Pusten für die Lebensqualität

WITTLICH. (ks) "Es darf wieder gepustet werden." Helga, Elisabeth und Inge freuen sich auf den Start der neuen Trainingsgruppe "Lungensport" des Polizeisportvereins Wengerohr mit Claudia Gräbedünkel. Sie wird die Arbeit des Ortsverbandes Bernkastel-Wittlich der Patientenliga für Atemerkrankungen ergänzen, die regelmäßig Treffen anbietet.

"Es ist schon überaus beängstigend, mitten im Tagesablauf nach Luft schnappen zu müssen oder nachts wegen Atemnot nicht schlafen zu können." Helga, Elisabeth und Inge wissen wovon sie reden - sie sind Betroffene. Oft tritt bei Asthma oder chronischer Bronchitis nach etwas Anstrengung schon Atemnot auf. Chronische Lungenerkrankungen gehören zu den Volkskrankheiten. "Nicht ins Kämmerchen zurückziehen und beklagen, was man nicht mehr kann, sondern sich Hilfe zur Selbsthilfe suchen" - so hatte Elisabeth vor einem Jahr reagiert. "Als die Angst vor dem nächsten Atemnotanfall immer mehr zur Einschränkung meiner Bewegung führte, und die offenen Fragen zu den Medikamenten immer größer wurden, hat mir der regelmäßige Treff Gleichgesinnter den richtigen Weg gezeigt." Inge Follmann, selbst betroffen, ist die Ansprechpartnerin der Lern- und Übungsgruppe der Patientenliga "Atemwegserkrankungen". Der Ortsverband bietet in Zusammenarbeit mit Fachärzten, Therapeuten und Apothekern eine monatliche Informations- und Schulungsveranstaltung an. "Geschulte und informierte Patienten können im Alltag besser mit der chronischen Erkrankung umgehen", sagt Inge Follmann. "Medikamentenschulungen, Hustentechniken und Entspannungsübungen, das Führen eines Asthma-Tagebuchs und der Umgang mit dem Notfallplan sind die Inhalte unserer Treffs. Vor allem aber wollen wir vermitteln, dass man trotz chronischer Atemwegserkrankungen eine angemessene Lebensqualität erreichen kann. Dazu gehört auch sportliches Aktivsein." Nach einem Schnupperkurs im vergangenen Jahr gibt es jetzt ab Mitte September ein regelmäßiges Kursangebot "Lungensport" beim PSV. Fachübungsleiterin Claudia Gräbedünkel leitet den Kurs. Sie sagt: "Die Kursteilnahme setzt eine ärztliche Untersuchung voraus. Im Optimalfall genehmigt die Krankenkasse eine Verordnung des Haus- oder Lungenfacharztes, was die Übernahme der Kosten durch die Kasse bedeutet. Aber auch ohne Verordnung kann man an der Sportgruppe teilnehmen. Die Kosten liegen zwischen 7,50 und 9,50 Euro monatlich." Sie wolle "Freude und Spaß für den Sport trotz der Beschwerden entwickeln. Bei mir soll jeder individuell die Form und Dauer der Belastung kennen lernen, die bei ihm beschwerdefreie Bewegung zulässt und seine Lebensqualität auf lange Sicht verbessert." So läuft eine Übungseinheit ab: "Nach der Messung des Ausatmungsvolumens zu Beginn der Stunde wird nach den Aufwärmübungen die Ausdauer trainiert. Auch Gymnastik, Atemtherapie, Dehn- sowie Entspannungsübungen sind regelmäßige Bestandteile der Trainingseinheit. Die Stunden werden begleitet von Atemmessungen und Pulskontrolle, damit niemand übers Ziel hinaus schießt, sich unterfordert oder überlastet."