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Rachtiger Sänger wagen musikalisches Experiment

Musik : Rachtiger Sänger wagen musikalisches Experiment

Nachtgesang – so war das erste Chorkonzert seit Corona überschrieben. Es war ein Experiment des „Chorgesangs Cäcilia Rachtig“, mit dessen Ausgang alle zufrieden waren.

Chorsingen unter Corona-Bedingungen – das geht. Das hat der „Chorgesang Cäcilia Rachtig“ bei seinem Konzert „Nachtgesang“ bewiesen – mit drei Metern Abstand zum singenden Nachbarn. Zuvor hatten sich die Sänger an ein Konzert in der ehemaligen Abteikirche St. Maximin in Trier erinnert, wo die Männer des weltberühmten schwedischen Chores Orphei Drängar mit weitem Abstand rundum an den Außenmauern der Kirche verteilt auftraten. Der Klang und die Wirkung der Musik im Raum waren überwältigend.

Das sind natürlich Profis. Aber warum soll ein Laienchor das nicht auch einmal versuchen?, fragte man sich in Rachtig. Und so trafen sich die Männer des „Chorgesang Cäcilia Rachtig“ in der Kirche; zögerlich zunächst und nur mit Einzelstimmen, schon bald aber wieder mit dem ganzen Ensemble. Verschiedene Aufstellungen wurden ausprobiert,

Aber da nicht nur unter den Mitwirkenden die Drei-Meter-Regel gilt, sondern zusätzlich auch noch zum Publikum fünf Meter Abstand eingehalten werden müssen, blieb nur eine Form übrig: Als zahlenmäßig stärkste Stimme der zweite Bass am Hochaltar, davor die drei ersten Tenöre, in den Seitenschiffen rechts und links um 90 Grad gedreht die beiden Mittelstimmen, im akustischen Zentrum Chorleiter Josef Thiesen und am historischen Bösendorfer-Flügel Theresia Thiesen.

Es wurde ein Abend der romantischen Klänge. Neben bekannten Sätzen standen mehrere Neueinstudierungen der Corona-Zeit auf dem Programm; dabei durchaus auch Ungewohntes: „Die Abendglocken rufen“ von Franz Abt, Psalm 23 von Franz Schubert, „Der König in Thule“ mit zwei Solostrophen von Bariton Bernd Föhr. Dazwischen zwei Impromptus von Franz Schubert, gekonnt musiziert von Theresia Thiesen sowie stimmungsvolle Gedichte von Rilke, Eichendorff, Banck und Heinz Erhardt, pointiert vorgetragen von Miriam Glesius.

Nach 60 Minuten musste Schluss sein, und es durften auch nur 60 Zuhörer dabei sein, aber Standing Ovations zeugten von der Begeisterung über ein gelungenes Experiment.