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Prozess in Trier: 30-Jähriger soll Kind mehrfach misshandelt haben – Mutmaßliches Opfer muss wohl vor Gericht aussagen

Prozess in Trier: 30-Jähriger soll Kind mehrfach misshandelt haben – Mutmaßliches Opfer muss wohl vor Gericht aussagen

Ein 30-jähriger Mann muss ich seit Mittwoch vor dem Landgericht Trier verantworten, weil er unter Verdacht steht, seine Stieftochter mehrmals misshandelt zu haben. Der Angeklagte, der im Raum Wittlich wohnte und Zivilangestellter der US-Airbase Spangdahlem war, gestand einen Teil der ihm vorgeworfenen Taten.

Schläge mit dem Gürtel oder der Faust? Vor der ersten Großen Jugendkammer des Landgerichts Trier hat ein Angeklagter, der sich wegen der Misshandlung seiner Stieftochter verantworten muss, ein Teilgeständnis abgelegt. Dennoch muss das Kind wahrscheinlich noch aussagen.

Die Anklage: Die Staatsanwaltschaft Trier wirft dem Angeklagten vor, seine damals zehnjährige Stieftochter mehrfach misshandelt zu haben. Er soll sie unter anderem mit einem Gürtel und der Faust geschlagen haben, teilweise, bis sie sich erbrochen habe. Zudem soll er sie mehrfach in den Schwitzkasten genommen haben, teilweise bis sie ohnmächtig wurde und sich einnässte. Bei einer anderen Gelegenheit soll er ein brennendes Streichholz auf ihrem Arm ausgedrückt haben. Zudem wird ihm vorgeworfen, das Kind in eine mit Wasser gefüllte Badewanne gesetzt und den Kopf unter Wasser gedrückt zu haben.

Schließlich soll er sie genötigt haben, Händedesinfektionsmittel herunterzuschlucken, anschließend soll er ihre Hände mit Schnürsenkeln gefesselt und ihr kurzzeitig eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt haben, wodurch sie Atemnot erlitt.

Der Angeklagte: Der 30-Jährige, der vor Gericht sichtlich nervös war, wuchs nach eigener Aussage bei seiner Großmutter sowie seiner Tante und seinem Onkel auf und sah seine Eltern nur in den Ferien. Seine heutige Frau, die Mutter seines Stiefkindes, habe er 2011 kennengelernt.

Da er im Tatzeitraum zwischen Ende 2014 und Ende 2015 in Teilzeit gearbeitet habe und seine Frau Vollzeit, habe hauptsächlich er sich um das Mädchen gekümmert. Er gab in seiner Vernehmung vor Gericht an, weder seine Frau noch eine andere Frau jemals geschlagen zu haben. Allerdings habe seine Frau, die er als sehr dominant beschrieb, mehrfach versucht, ihn zu schlagen. Im Tatzeitraum lebten sie im Raum Wittlich, beide arbeiteten auf der Airbase Spangdahlem.

Die Aussage: Der Mann sagte gestern aus, dass er das Mädchen mehrfach mit dem Gürtel geschlagen habe, "aber immer nur auf den Hintern".

Die Mutter hingegen habe das Kind auch auf andere Körperteile mit dem Gürtel geschlagen. Als Grund für seine Schläge gab er an, dass das Mädchen Probleme in der Schule gehabt habe, der Impuls dazu sei von der Mutter gekommen. Zudem gestand der 30-Jährige, sein Stiefkind auf den Kopf oder den Bauch geschlagen zu haben - allerdings, wie er sagte, nie so stark, dass er sie habe verletzten können. Das sei Teil eines Sporttrainings gewesen, dass das Mädchen als Erziehungsmaßnahme habe absolvieren müssen.

Zu diesem Programm haben laut seiner Aussage auch ein Boxtraining und Liegestütze gehört. Alle weiteren Anklagepunkte bestritt der 30-Jährige. Als möglichen Grund für die aus seiner Sicht nicht wahrheitsgemäßen Vorwürfe des Mädchens komme in Betracht, dass das Kind ihrer Mutter zuliebe lüge. Diese wolle sich von ihm trennen und ihn los werden.

Der nächste Verhandlungstag: Verhandlung soll am Dienstag, 21. Juni, fortgesetzt werden. Dann muss wahrscheinlich auch das mutmaßliche Opfer aussagen. Lediglich ein komplettes Geständnis des Angeklagten im Vorfeld könnte dem Kind die Aussage vor Gericht noch ersparen.