Rallye-Weltmeisterschaft - Trier oder Saarbrücken? Hauptsache Veldenz!

Rallye-Weltmeisterschaft - Trier oder Saarbrücken? Hauptsache Veldenz!

In der Grafschaft freut man sich auf die Rückkehr der Rallye-WM. Keine Bedeutung misst man an der Mosel der Tatsache bei, dass das Großereignis ins Saarland umgezogen ist. Vereine und Betriebe profitieren immer noch davon.

"Trier oder Saarbrücken - Hauptsache Veldenz." In Anlehnung an den Kultspruch von Fußballprofi Andreas Möller ("Mailand oder Madrid - Hauptsache Italien!") freut man sich in der Grafschaft auf das Gastspiel der schnellsten Rallye-Autos der Welt am kommenden Freitag. Der Tenor in Veldenz, Brauneberg, Burgen und Wintrich ist der Gleiche. "Ob die aus Trier oder Saarbrücken kommen, ist uns und scheinbar auch den Fans egal. Für viele Vereine und Gewerbetreibende ist die Rallye-WM jedenfalls ein finanzieller Segen."

Von 2006 bis 2015 wurde die Wertungsprüfung "Grafschaft" beim deutschen Lauf zur Rallye-Weltmeisterschaft gefahren. 2016 wurde dort eine Pause gemacht. Jetzt ist der bunte, laute, spektakuläre PS-Zirkus mit seinen Zehntausenden von Fans im Rücken wieder da. Auch wenn zum ersten Mal seit 2000 Start, Ziel und Servicepark nicht mehr in Trier, sondern in Saarbrücken sein werden. Beim Ortstermin mit unserer Zeitung gaben die Bürgermeister Norbert Sproß (Veldenz), Reinhard Grasnick (Burgen), sowie die Beigeordneten Christoph Pfeiffer (Brauneberg) und Manfred Schmidt (Wintrich) einen Einblick in Erwartungshaltung, Stimmungen, und Stand der Vorbereitungen eine Woche vor den berüchtigten Weinbergsprüfungen des deutschen WM-Laufes.

"Bei uns hat der Sportverein in all den Jahren die Bewirtung übernommen und dabei ein richtig gutes Geschäft gemacht. Deshalb war man im vergangenen Jahr schon enttäuscht, als nicht gefahren wurde", erzählt Reinhard Grasnick. Umso mehr freue man sich jetzt auf die Rückkehr. "Wir haben im Rat immer dafür gestimmt." Man sei, so der Burgener Ortschef, "froh und stolz, die schnellsten Rallye-Autos der Welt bei uns zu haben." Und schließlich sei das für die Gemeinde angesichts der weltweiten medialen Präsenz im Fernsehen nur von Vorteil. Den touristischen Aspekt mit einer "kostenlosen Werbung für uns" sieht auch Manfred Schmidt für Wintrich. "Wir hatten zunächst drei, dann zwei Vereine, die sich im Dorf um alles gekümmert und davon profitiert haben." Jetzt sei das leider nicht mehr der Fall. Aber dafür sei die Feuerwehr aus Piesport an deren Stelle getreten, "und die machen das gut und gerne." Aus Sicht eines Winzerbetriebes und Zimmeranbieters sprach Burgens Beigeordneter Christoph Pfeiffer und erzählte auch, dass der Tross der vielen Rallyefans die "Kasse der Feuerwehr bei uns gut gefüllt" habe. Und viele Skeptiker seien im Lauf der Jahre eines Besseren belehrt worden. "Die Zahlen der Besucher und damit auch die der vermieteten Zimmer stiegen kontinuierlich."

Eine ganz besondere Situation findet man in Veldenz vor. "Motorsport hat bei uns Tradition. Bis in die 1970er Jahre hinein gab es das Bergrennen bei uns, wir verzeichnen Oldtimer-Sternfahrten. Viele Veldenzer sind im ADAC aktiv." Der Motorsport, so Sproß, habe hier langjährige Wurzeln und mit dem großen Zuschauerplatz auch einen Anziehungspunkt für Fans.

Er betont die "Wertschöpfung, die in Veldenz und den umliegenden Gemeinden aus der Rallye gezogen wird." Und legt noch einmal nach, spricht nicht nur für die Grafschaft-Gemeinden. "Ich habe viele Bekannte im Hunsrück und von dort Rückmeldungen erhalten. Auch im Raum Morbach profitieren Zimmervermieter oder Tankstellen von der Rallye." Dass die WM-Rallye in diesem Jahr von Trier nach Saarbrücken umgezogen ist, spielt für die Menschen an der Mittelmosel keine Rolle. Im Gegenteil: "Angesichts des knappen Stands in der Rallye-WM rechnen wir in diesem Jahr mit noch mehr Fans als in den Vorjahren, in denen Volkswagen alles dominiert hat." Das Herz der Rallye mit den Weinbergsprüfungen, die dem WM-Lauf eine weltweit einzigartige Charakteristik verleihen, sei jedenfalls immer noch die Mosel: "Darauf sind wir stolz."Extra: VORWÜRFE IN RICHTUNG TRIER


Den Umzug der ADAC-Rallye Deutschland von Trier nach Saarbrücken nutzte Ortsbürgermeister Norbert Sproß (Veldenz) beim TV-Termin auch zu heftigen Vorwürfen in Richtung des bisherigen Gastgebers, der Stadt Trier: "Ich hätte erwartet, dass Trier mehr aus dieser Rallye macht. Man hat im Laufe der Jahre nicht genug getan, um die Rallye in Trier zu halten, und sich nicht genügend damit identifiziert. Dabei ist dieses Event ein ganz großer Wirtschaftsfaktor. Dass Rallyeleitung und Industrie dann dort hin gehen, wo das der Fall ist, war abzusehen. Im Saarland wird man das anders handeln." Spross wird am Donnerstag auf Einladung von ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk bei der Eröffnungszeremonie der Rallye in Saarbrücken anwesend sein. "Bei solchen Terminen muss man sich sehen lassen und Kontakte pflegen. Wir wollen auch in Zukunft dabei sein."

Mehr von Volksfreund