenborner Kinder. Die machen immerhin fast ein Viertel unserer 60 Bewohner aus." Die Posthalterei Schwarzenborn gibt es schon längst nicht mehr. Mit der Vollendung der Eifeleisenbahn zwischen Köln und Trier im Jahr 1871 und der Moselbahn zwischen Koblenz und Trier (1879) verlagerten sich die Verkehrswege. Auch der Name Wittlich-Viandener-Straße ist Geschichte. Heute ist die Landesstraße 34 gelegentlich auf Landkarten als Eifel-Ardennen-Straße eingetragen. Häufig wurde sie auch als "Grüne Straße" bezeichnet, als Teil eines 400 Kilometer langen Wegs vom Rhein durch Eifel und Ardennen bis an die Maas.

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