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Verona Kerl über Sprache und Rassismus in Speisekarten der Restaurants

Meinung : Warum das Zigeunerschnitzel passé ist

Mohrenköpfe, Zigeunerschnitzel und -soße, Toast und Pizza Hawaii, Königsberger Klopse, Russische Eier, Curry: Alle diese Leckereien habe ich bereits gegessen, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ihre Bezeichnungen vielleicht rassistisch sein könnten.

Als ich in den 1970er und -80er Jahren aufwuchs, waren diese Diskussionen überhaupt kein Thema. Also verwendeten wir die Begriffe ohne nachzudenken.

Erst in den 2000er Jahren wurde das anders. Ein Umdenken setzte ein. Denn Sprache ist mächtig. Wissenschaftler erforschten, wie Sprache das Denken beeinflusst und die Art und Weise, wie wir die Welt wahrnehmen. Wörter können beeinflussen, wie wir über etwas reden und wie wir etwas beurteilen. Beispiele hierfür sind Flüchtlinge, Islam, Terrorismus. Automatisch werden Bilder, Emotionen und Klischees wachgerufen. Framing heißt das in der Fachsprache. Konsequenterweise beflügeln gewisse Ausdrücke latenten oder vorhandenen Rassismus und befördern Diskriminierung, auch wenn das vielleicht gar nicht die Absicht des Sprechers ist. Womit wir wieder beim Zigeunerschnitzel angelangt sind. Ein Speisename, der wirklich ausgedient hat. Es stimmt, alte Gewohnheiten sitzen tief und sind schwer loszuwerden. Nicht nur bei Gastronomen, auch bei mir. Also übe ich mich darin, Sprache genau zu reflektieren, um nicht in alte Denkmuster zu verfallen. – Eine Tatsache, die Menschen, geboren in den 2000er Jahren, mutmaßlich leichter fällt als denen aus den 1960er und -70ern. – Was nun den Toast und die Pizza Hawaii angeht, habe ich diese beiden Gerichte weder gemocht noch deren Namen je als kolonialistische Relikte angesehen. Trotzdem finde ich es sinnvoll, darüber nachzudenken, ob bei manchen Gerichten alternative Speisenamen die bessere Wahl wären. Im Fall von Zigeunersoße- und schnitzel ist das auf jeden Fall so.

v.kerl@volksfreund.de