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Protestanten feiern ein "Fest der Begegnung"

Protestanten feiern ein "Fest der Begegnung"

HAHN. Erstmals hatten die Protestanten auf dem Hunsrück und an der Mosel zu einem Kreiskirchentag eingeladen. Mit großem Erfolg. Über 1500 Menschen feierten, sangen, diskutierten, sprachen miteinander und lernten sich und die Arbeit der evangelischen Kirche in der Region kennen.

Mit einem solchen Andrang hatte niemand gerechnet. Schon lange vor Beginn des Eröffnungsgottesdienstes waren die 1000 Programmhefte vergriffen. Der Platz vor der Bühne auf dem Gelände der Landespolizeischule auf dem Flughafen Hahn reichte kaum aus, um alle Besucher zu fassen. "Ich bin überwältigt", bekannte Superintendent Horst Hörpel sichtlich beeindruckt. Erstmals hatte der Kirchenkreis Simmern-Trarbach zu einem solchen Treffen eingeladen. Zu einem Fest der Begegnung, wie Pfarrer Hörpel im Eröffnungsgottesdienst meinte. "Glaube verleiht Flügel", lautete das Motto des Kirchentags. Und bestimmte die Veranstaltungen und Themen auf dem Markt der Möglichkeiten rund um die ehemalige Kapelle. "Wir brauchen die Flügel des Glaubens, die uns die nötigen Perspektiven des Lebens zeigen, auch um Grenzen zu überschreiten", sagte Pfarrer Nikolaus Schneider, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Solche Perspektiven des Glaubens seien wichtig, um zu begreifen, "wie sehr wir uns einander brauchen, um Kirche zu sein", sagte Schneider. "Das macht uns stark", ermutigte der Präses die Kirchentagsbesucher. "Es ist wichtig, dass wir sehen, was für eine ansehnliche Gemeinschaft wir sind", hob Nikolaus Schneider hervor. Gemeinschaft erleben, das sei wichtig, und eine Ermutigung für die Protestanten auf dem Hunsrück und an der Mosel. Gemeinschaft erleben konnten die Besucher ganz sicher auf dem Kirchentag. Zahlreiche Gemeinden und kirchliche Einrichtungen hatten Stände aufgebaut, an denen sie über ihre Arbeit und das Leben in ihren Gemeinden berichteten und für Gespräche zur Verfügung standen. Und die Vielfalt war beeindruckend, sei es am großen Stand der diakonischen Einrichtungen, bei Beratungsstellen, Krankenhaus, Friedensbewegung, den rund 20 Kirchengemeinden oder den Kindergärten und der Jugendarbeit. Die Fülle kirchlichen Lebens in der Region überraschte sicher viele Teilnehmer. Und überall spielte das Motto "Glaube verleiht Flügel" eine Rolle. Und da wurde auch nicht an kritischen Worten gespart. Welche Konsequenzen das haben kann, machte Karl-August Dahl deutlich. Der ehemalige Beller Pfarrer, Symbol der Hunsrücker Friedensbewegung der 80er Jahre, warnte die Kirche davor, abzuheben und dadurch die Bodenhaftung zu verlieren. "Wo hungert und dürstet denn die Kirche heute wirklich nach Gerechtigkeit", meinte er. Die Protestanten auf dem Hunsrück müssten sich fragen lassen, wo sie denn als Kirche erkennbar seien. Wo sei der Protest gegen Arbeitslosigkeit, gegen Armut und soziale Not? "Haben wir hier noch eine lebendige Botschaft oder begnügen wir uns mit einem Bibelwort und gehen zur Tagesordnung über", fragte Dahl. Die Kirche müsse Standpunkte finden und wieder gehen lernen. Auf den Knien, ganz unten am Boden, wie die kleinen Kinder, forderte der Pfarrer. Nachdenkliche Worte, die aber auch das Bild dieses Kirchentages prägten. "Wir wollen hier ins Gespräch kommen", hatte Superintendent Horst Hörpel im Eröffnungsgottesdienst gemeint. Und dies ist sicher gelungen. Egal, ob Alt oder Jung, ob Groß oder Klein: Sie alle feierten gemeinsam, erfreuten sich über die Vielzahl der Angebote und auch die Vielfalt dessen, was evangelische Kirche in der Region ausmacht.