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Rebenfrevel im Herzwingert in Neumagen-Dhron: Es gibt einen Tatverdächtigen

Neumagen-Dhron. Nach Hinweisen aus der Bevölkerung ist die Polizei Bernkastel-Kues einem Tatverdächtigen auf der Spur, der vor einigen Wochen Hunderte Reben im sogenannten Herzwingert in Neumagen-Dhron abgeschnitten hat. Beckmann Clemens

Mit Ungläubigkeit, Verständnislosigkeit und Wut reagierten die Menschen vor einigen Wochen auf den TV-Bericht , dass ein Unbekannter im sogenannten Herzwingert in Neumagen-Dhron etwa 500 Reben durchschnitten hatte. Nach Auskunft von Polizeioberkommissar Walter Maibaum (PI Bernkastel-Kues) gibt es nun einen Tatverdächtigen. "Es gab Hinweise aus der Bevölkerung", erläutert der Beamte, der damals den Schaden aufgenommen und dokumentiert hat. Danach sei ein Mann in dem Weinberg gesehen worden. Maibaum stellt aber klar: "Er wurde nicht beim Durchschneiden von Reben beobachtet."

Mehr will der Beamte derzeit nichts sagen. Nur so viel: "Der Verdächtige lässt sich durch einen Rechtsanwalt vertreten." Noch liege die Akte bei der Polizei. In den nächsten Tagen werde sie an die Staatsanwaltschaft gehen. Die werden dann über den weiteren Fortgang entscheiden.

Der Weinberg ist vor circa 15 Jahren von zwei Neumagen-Dhroner Winzern, Reinhard Philipps und Ralf Görgen, neu angelegt worden - und zwar in Herzform, um die Liebe der beiden zu ihrem Beruf auch optisch herauszustellen. Ein Teil des Erlöses aus dem Weinverkauf spendeten die Winzer für wohltätige Zwecke. Auch deshalb war der Aufschrei besonders groß.

"Das ist wie ein Stich ins Herz", hatte Philipps damals gesagt. Etwa ein Fünftel der Weinstöcke war fachmännisch zerstört worden. Mehrere Stunden muss der Täter in dem Weinberg zugebracht haben. Das Areal liegt auf der anderen Moselseite unmittelbar an der B53 in Richtung Trittenheim.

Er und sein Kollege hätten seither viel Zuspruch erhalten, berichtet Philipps. Dabei sei fast immer der Begriff "Schweinerei" gefallen. Es sei aber auch gefragt worden, ob die Betroffenen vielleicht "etwas falsch gemacht hätten" - zumindest in den Augen des Täters. Philipps fällt dazu aber nichts ein.

An einen Zuspruch erinnert er sich besonders. Ein Mann aus dem Saarland habe ihm einen Brief geschrieben. Inhalt: ein Bild, das der sechsjährige Sohn Elias gemalt hat, und das ein zerstörtes Herz zeigt. Der Mann habe dazu geschrieben, dass sein Sohn ein großer Tier- und Naturfreund sei. "Dem habe ich persönlich geantwortet und mich bedankt", sagt Reinhard Philipps.