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Geschichte: Rätsel um alte Filme: Hollywood statt Hunsrück

Geschichte : Rätsel um alte Filme: Hollywood statt Hunsrück

Das Rätsel um alte Filme und einen Projektor aus den 1930er-Jahren ist gelöst. Trotz vieler neuer Erkenntnisse  bleibt eine Frage offen.

Hunsrückhöhenstraße, Autobahn oder eine völlig andere Straße? Das war die Frage, die sich Ursula Borsch aus Lutzerath (Kreis Cochem-Zell) stellte, als sie beim Räumen des Speichers einen alten 35-Millimeter-Filmprojektor samt Rolle fand. Ihre Vermutung: Die Aufnahmen stammten von ihrem Schwiegervater, der beim Bau der Hunsrückhöhenstraße geholfen und das gefilmt hat. Mit dem Wunsch, das Rätsel zu klären, meldete sich die 83-Jährige beim TV, der seine Leser um Mithilfe bei der Klärung bat (TV vom 22. Januar).

Auf den Aufruf hin hat sich unter anderem der Huppperather Hugo Mandel gemeldet. Mandel (78) ist gelernter Elektrofeinmechaniker und Hobbyfilmer. Er bot an, den alten Apparat „fachgerecht und kostenfrei“ trotz der „erheblichen Mängel“ zu reparieren, um die Filme darauf abzuspielen. Gesagt, getan. Wenige Tage später war das Werk vollbracht. Mandel kam zu folgendem Ergebnis: Der knapp dreiminütige Film zeige zusammengeklebte, kurze Tonfilmstreifen in Sekundenlänge mit verschiedenen Motiven ohne Zusammenhang. Seine Vermutung: Sie stammen aus (Hollywood)-Spielfilmen und Wochenschauen. „Mit dem Bau der Hunsrückhöhenstraße habe die Szenen nichts am Hut.“

Dass es sich bei den Bildern zum Straßenbau nicht um die Hunsrückhöhenstraße handelte, das vermutete auch Norbert Bastian. Der 96-jährige Hunsrücker ist sich sicher, dass der Film einen Ausschnitt vom Bau der Autobahn bei Wittlich von Ende der 1930er-Jahre zeigt. Denn weil dort zeitweise ein Flugzeug neben der Strecke stand, sei er damals gemeinsam mit einem Freund mit dem Fahrrad von Horath nach Hasborn gefahren, um sich das Fluggerät anzusehen. Ein Erlebnis, das er auch rund 80 Jahre später nicht vergessen hat.

Hermann Hammes aus Longkamp konnte zwar nicht erkennen, ob es sich bei den Fotos um den Bau der Hunsrückhöhenstraße handelt, hat aber eine andere Anekdote zu der Straße parat. 1973 habe er, damals schon als Straßenbauer bei der Straßenmeisterei Morbach beschäftigt, gemeinsam mit seinen Kollegen eine Kreuzung der B 329 verlegen müssen. Dazu habe man eine Birke fällen müssen, „die sonst mitten auf der Kreuzung gestanden hätte“, erzählt er. Und unter dessen Wurzelstock, der ebenfalls ausgegraben werden musste, habe man etwas Besonderes gefunden. „Dort war ein Tonrohr vergraben, in dem eine alte Bierflasche mit Bügelverschluss drin gelegen hat“, sagt er. „Und in dieser Flasche war ein altes Schriftstück drin, das aus der Zeit des Baus der Hunsrückhöhenstraße stammt.“ Den Brief (siehe Extra) haben die Arbeiter sofort auf ihrer Dienststelle abgegeben. „Der Chef wollte das direkt sehen“, sagt er. Jeder aus der Gruppe habe eine Kopie davon bekommen.

Die in Handschrift verfassten und schwer leserlichen Zeilen, habe er sich später „übersetzen“ lassen. Sie zeigen einen Überblick über die Arbeiter und das benötigte Material. Und sogar in einem Buch findet sich der Brief wieder: In dem Werk „135 Jahre historische Zeitreise“ von Leo Kolz ist er abgedruckt. Und auch wenn jetzt dank Hugo Mandel größtenteils geklärt ist, was auf den Filmen von Ursula Borsch zu sehen ist, bleibt ein Rätsel bestehen: „Kurios ist, dass auf beiden Rändern des Films durchgehend Logos von zwei Rohfilmherstellern zu erkennen sind, Agfa und Kodak AG.“ Ein Rätsel, für das es (noch) keine Lösung gibt.