1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Rätsel um tote Fische im Escher Kramesbach

Rätsel um tote Fische im Escher Kramesbach

Tote Fische im Kramesbach mitten in Esch: Sind Phosphorpartikel einer durchgerosteten Granate aus dem Zweiten Weltkrieg die Ursache? Jürgen Lenz vom Kampfmittelräumdienst bezweifelt das. Dafür seien die Mengen zu gering gewesen. Die Kreisverwaltung sagt hingegen: Der Phosphor hat zu dem Fischsterben geführt.

Esch. Erwin Gabler schaut in den an seinem Haus vorbeifließenden Bach. Ein Fisch liegt leblos auf dem Bachgrund, ein anderer bewegt sich träge. "Der scheint auch was abgekriegt zu haben", sagt der 64-Jährige. Noch immer kann er kaum fassen, was am Abend zuvor passiert ist. Gegen 18 Uhr kommt Gemeindearbeiter Rudi Klar zu Gabler und sagt: "Guck mal, da treiben tote Fische im Bach. Und es stinkt so komisch." Gabler eilt nach draußen und ist über das, was er sieht, entsetzt. Er wirft mehrere tote Fische, fast ausnahmslos Forellen, in einen Eimer und ruft sofort die Polizei.
Funken sprühen und es stinkt


Die ist schnell vor Ort, ein Polizeibeamter geht mit Gabler den Bach aufwärts ab. Überall tote Fische. "Ich schätze, es waren 100", sagt Gabler. Etwa 200 Meter weiter führt eine kleine Brücke über den Bach. Darunter stinkt es besonders schlimm. Der Geruch erinnert Gabler an ein Gemisch von Knoblauch und faulen Eiern. Der Polizist und Gabler machen dort außerdem eine seltsame Entdeckung. Kleine Funken tanzen auf dem Wasser. "Als ob jemand Teile einer Wunderkerze reingeworfen hätte", meint Gabler. Die Polizei benachrichtigt die Feuerwehr. Die Wehren von Esch, Hetzerath und Sehlem und eine Teileinheit des Gefahrstoffzuges rücken an.
Schnell sind auch Jürgen Lenz vom Kampfmittelräumdienst aus Trier und ein Mitarbeiter der Kreisverwaltung zur Stelle. Der bereits von den Feuerwehren geäußerte Verdacht, dass es sich um eine chemische Reaktion mit weißen Phosphorpartikelchen handeln könnte, erhärtet sich. Lenz gibt aber Entwarnung. Die Mengen seien so gering, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Außerdem bezweifelt er, dass der Phosphor zu dem Fischsterben geführt hat (siehe Extra). Drei- bis viermal im Jahr, so Lenz, müsse der Kampfmittelräumdienst wegen Phosphorfunden ausrücken. Zumeist würden solche Waffenreste in Wäldern gefunden.
Die Kreisverwaltung bewertet den Vorfall in Esch anders als Lenz. Sie geht davon aus, dass die Fische durch den freigesetzten Phosphor vergiftet wurden. Anzeichen für eine andere Ursache gebe es derzeit nicht. Es seien auch keine Untersuchungen notwendig, da kein weiteres Phosphor in den Bach gelangt sei und sich die Konzentration rasch auf ein unbedenkliches Maß reduziert habe.
Feuerwehr und Polizei hätten aber vorsorglich die Landwirte darauf hingewiesen, in den nächsten Tagen kein Wasser fürs Vieh aus dem Bach zu entnehmen. Ob der Verzehr von Fischen aus dem Bach unbedenklich ist, kann die Kreisverwaltung nicht beurteilen.
Wer Fische aus dem Bach verkaufe, müsse, so die Behörde, seine Sorgfaltspflicht beachten und gegebenenfalls die Tiere von einem Labor untersuchen lassen.Extra

Der Escher Ortsbürgermeister Peter Body an der Stelle am Bach, wo der Phosphor entdeckt wurde. Er will vorsorglich den Bachgrund abtragen lassen. TV-Foto: Klaus Kimmling

Jürgen Lenz vom rheinland-pfälzischen Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz. Sie waren am Mittwochabend vor Ort. Bestand Gefahr für die Bevölkerung? Lenz: Nein. Die Phosphorpartikel, die sich, nachdem sie mit Sauerstoff in Berührung kamen, entzündeten, waren sehr winzig. Es bestand überhaupt keine Gefahr. Anders wäre es gewesen, wenn sich eine ganze Phosphor-Granate entzündet hätte. Ich vermute, dass irgendwo bachaufwärts eine Phosphorgranate oder Teile davon über all die Jahre verrostet sind und kleine Partikel abgeschwemmt wurden. Keine Gefahr? Es sind aber doch Fische verendet. Lenz: Ich bezweifle, dass der Phosphor die Ursache für das Fischsterben war. Es kann auch eine andere Verunreinigung gewesen sein. Vielleicht hat jemand Farbreste oder Chemikalien im Bach entsorgt. Was ist jetzt noch zu tun? Lenz: Wir haben den Bach mehrere Hundert Meter weit abgesucht und nichts gefunden. Für uns ist die Sache zunächst erledigt. Die Gemeinde will aber die Stelle am Bach, wo sich der Phosphor entzündet hat, abgraben lassen. Wenn es so weit ist, werden wir noch mal nach Esch kommen und den Boden auf Rückstände untersuchen. sim