Raser, Blitzer und Schwerlastkontrollen – Die Zentralen Verkehrsdienste in Wittlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Serie Polizeiarbeit Teil 9 : Raser, Blitzer und Schwerlastkontrollen – Die Zentralen Verkehrsdienste in Wittlich

In Wittlich gibt es viele Einheiten der Polizei, die es sonst in der Region an keinem anderen Standort gibt. Im neunten Teil der TV-Serie geht es um die Aufgaben der Zentralen Verkehrsdienste.

Der Polizeibeamte Michael Hinrichs ist mit einem Kollegen an der Mosel unterwegs, als er ein Stück entfernt einen LKW sieht, der zu qualmen scheint. Der Fahrer des Lastwagens lässt sich von der kleinen Wolke, die in der Nähe der Reifen aufsteigt, nicht beirren, und fährt weiter seine Strecke den Berg hinunter. Hinrichs und sein Kollege schließen zu dem LKW auf, halten ihn an und kontrollieren den Fahrer und das Fahrzeug. Weil die nächste TÜV-Stelle nur ein paar Kilometer entfernt ist, fahren sie mit dem Laster kurzerhand auf die Prüfstelle. Das Ergebnis: Die Bremsen funktionieren nur zu maximal 50 Prozent. Der Fahrer muss den Laster reparieren lassen, vorher darf er seine Fahrt nicht fortsetzen.

Solche Fälle sind für Polizisten, die bei den Zentralen Verkehrsdiensten arbeiten, nicht selten. Michael Hinrichs erzählt: „Was in solchen Fällen alles passieren kann, will man sich gar nicht vorstellen – man ist einfach immer sehr froh, wenn man so eine tickende Zeitbombe rechtzeitig aus dem Verkehr ziehen kann.“ Neben den regelmäßigen Verkehrskontrollen, die an bestimmten Stellen wie beispielsweise Parkplätzen stattfinden, halten die Polizisten also auch zwischendurch mal Autos an, die ihnen verdächtig oder nicht funktionstüchtig vorkommen.

Michael Müller, der Leiter der Zentralen Verkehrsdienste in Wittlich, sieht die Unfallprävention als eine der Hauptaufgaben seiner Dienststelle. „Wir arbeiten immer darauf hin, dass auf den Straßen so wenige Unfälle wie möglich passieren. Wir gucken uns die sogenannten Hotspots an, also die Stellen, an denen besonders häufig Unfälle passieren, und versuchen dann entsprechende Methoden zu entwickeln, die für mehr Sicherheit sorgen.“

Als Beispiel nennt der Leiter, dass es Blitzer gebe, die von der Polizei in Form von Pressemitteilungen bekanntgegeben werden, sodass jeder sich darüber informieren kann, wo die angekündigten Messgeräte stehen. Das habe den Effekt, dass die Menschen an diesen Stellen langsam fahren, weil sie wissen, dass dort ein Blitzer steht. So könne man zumindest temporär dafür sorgen, dass an einer riskanten Stelle nicht ständig zu schnell gefahren wird.

Und dann gibt es auch noch die unangekündigten Blitzer. „Das soll den Autofahrern ins Gedächtnis rufen, dass wir auch außerhalb der angekündigten Blitzer jederzeit Geschwindigkeitskontrollen machen und sie sich auch unter anderem deshalb jederzeit an die Verkehrsregeln halten sollten“, erklärt Müller. Dass man mit einer gefährlichen Fahrweise sich selbst und auch andere Menschen gefährdet, solle aber bestenfalls auch eine Motivation sein, sich an die Regeln zu halten.

Geschwindigkeitsmesser können in Form von Blitzeranhängern eingesetzt werden, aber auch in Einzelteilen unter freiem Himmel an Straßen aufgebaut oder in Zivilfahrzeugen platziert werden. Hinrichs erklärt, wie ein am Straßenrand aufgebauter Blitzer ohne Anhänger funktioniert. „Zuerst fährt das Auto an dem Geschwindigkeitssensor vorbei. Dort wird mithilfe von Lichttechnik gemessen, wie schnell das Fahrzeug ist.“ War das Auto zu schnell, sendet das Gerät ein Signal an die ein paar Meter entfernt stehende Kamera, die dann mit dem bekannten rötlichen Blitz ein Foto von Auto und Fahrer schießt. „Wenn man also die Kamera sieht, ist es oft schon zu spät“, sagt Hinrichs. So ging es vermutlich auch einem Autofahrer, den ein Blitzer der Wittlicher Zentralen Verkehrsdienste vor kurzem fotografierte. „Der ist bei einer Begrenzung von Tempo 100 mit 208 Stundenkilometern auf nasser Straße gefahren“, erzählt der Beamte.

Dass Blitzer auch mal beschädigt werden, so wie kürzlich beim Brand eines Blitzeranhängers bei Salmtal am Parkplatz Pohlbach, kommt laut Müller eher nicht so oft vor. „Dass jemand Lack draufsprüht oder versucht, den Anhänger aufzuhebeln, um an die Technik heranzukommen, das passiert schon eher mal“, sagt er.

Mit den Abstandsmessungen funktioniert es etwas anders – es wird nicht fotografiert, sondern gefilmt. Polizeioberkommissar Christian Simon sitzt in seinem Büro vor mehreren Bildschirmen, auf denen Videoausschnitte von Autobahnen zu sehen sind. Der Beamte erklärt: „Das Programm signalisiert uns, wenn es der Meinung ist, dass es auf der Straße einen Verstoß gab. Wir prüfen dann jeden einzelnen Fall noch einmal manuell.“ Er zeigt auf einen Filmausschnitt vor sich und lässt ihn laufen.

Zwei schwarze Autos fahren hintereinander her, der hintere scheint zu nah an dem vorderen zu sein. Simon platziert mit der Maus eine Markierung an der Vorderachse des hinteren Autos und eine an der hinteren Achse des vorderen Autos. Das wiederholt er noch ein zweites Mal an einer anderen Stelle der Aufnahme. Dann spuckt das Programm die entsprechenden Daten aus: Das Auto fährt 97 Kilometer pro Stunde und hält dabei einen Abstand von rund 20 Metern. Wer in der Fahrschule aufgepasst hat, der weiß – das ist zu wenig. „Die Hälfte der Zahl, die man auf dem Tacho sieht, sollte man Abstand halten, das ist also eindeutig ein Verstoß“, sagt Simon. Das heißt für den Herren im hinteren Auto: Die Dokumentation wird an die Bußgeldstelle in Speyer übermittelt.

Neben den Geschwindigkeits- und Abstandsmessungen machen die Zentralen Verkehrsdienste auch noch die Kontrollen im gewerblichen Personen- und Schwerlastverkehr, kurz: LKW und Busse. Laut Walter Schindler, der Leiter der Schwerlastkontrollgruppe, müssen die Beamten bei den Kontrollen auf viele verschiedene Dinge achten.

Beispielsweise müssen die Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten, damit sie sich auf der Fahrt immer ausreichend konzentrieren können und nicht zu müde werden. „Dabei arbeiten wir auch viel mit dem Zoll und der Bundespolizei zusammen, aber auch oft mit der Polizei aus Luxemburg.“ Die etwa 30 Beamten der Zentralen Verkehrsdienste müssen nämlich nicht nur die nähere Umgebung ihrer Dienststelle in Wittlich abdecken, sondern den kompletten Dienstbezirk des Polizeipräsidiums Trier. Rund 6000 Quadratkilometer groß ist dieses Gebiet.

Häufig komme es bei solchen Kontrollen vor, dass die Fahrzeuge aufgrund ihres technischen Zustands nicht weiterfahren dürfen und dann abgeschleppt werden müssen, sagt Schindler. Die Studenten der Hochschule der Polizei sind auch öfter bei Verkehrskontrollen dabei, um unter realistischen Bedingungen das Vorgehen zu lernen. Michael Müller sagt: „Man braucht einfach ein geschultes Auge, um bestimmte Kandidaten erkennen zu können und sie dann für eine Kontrolle rauszuwinken.“

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