Prosit Neujahr im Walzertakt

BERNKASTEL-KUES. Mit beschwingten Walzerklängen, heiteren Operettenmelodien und launiger Moderation ließen sich die nahezu 1100 Besucher der beiden Gala-Neujahrskonzerte ins neue Jahr geleiten.

Ein heiter aufgelegtes Orchester, exzellente Gesangssolisten, eine launige Moderatorin und begeisterte Besucher - so präsentierten sich die beiden ausverkauften Neujahrskonzerte in der Mosellandhalle. Die Konzerte als musikalischer Übergang ins neue Jahr haben eine lange Tradition. Seit 1984 locken sie Musikfreunde aus nah und fern aufs Kueser Plateau. "Darunter auch Besucher, die von Anfang an dabei sind", erwähnte Hermann Lewen in seiner Begrüßung. Mehr als 25 000 Besucher haben die Neujahrskonzerte der Kultur&Kur bisher erlebt. Mit zu den "Stammgästen" gehört auch das Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz. Das Orchester eröffnete 1984 die Konzerttradition auf dem Kueser Plateau, war elfmal dabei und präsentierte sich auch 2007 als hervorragender Klangkörper, der es bestens verstand, mit Spielfreude und einem "spaßigen" Dirigenten das Publikum mitzureißen. Unter der Leitung des Gastdirigenten Rasmus Baumann eröffneten die Musiker mit Tschaikowskys Polonaise aus "Eugen Onegin" ein Programm, das mit beschwingten Walzerklängen und beliebten Operettenmelodien die richtige Mischung bot für ein unbeschwertes Neujahrs-Konzertvergnügen. Werke bekannter Komponisten des 19. Jahrhunderts standen auf dem anspruchsvollen, unterhaltsamen Programm - darunter Kompositionen von Tschaikowsky, Glinka, Kálmán, Lehár und Strauss junior. Was wäre ein Neujahrskonzert ohne Walzer - "das wäre wie Bernkastel ohne Kues", bemerkte mit schelmischer Miene die Moderatorin Barbara Ruscher. Zum ersten Mal führte sie durch ein Neujahrskonzert - wobei sie vor Jahren auf dem Kueser Plateau bereits als Kabarettistin zur Stelle war. Mit guten Neujahrswünschen bedachte sie das Publikum. Dazu gehörten eine gute Gesundheit, ein guter Moselwein - und eine höhere Mehrwertsteuer. "Da müssen wir durch, und das geht mit Walzerklängen sicher leichter", versprach sie augenzwinkernd. "Der Walzer galt einst als subversive Erotik-Musik und war in Schwaben und der Schweiz verboten", verriet Ruscher. Umso mehr genoss das Publikum die Walzerklänge und Operettenmelodien, die die beiden Gesangssolisten, der Tenor Junkee An aus Südkorea und die Sopranistin Estelle Kruger aus Südafrika, mit großem Stimmpotenzial darboten. Beide Sänger sind Mitglieder des Koblenzer Opernensembles, sie beeindruckten solistisch und im Duett und ernteten mehrfach Bravo-Rufe. Die Sänger hielten es - wie ihr Publikum - offenbar mit Martin Luthers Ausspruch, denn "Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr ein Leben lang". Bei jedem Walzerschritt tanzt eben auch die Seele mit - das konnten die Konzertbesucher nur bestätigen. "Heiter, leicht und beschwingt, so muss ein Neujahrskonzert sein", freute sich Doris Weinand über das Programm. Hedwig Gruppe lässt gar seit 23 Jahren kein Konzert zum Neujahrsbeginn aus. "Es ist immer wieder anders und immer wieder schön", sagt die Musikliebhaberin. Da klatscht sie beim obligatorischen Zugabe-Radetzky-Marsch ebenso euphorisch mit wie der ganze Saal.