Rebensaft ist ihre Leidenschaft

Kathrin Schnitzius aus Kröv ist die amtierende Moselweinkönigin. Im September tritt sie zur Wahl der Deutschen Weinkönigin an. Mit dem TV hat sie über Verständigungsprobleme in Japan und ihre Wahlvorbereitungen gesprochen.

Kröv. In welcher japanischen Stadt sich die Geschichte im Mai zugetragen hat, weiß Kathrin Schnitzius heute nicht mehr so genau. Kein Wunder: Schließlich reiste sie damals an zehn Tagen durch sieben verschiedene Städte im Land der aufgehenden Sonne. "Ich komme jetzt nicht drauf", gesteht die 22-Jährige. Das ist nicht schlimm, denn die Geschichte ist auch ohne Ortsangabe erzählenswert. Um sie zu verstehen, muss man wissen, dass Kathrin Schnitzius die derzeit amtierende Moselweinkönigin ist und vielleicht bald auch deutsche Weinkönigin - aber dazu später mehr.
Als Weinkönigin der Mosel tourte die Kröverin im Mai durch Japan. Ein Abend stand unter dem Motto "Japanisches Essen trifft Moselwein". Da saß sie dann zusammen mit zwei japanischen Damen am Tisch. Das Essen schmeckte, der Wein auch. Nur mit der Verständigung hakte es. Schnitzius erzählt: "Eine der Damen konnte zwei, drei Sätze Deutsch. Die hatte sie mal aufgeschnappt." Das war's jedoch, auch mit Englisch kam sie am Tisch nicht weit. "Aber das", so erzählt sie, "war alles kein Problem. Denn immer wenn wir nicht mehr wussten, was wir sagen sollten, haben wir einfach wieder angestoßen und einen Schluck Wein getrunken." Das sei eben eine Eigenschaft des Weins: "Er kann als Kommunikationsmittel dienen."
Sie könnte problemlos weitere positive Wein-Eigenschaften aufzählen. Denn Wein ist ihre Leidenschaft.
Von klein auf half sie mit im Weingut der Eltern in Kröv. Wenn sie erzählt, sagt sie Sachen wie "meine Liebe zum Wein", oder "ich bin ein Kind der Mosel". Wenn es gut läuft für das "Kind der Mosel", vertritt sie ab Oktober ganz Deutschland in Sachen Wein. Denn Schnitzius tritt am 20. September beim Vorentscheid zur Wahl der Deutschen Weinkönigin in Neustadt an der Weinstraße an. Sie wäre die zwölfte Deutsche Weinkönigin seit 1949, die von der Mosel stammt.
"Deutsche Weinkönigin zu werden, das wäre eine überragende Zugabe nach meiner Zeit als Moselweinkönigin", sagt die Studentin für Weinbau und Oenologie an der Hochschule Geisenheim. Doch bevor es so weit ist, hat Schnitzius noch jede Menge Termine als Moselweinkönigin zu absolvieren. Eine Kostprobe? Bitteschön: Am heutigen Mittwoch fährt sie für drei Tage zum Weinfest nach Schwerin. Direkt im Anschluss geht's zum Heimat- und Weinfest Cochem, dann zu einer Schiffsweinprobe nach Mehring … Dazu kommen die Vorbereitungen für die Wahl im September. Dafür muss sie bestens informiert sein über die übrigen zwölf deutschen Weinanbaugebiete. Testfrage: Was gibt's zur Ahr zu sagen? "Die Ahr ist ein bekanntes Rotweinanbaugebiet, dort gibt es die älteste Winzergenossenschaft Deutschlands, und auch den bekannten Rotweinwanderweg gibt es dort."
Auch ihr Studium helfe ihr, sich auf die Fragen in der SWR-Livesendung vorzubereiten. Über mangelnde Unterstützung wird sich die 22-Jährige am 20. September nicht beschweren können. Aus ihrem Heimatort fährt ein Fanbus mit ihr in die Pfalz. Und wer weiß: Vielleicht drücken ihr auch die beiden Damen aus Japan die Daumen - denn das geht auch ohne Worte.Extra

Kathrin Schnitzius' Leidenschaft gilt nicht nur dem Wein sondern auch dem Beruf des Winzers. "Die Vielfalt des Berufs fasziniert mich", sagt die 21-Jährige. Nach Abschluss ihres Weinbau- und Oenologie-Studiums möchte die amtierende Moselweinkönigin in das elterliche Weingut (Weingut Schnitzius-Engels in Kröv) mit einsteigen. Im März hat sie zudem ihre Ausbildung zur Winzerin abgeschlossen. mfr