Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht Wittlich wieder unterbrochen

Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung am Amtsgericht Wittlich wieder unterbrochen

Immer noch kein Ende: Zwei weitere Zeugen wurden beim zweiten Termin vor dem Wittlicher Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung gehört, konnten aber keine Klarheit schaffen. Eine weitere Zeugin erschien erst gar nicht.

Wittlich. Beste Freunde werden Richter Josef Thul und Verteidiger Marcus Palm wohl nicht mehr werden. Nachdem es am ersten Verhandlungstag in der vergangenen Woche zu mehreren, teils lautstarken Anschuldigungen beiderseits gekommen war (der TV berichtete), ging es am Dienstag zwar gemäßigter zu - hier und da gerieten die beiden Juristen aber wieder aneinander.
Streitpunkt war die Suche nach einem weiteren Fortsetzungstermin, da die für gestern geladenen Zeugen keine Klarheit schaffen konnten. Das Gericht verhandelt eine Anklage gegen zwei Männer, die einen 19-Jährigen am Rosenmontag vor der Bürgerhalle in Dreis zunächst durch mehrere Schläge zu Boden gebracht und ihm anschließend gegen den Kopf getreten haben sollen.
Der Tritt gegen den Kopf hatte eine 16-jährige Zeugin dem Gericht am ersten Verhandlungstag geschildert. "Das ist, wenn man so will, die Kronzeugin der Anklage", sagt Pflichtverteidiger Winfried Schabio.
Keiner der weiteren sechs Zeugen konnte das allerdings bestätigen - auch nicht die beiden Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die gestern als Zeugen vernommen wurden. Und das, obwohl diese den Streit, laut der Zeugin, geschlichtet haben sollen.
An eine Schlägerei erinnern sich die beiden Sicherheitskräfte allerdings: "Da haben sich mehrere Personen geschlagen - jeder gegen jeden", sagt der 26-jährige Security, der zur Tatzeit noch nicht lange bei der Sicherheitsfirma angestellt gewesen ist.
Er sei gemeinsam mit seinem Schichtführer zu den Streithähnen gelaufen und habe sie auseinander gestoßen. "Ich habe die Leute angeschrien und dann war die Schlägerei auch vorbei", sagt er. Der Mann ist groß gewachsen und hat ein breites Kreuz. "Wenn ich schreie, reicht das in der Regel."
Was aber genau geschehen ist, weiß er nicht mehr. An dem Abend habe es ungewöhnlich viele Auseinandersetzungen gegeben: "Ich hätte nie gedacht, dass es in Dreis so schlimm ist."
Sein Schichtführer sagte hingegen aus, dass zwei Männer auf dem Boden gelegen hätten und ein Dritter über ihnen gestanden habe. Eine Schilderung, die in keiner anderen Zeugenaussage auftaucht. Richter Thul fragte gezielt nach, ob er sich sicher sei, dass es zwei Personen gewesen sind. "Ja, definitiv", antwortete der Schichtführer. Nach der Aussage seines Mitarbeiters sei an dem Abend mehrmals die Polizei gerufen worden, die aufgrund der vielen Schlägereien letztlich mit zwei Streifenwagen vor Ort geblieben seien.
Von der Polizei erhofft sich Verteidiger Marcus Palm nun, dass sie dem Gericht nun mehr Details über die Schlägerei erzählen können. Als weitere Zeugin war daher eine Polizistin geladen, die aber aus diversen Gründen nicht zur Verhandlung erscheinen konnte. Sie soll nun in einem weiteren Fortsetzungstermin am Dienstag, 17. November, um 15.30 Uhr gehört werden.
Eine Entscheidung über das von Verteidiger Marcus Palm beantragte medizinische Gutachten hat das Gericht noch nicht getroffen. Laut Palm sollte das medizinische Gutachten klären, ob die Verletzungen des Opfers überhaupt mit dem Tatvorwurf in Einklang zu bringen sind. Außerdem sollen beim Fortsetzungstermin noch die Gutachten der Jugendgerichtshilfe vorgetragen werden.
Der Angeklagte H., der das Opfer getreten haben soll, befindet sich zurzeit in Untersuchungshaft. Am 3. November verhandelt das Amtsgericht Wittlich gegen ihn noch wegen dreier Einbruchsdiebstähle.

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