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Programm des Offenen Kanals in Wittlich schrumpft zusammen

Programm des Offenen Kanals in Wittlich schrumpft zusammen

Die Zusammenlegung der (Fernseh-)Kabelnetze bringt für die Offenen Kanäle (OK) der Region Veränderungen. Auch der OK Wittlich verliert seine Selbstständigkeit. Künftig wird es nur noch viermal wöchentlich je 90 Minuten Beiträge aus der Säubrennerstadt geben.

Wittlich/Trier. Steil führen die Treppen ins Dachgeschoss im Haus der Jugend (HdJ) zum OK Wittlich. Auf jedem Absatz spiegelt das Bild eines Kameramanns auf der Wand wider, wie sich der Besucher fühlt: Das Männchen wirkt Stufe für Stufe immer müder. Ähnlich schwer, wie das Treppensteigen fällt, dürfte es gestern dem OK-Vorsitzenden Helmut Petersen ergangen sein, als er den Zusammenschluss mit dem OK Trier unterzeichnete. Nach fast 17 Jahren verliert das Bürgerfernsehen in der Säubrennerstadt seinen eigenen Kanal. Im Sendeschema des OK Region Triers, der ab Juli in das Kabelnetz des ehemaligen Regierungsbezirks eingespeist werden soll, erhält Wittlich vier 90-minütige Fenster (siehe Extra).
"Wir verlieren zum größten Teil unsere Selbstständigkeit, können keine Livesendungen mehr machen", sagt Heribert Geiter. Aber der Verein bleibe bestehen. Die Beiträge werden nach Trier geschickt und dort eingespeist. "Durch die Umstellung gab es schon Überlegungen, alles hinzuschmeißen", sagt der Rentner, der 1992 zu den Gründungsmitgliedern des OK-Trägervereins gehörte, zehn Jahre Vorsitzender war und als Technikwart noch zum Vorstand gehört.
Geiter erinnert sich an die Anfänge: 1994, mit einer Sonderlizenz, sendete der OK vom Rheinland-Pfalz-Tag in Wittlich. Das waren Glanzzeiten. Doch durch Veränderungen im Freizeitverhalten und nicht zuletzt das Internet gibt es seit Jahren Nachwuchsprobleme. "Der Grundgedanke ist Bürgerfernsehen für Bürger. Der Offene Kanal steht jedem zur Verfügung. Jeder kann sich einen Kamera leihen, wenn er einen Beitrag dreht", sagt Vorstandsmitglied Hermann-Josef Haller. Aber: "Das Angebot nehmen nur wenige wahr."
26 Nutzer reichten laut Geiter 2010 Beiträge ein: zu wenig für ein abwechslungsreiches Programm. Das werde sich mit dem Zusammenschluss verbessern, glaubt Geiter, auch erreiche man mehr Zuschauer. Bisher konnten rund 7000 Haushalte in den Kabelnetzen Wittlich, Traben-Trarbach und Bernkastel-Kues den OK Wittlich empfangen. In Zukunft sollen es 54 000 sein. Zuschauerzahlen gibt es nicht: Die Einschaltquoten werden nicht von der Gesellschaft für Konsumforschung erfasst. Das ist für die Finanzierung auch nicht notwendig. Denn nach dem Landesmediengesetz sind die Säulen der OK Lokales und Bildung. Sie finanzieren sich aus Vereinsmitgliedsbeiträgen und Spenden. Die technische Ausstattung wird von der Landeszentrale für Medien und Kommunikation (LMK) zur Verfügung gestellt. Heribert Geiter beziffert die Anschaffung der Technik vor 17 Jahren auf damals 250 000 Mark.
Werbung dürfen OK ebenso wenig ausstrahlen, wie sie Sponsoren oder Spender nennen dürfen. Wegen eines Verstoßes gegen diese Richtlinie wurde der OK Wittlich vor acht Jahren von der LMK ermahnt. Neben Nachwuchs- gibt auch Geldsorgen. "Unser Verein ist finanziell klamm. Die Nebenkosten fressen uns auf. Wir müssen unbedingt sparen", sagt Geiter. Die Höhe der Schulden möchte der Vorstand nicht beziffern. Man hoffe, in zwei bis drei Jahren schuldenfrei zu sein. Rund 4000 Euro benötige man jährlich, sdas werde nach dem Zusammenschluss "erheblich" weniger. Das Studio und andere Räume werde man nicht mehr benötigen, so dass die Heizkosten sinken. Auch müssen nicht mehr drei Computer rund um die Uhr laufen.
Im Sommer geht beim OK Wittlich eine Ära zu Ende, trotzdem werden neue Pläne geschmiedet. Weil das stationäre Studio wegfällt, erhalte man von der LMK ein mobiles. Die veraltete Technik wird durch neue, digitale ersetzt. Gesendet werde dann im Seitenformat 16:9 statt 4:3 und digital. Und die Sendungen aus Wittlich bleiben nicht auf Kabelbenutzer beschränkt: "Was der OK Trier ausstrahlt, wird zeitgleich im Internet gesendet", erklärt Haller.Meinung

Mehr Hobby als Bürgerfernsehen
Finanziell ist der OK als Verein angeschlagen. Trotz großem Einsatz der Ehrenamtler: junge Leute fehlen, inhaltlich reicht es oft nur für Wiederholungen. Keiner weiß, wer überhaupt OK-Filme sieht. Längst haben Hobbyfilmer eine bessere Ausstattung, im Internetzeitalter wirkt das einst sinnvolle Bürgerfernsehen überholt, das nicht nur ausstattungsmäßig vom Land finanziert aber kaum auf Erfolg oder Sinnhaftigkeit kontrolliert wird. Der Zusammenschluss mit Trier ist vernünftig. Die Landeszentrale für Medien und Kommunikation sollte die gesamte mit öffentlichem Geld finanzierte OK-Idee prüfen. s.suennen@volksfreund.de

Extra

Der Offene Kanal Wittlich sendet voraussichtlich ab Juli zu folgenden Zeiten. Dienstag: 19.30 Uhr bis 21 Uhr, Donnerstag: 10 Uhr bis 11.30 Uhr, Samstag: 3 Uhr bis 4.30 Uhr, Sonntag: 13 Uhr bis 14.30 Uhr In der restlichen Zeit werden hauptsächlich Beiträge des OK Trier gesendet. teu