Raser stören Nachtruhe

Mit überhöhter Geschwindigkeit durch die 30er-Zone - das ist kein Einzelfall. In vielen Städten, zum Beispiel auch in Trier oder Konz, beschweren sich Anwohner über den dadurch entstehenden Verkehrslärm. In Wittlich ärgern sich derzeit Anwohner am Sporgraben. Laut Stadt ist aber keine Lösung in Sicht. Das wollen die Anwohner nicht hinnehmen. Sie haben eine Initiative gegründet.

Wittlich. Der Sporgraben verbindet die Kalkturmstraße mit der Himmeroder Straße - beides stark befahrene Straßen. Und auch der Sporgraben, überwiegend von Wohnbebauung flankiert, muss mehr Verkehr hinnehmen. Waren es 2003 noch 4700 Fahrzeuge täglich, so ergab eine Verkehrszählung 2011 bereits 6000 Fahrzeuge am Tag. Außerdem wurde die Strecke, eine der kürzesten Verbindungen zwischen Ober- und Unterstadt, Teil des Innenstadtrings, wozu sie im Jahr 2006 eine abknickende Vorfahrt in die Himmeroder Straße erhielt (der TV berichtete).
Drei Unfälle seit Neujahr


Und wie gefährlich ist die Strecke geworden? 2013 sind bereits drei Unfälle am Sporgraben passiert. In der Nacht zum 5. Januar fuhr ein 22-Jähriger die Straße bergaufwärts, sein Auto kam von der Straße ab und schleuderte gegen eine Laterne. Der Fahrer verletzte sich leicht. Drei Tage später beachtet ein Autofahrer die Vorfahrt an der Kreuzung Himmeroder Straße/ Sporgraben nicht und stößt mit einem anderen Auto zusammen. An der Ausfahrt Kalkturmstraße gab es am 2. März ein Auffahrunfall. Das teilt Hans-Jürgen Riemann von der Polizeiinspektion Wittlich mit.
Anwohner klagen nicht nur über mehr Verkehr und Lärm sondern sagen auch: Es wird zu schnell gefahren. Immerhin gilt Tempo 30. Was sagen die Daten? Verkehrsmessungen im Sommer 2012 ergaben zwar keine wesentlich erhöhten Durchschnittsgeschwindigkeiten, aber dennoch kommt es sporadisch zu enormen Überschreitungen. So sind zwischen dem 17. Juli und dem 26. Juli 2012, als eine Messanlage aufgebaut war, Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometern in der Nacht gemessen worden. Das sind zwar Einzelfälle, aber gerade diese bringen die Anwohner um die Nachtruhe. Auch in Trier, etwa in der vom Verteilerkreis in die Stadt führenden Franz-Georg-Straße ist Verkehrslärm ein Dauerthema. Dort beschweren sich immer wieder Anwohner - geschehen ist nichts. Nur in Konz hat im Bereich der Goethestraße die Einrichtung sogenannter "Berliner Kissen", künstlicher Fahrbahnerhöhungen, etwas Ruhe gebracht.
Matthias W. Nitzsche ist Anwohner am Sporgraben. Er hat im vergangenen Jahr mit 20 Nachbarn eine Initiative gegründet mit dem Ziel, Ruhe in die Straße zu bringen: "Es sind 120 Betroffene in unserer Straße. In manchen Häusern kann man im Erdgeschoss nicht mehr leben. So laut ist es! Wir sind keine Wutbürger, aber wir wollen eine Lösung," fordert er. Nitzsche beobachtet, dass die bislang ruhige Straße immer mehr zu einer wichtigen Nebenstraße wird, die gerne genutzt wird. Bislang sei man trotz Verkehrsmessungen und Gesprächen nicht weiter gekommen. Er habe alle Fraktionen im Stadtrat angeschrieben. Die Antwortschreiben hätten den gleichen Tenor: "Das kriegen wir schon irgendwie hin". Geschehen sei nichts. Eine Partei habe ihm gar nicht geantwortet.
Keine wirksame Lösung in Sicht


Jan Mußweiler, Pressesprecher der Stadtverwaltung, teilt auf TV-Nachfrage mit, dass mehrere Gespräche mit einem Anwohner der Sporgraben-Siedlung unter Beteiligung der Polizeiinspektion Wittlich, der Stadtwerke Wittlich, der Stadtverwaltung Wittlich als Straßenverkehrsbehörde und Bürgermeister Joachim Rodenkirch geführt worden seien. Trotz des zeitweise aufgestellten Messgerätes, das zu schnelles Tempo mit großer Leuchtschrift anzeigt, hätten die Verkehrsteilnehmer nur in geringem Maße reagiert .
Den Erfolg der "Berliner Kissen" kann Mußweiler nicht bestätigen: "Berliner Kissen stellen ebenfalls keine Lösung zur Lärmreduzierung dar. Die Verkehrsteilnehmer bremsen vor diesen Hindernissen ab und beschleunigen anschließend wieder. Dies führt in der Regel zu erhöhten Lärmimmissionen. Für Zweirad- und Fahrradfahrer stellen die Berliner Kissen eine erhöhte Unfallgefahr dar. Aus diesen Gründen wurden in vielen Gemeinden bereits installierte Berliner Kissen wieder demontiert."
Die Stadt Wittlich stelle bei der Zunahme des Verkehrs keine Ausnahme dar. Die fortschreitende Urbanisierung führe unweigerlich zu einer Steigerung der Verkehrsdichte. Darüber hinaus sei festzustellen, dass im öffentlichen Verkehrsraum nicht mehr die wünschenswerte Disziplin herrsche.
Zusammenfassend sagt Mußweiler: "Die Stadt Wittlich sieht daher gegenwärtig keine wirksame Lösung zur Reduzierung der Lärmimmission im Zusammenhang mit baulichen Veränderungen im Sporgraben."
Für die Anwohner ist das Thema allerdings noch nicht erledigt: Sie wollen sich nochmals treffen und das weitere Vorgehen diskutieren.

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