Rat billigt neue Erweiterungsplanung

Rat billigt neue Erweiterungsplanung

Der Morbacher Gemeinderat hat einer veränderten Planung für die Erweiterung des Lebensmittelgroßhändlers Service-Bund Mettler zugestimmt. Die Kritik von Anwohnern und Behörden wird darin berücksichtigt. Die Bürger bleiben dennoch skeptisch.

Morbach. "Es wird durch die Erweiterung von Service-Bund Mettler nicht lauter?" Mehrfach haben Ratsmitglieder in der Sitzung des Morbacher Gemeinderats diese Frage gestellt. Die Antwort von Günter Beckermann vom Planungsbüro Immissionsschutz - Städtebau - Umweltplanung (ISU) aus Kaiserslautern lautete: "Nein, es wird definitiv nicht lauter."
Nach weiteren Fragen zu dem "nicht ganz einfachen Thema", wie Bürgermeister Andreas Hackethal es nannte, hat der Rat einem überarbeiteten Bebauungsplanentwurf mit großer Mehrheit zugestimmt. Nur ein Ratsmitglied hat sich enthalten.
Hackethal sagte: "Wir haben versucht, Lösungen zu finden, die allen Beteiligten gerecht werden. Wir wollen die Sorgen der Anwohner ernst nehmen." Viele Gespräche habe es deshalb zwischen Verwaltung, Planungsbüro und Firmenvertretern gegeben.
Eine Initiative von 74 Anwohnern hatte moniert, dass ihre Wohn- und Lebensqualität durch die Firmenerweiterung im Hinblick auf Lärm und Optik beeinträchtigt würde. Behörden hatten die Eingriffe in die Landschaft kritisiert, insbesondere den Verlust eines Gehölzstreifens. Der aktuelle Entwurf sieht vor, dass die drei neuen Mettler-Hallen weiter von den nächstliegenden Siedlungen abrücken als ursprünglich geplant. So wird der Abstand zum Wohngebiet Wiesengrund von 50 auf 86 Meter zunehmen. Der Ulmenweg wird 94 statt 92 Meter entfernt liegen. Eine neue Böschung mit schnell wachsenden Gehölzen soll als Sichtschutz dienen. Die Höhenbegrenzung der Gebäude wurde auf maximal zwölf Meter verringert. Der bestehende Gehölzstreifen wird lediglich schmaler.
Zum Lärm wurde ein Gutachten erstellt und Maximalwerte festgelegt. Beckermann: "Der Betrieb muss sich nach der Decke strecken, um die Werte zu erreichen." Geplant sei, dass die Firma eine schallgedämpfte Entlüftung auf dem Dach installiere. Die Tore solle sie nur kurz öffnen.
Grundstück zugekauft


Die veränderte Planung wurde möglich, weil die Firma im Gewerbegebiet Auf Hambuch ein Nachbargrundstück dazugekauft hat. Einen Umzug schließt das Unternehmen, das 4,5 Millionen Euro in die Erweiterung investieren und seine Mitarbeiterzahl von 95 aufstocken will, aus. Begründung: Die Spezialimmobilien in der Industriestraße seien nur mit erheblichem Wertverlust zu verkaufen. Auch einen zweiten Standort zu eröffnen, lehnt die Firma ab. Dies gehe vom Betriebsablauf her nicht, heißt es.
Einverstanden scheinen die Anwohner mit der neuen Planvariante nicht zu sein. Gisbert Thomas, der die Unterschriften für die Bürgerinitiative gesammelt hat, sagte: "Die neue Planung ist zwar eine Verbesserung, aber zufrieden sind wir damit nicht. Wir haben gehofft, dass die Firma auf die Erweiterung verzichtet." Wer wohl den Lärm überwache, fragt Thomas. Er zweifelt daran, dass das Tal zwischen Gewerbe- und Wohngebiet künftig noch als Naherholungsgebiet genutzt werden kann. "Rundherum ist alles verbaut, Morbach ist ein Industriestandort", sagt Thomas. Doch unternehmen will er nichts mehr. Er glaubt, dass die Erweiterung schon seit längerem in trockenen Tüchern gewesen sei.
Auch Brunhilde Merker und ihre Tochter bleiben skeptisch. "Das Problem wird schöngeredet", sagen sie. Sie haben Angst, dass der Lärm, der ihrer Meinung nach in den vergangenen Wochen durch eine andere Firma angestiegen ist, noch größer wird. Zudem glauben sie trotz gegenteiliger Aussage des Planungsbüros, dass ihr Haus an Wert verliert.Extra

Bevor der neue Entwurf für den Bebauungsplan Auf Hambuch umgesetzt werden kann, erhalten Bürger und Behörden die Gelegenheit, Stellung dazu zu beziehen. Die Offenlage der Pläne soll in den kommenden Wochen erfolgen. Dazu können sich Bürger schriftlich äußern. Laut Bürgermeister Andreas Hackethal soll es im Rahmen dieser Offenlage auch eine zweite Bürgerversammlung geben. mai

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