Protestanten sind gerüstet

Ende Mai kommt die neu gewählte Kreissynode des evangelischen Kirchenkreises Simmern-Trarbach zu ihrer ersten Sitzung zusammen, die Amtszeit der 2004 gebildeten Synode ist abgelaufen. Zeit für ein Resümee, aber auch einen Ausblick auf die kommenden vier Jahre.

Kirchberg. (dju) Es waren vier ereignisreiche Jahre für die Protestanten im Hunsrück und an der Mosel. Strukturfragen, Finanzfragen, das Reformationsjubiläum, die Gründung eines Diakonischen Werkes und die Streichung von Pfarrstellen standen im Mittelpunkt der insgesamt acht Tagungen der Kreissynode Simmern-Trarbach, deren Amtszeit mit den Presbyterwahlen im Februar zu Ende ging."Es war für die evangelische Kirche in unserer Region eine dynamische Umbruchsituation, wie wir sie vor zehn Jahren so sicher nicht erwartet haben", meint Pfarrer Horst Hörpel, der Superintendent des Kirchenkreises Simmern-Trarbach. Dennoch ist er sicher: "Wir haben uns den Her ausforderungen gestellt und in der Synode wichtige Weichenstellungen für die nächsten Jahre getroffen. Es ist ein Weg in die richtige Richtung."Der Superintendent verweist dabei auf die Arbeit der Perspektivenkommission, deren Vorschläge für Änderungen in der Diakonie und der Jugendarbeit, aber auch in der kirchlichen Verwaltung und den kirchlichen Strukturen auf der Synode 2003 in Sargenroth beschlossen wurden. "Gott sei Dank hatten wir, als wir die Auswirkungen durch die demografischen Entwicklungen und die rückläufigen Einnahmen im Kirchenkreis spürten, einen Plan. Wir haben so die Voraussetzungen geschaffen, um die Her ausforderungen zu bewältigen", betont Horst Hörpel.Die Gemeinden und die Mitarbeiter im Kirchenkreis hätten erkannt, dass es wichtig sei, nicht nur den eigenen Kirchturm zu sehen, sondern den Blick auf den gesamten Kirchenkreis zu lenken. "Wir sind weggekommen von Einzellösungen", so der Superintendent mit Blick auf die gefundenen Lösungen für die Besetzung wie auch die Reduzierung von Pfarrstellen.Hörpel: "Der Hunsrück wird wohl seine klassische Pfarrstellenstruktur verlieren, aber in den Regionen werden zukünftig Teamlösungen im Vordergrund stehen, ohne dass die Seelsorge vor Ort beeinträchtigt wird." Denn: "Die Kirche ist mehr als die Gemeinde vor Ort, aber ohne die Gemeinde vor Ort ist sie auch keine Kirche.""Strukturfragen sind auch zutiefst theologisch"

Den Vorwurf, die evangelische Kirche hätte sich in den vergangenen Jahren nur mit Strukturfragen, zu wenig aber mit theologischen Themen beschäftigt, hält er für falsch: "Strukturfragen sind auch zutiefst theologisch", so Hörpel. Denn es gehe darum, wie die Kirche ihren Auftrag vor dem Hintergrund sinkender Mitgliederzahlen und weniger werdender Finanzen erfüllen könne.Dennoch hofft er, dass in der neuen Kreissynode, die Ende Mai in Traben-Trarbach zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommen wird, Strukturfragen eher in den Hintergrund treten, wenn es in den kommenden Monaten gelingt, vernünftige und verlässliche Strukturen für den Kirchenkreis zu schaffen."Die evangelische Kirche steht vor großen Herausforderungen", so Hörpel. Denn auf die gesellschaftlichen Veränderungen und den Strukturwandel in der Region muss seiner Meinung nach auch die Kirche reagieren und Antworten finden, ist er sich sicher und verweist auf die erfolgte Gründung eines gemeinsamen Diakonischen Werkes mit dem Kirchenkreis Trier oder die geplante Gründung eines evangelischen Kindergartenverbandes.Hörpel: "Wir wollen trotz angespannter Finanzen die Beratungsangebote für Menschen und die Hilfen für Familien fortsetzen und ausbauen. Denn wir bleiben nah dran an den gesellschaftlichen Entwicklungen."Weitere wichtige Themen der kommenden Jahre werden die Auswirkungen der Globalisierung sein, glaubt Hörpel. Auf der Synode in Dichtelbach 2005 wurde bereits darüber gesprochen, weitere Synoden dazu werden folgen.Ebenso müsse die evangelische Kirche sich ökumenischen Fragen stellen - gegenüber der römisch-katholischen Kirche, aber auch zum Umgang mit den Freikirchen. "All das wird auch auf den Kreissynoden in den kommenden vier Jahren diskutiert werden", ist sich der Superintendent sicher.

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