Ramba-Zamba mit Schlagern

DREIS. Je oller je doller? Das traf auf einige der älteren Herrschaften in der Dreyshalle ganz sicher zu: Ganze Fanclubs einzelner Interpreten waren zu "Stars in Dreis" mitgereist.

E, HD, WW, BN las man auf vielen Kennzeichen der Wagen, die am Freitagabend rund um die Dreyshalle abgestellt waren. Dahinter, auf einem abgegrenzten Areal zum rückwärtigen Bühneneingang, empfingen frisch frisierte Prominente zur Autogrammstunde. Was war so Wichtiges los in der Provinz? Des Rätsels Lösung war rasch gefunden: SWR4 hatte zur Party geladen. Ein Heimspiel also für alle Fans gepflegter Schlagermusik, die deshalb nicht nur aus ganz Deutschland, sondern auch von Holland, Belgien oder Luxemburg her anreisten. Und der weite Weg hat sich gelohnt, wie nicht nur Elisabeth Stoffel, die Organisatorin des Festes zu Ehren des 60-jährigen Bestehens des Dreiser Sportvereins, feststellt. Den ersten Abend des langen Festwochenendes hatte sie bewusst auf den Geschmack des älteren Semesters abgestellt. Ingrid und Dieter Kellner aus Altenkirchen sprachen ihr aus der Seele. Die beiden sind derart begeistert von den Sangeskünsten Mara Kaysers, dass sie so viele ihrer Konzerte wie möglich besuchen. "42 waren es im vergangenen Jahr", erzählt der pensionierte Kriminalbeamte, der während seines aufreibenden Berufsleben kaum ein freies Wochenende kannte. Als eingefleischte Mara Kayser-Freunde sind sie selbstverständlich Mitglieder in deren Fanclub, erhalten zu Beginn jeden Jahres alle Informationen über ihre Tourneedaten, und lernen auf diese Weise ganz nebenbei auch Deutschland besser kennen. In der Mitte ihres Tisches steht ein Wimpel: Aha, alle hier gehören also dem Fanclub an! Wenige Reihen weiter sitzt, pardon, schunkelt der Fanclub von Patrick Lindner, auch der durch einen Wimpel am Tisch deutlich erkennbar. "Die Stimmung war wirklich sofort da", freut sich der SV-Vorsitzende Norbert Spreyer, der persönlich mehr zu Mick Jagger und seinen rollenden Steinen tendiert, und der dennoch rhythmisch mitgeht, wenn ihn einer unterhakt. Dieses Konzert habe schon ein gewisses finanzielles Risiko dargestellt, räumt er ein, doch der Druck ist längst von ihm abgefallen: Allzu viele leere Plätze muss er nicht beklagen. Die Mixtur der SWR4-Feten ist auch in Dreis erfolgreich. Zwar weilt der im Programmheft des Senders noch angekündigte Drafi Deutscher nicht mehr unter den Lebenden, doch seine Kollegen reißen das Publikum auch ohne ihn immer wieder von den Stühlen. Da springt Peter Orloff zu seiner "Königin der Nacht" auf Tische und Stühle, Gaby Baginsky schwingt die Hüften zum Lied von den Männern, die nur verstehen, was sie wollen, und selbst die nach einem Unfall an den Rollstuhl gefesselte Anita Burgh sorgt für Stimmung. Das geht sogar im Sitzen. Der Abend ist ein Heimspiel für alle Schlagerfans. Als der smarte Patrick Lindner den Abend abschließt, bringt er noch einmal das Blut aller versammelten Damen in Wallung - und irgendwie auch das ihrer männlichen Begleiter.