Prüfer haben Wittlichs Bäume im Blick

Prüfer haben Wittlichs Bäume im Blick

Die Stadt Wittlich muss sich um vieles kümmern, auch um ihre 5520 Bäume. Das ist wichtig, wie das Unglück in Trier zeigt. Im November wurde dort eine Frau von einer Kastanie erschlagen. Jährliche Kontrollen sollen das in Wittlich verhindern. 35 000 Euro gibt die Stadt für die Baumpflegearbeiten aus.

Wittlich. Kastanien säumen den Platz an der Lieser, Dachplatanen den Pariser Platz, Linden in Kastenform schmücken die Koblenzer Straße: Wittlich hat viel öffentliches Grün, darunter 5520 Bäume, die einmal im Jahr kontrolliert werden. Das dient der Sicherheit. Dort, wo rings um die Stämme viel los ist, schaut die Stadt auch öfter hin, etwa bei Kindergärten und bei Spielplätzen. Das macht nicht irgendwer: Zwei Mitarbeiter des städtischen Servicebetriebs des Bauhofs sind für diese Aufgaben zu zertifizierten Baumkontrolleuren ausgebildet worden. Werden Schäden entdeckt, kommen zum Teil auch noch externe Gutachter zum Zug, sagt Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung.
Sichtprüfung reicht nicht


Um nichts zu übersehen, wird im jährlichen Wechsel einmal mit und einmal ohne Laub ein genauer Blick auf Ahorn und Co geworfen. Doch mit der sogenannten Sichtprüfung ist noch nicht alles getan. Wie ein Arzt braucht auch der Baumkontrolleur Instrumente. Es sind Schlaghammer, Schürf eisen und Resistograph (Bohrwiderstandsmesser). Letzteres ist ein Spezialgerät, das innere Nassstellen oder Fäule feststellen kann. Manchmal muss auch mit schwerem Gerät angerückt werden. Um die Pilzerkrankung Massaria zu entdecken, muss der Fachmann Platanen sozusagen aufs Dach steigen. Ohne Hebebühne geht das nicht.
Allgemein gilt: Wittlich hat einen guten Überblick über das städtische Grün. Schon vor Jahren wurde ein Baumkastaster angelegt.
Das dient als Datengrundlage für die systematische Kontrolle und erleichtert im Schadensfall auch den Nachweis, dass die Stadt ihrer Sicherungspflicht nachgekommen ist, sagt Mußweiler. Zum Vergleich: Die Stadt Bitburg, die 2599 Bäume zu betreuen hat, nimmt ein solches Kataster erst in Angriff. Es soll Ende 2013 fertig sein. Gleichzeitig werden dort jetzt zwei Gärtner zu Baumkontrolleuren ausgebildet, die es in Wittlich schon gibt.
Heimische Art hat Vorteile


Und welcher Baum darf überhaupt im Stadtgebiet wachsen? Von Vorteil ist, wenn es sich um eine heimische Art handelt, die gut mit dem Standort klarkommt. Am häufigsten gibt es deshalb in der Säubrennerstadt Linden, Ahorn, Platanen und Eichen. Und es gibt jährlich Zuwachs. Neu gepflanzt werden im Jahr etwa 40 Stück. Wird gebaut, werden ebenfalls neue Bäume gesetzt, etwa im Umfeld der neuen Veranstaltungshalle Eventum. Und auch die jüngsten Gehölze, die kein Sicherheitsrisiko sind, machen Arbeit. Jungbäume bekommen alle zwei bis drei Jahre einen Erziehungsschnitt. Formgehölze werden sogar jedes Jahr geschnitten.
Extra

Trier. Eine etwa 80 Jahre alte und 15 Meter hohe offenbar morsche Kastanie war im Wilhelm-Rautenstrauch-Park in der Trierer Innenstadt im November des vergangenen Jahres umgestürzt. Dabei wurde eine 70-jährige Frau getötet. Ein Mann wurde verletzt. Der Baum stand nicht auf der Baumfällliste der Stadt. Derzeit laufen noch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. noj

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