REBSCHUTZDIENST

Lage : Durch die heiße und überwiegend niederschlagsarme Witterung der letzten Wochen hat sich die Entwicklung der Reben auf den austrocknungsgefährdeten Standorten etwas verlangsamt.

Der Vegetationsvorsprung entspricht in diesen Lagen in etwa dem von 2005. Standorte ohne Wassermangel liegen im Entwicklungsstand rund 14 Tage vor dem langjährigen Mittel. Bei frühreifenden Sorten ist Rebstadium 81 (Reifebeginn) fast erreicht, so dass in diesen Anlagen die Abschlussspritzung Mitte der 32. Woche durchgeführt werden kann. Mit der Abschlussbehandlung beim Riesling sollte eine Woche später begonnen werden. Wartezeiten der eingesetzten Mittel beachten. Peronospora : Die Anfälligkeit der Trauben ist zum jetzigen Zeitpunkt nur noch sehr gering. Nur in hagelgeschädigten Rebanlagen kann der Pilz über die entstandenen Wunden noch in die Beeren eindringen. Nach wie vor sind jedoch Infektionen an jungen Blättern möglich. Zur Gesunderhaltung der Laubwand vor allem der jungen Geiztriebblätter ist der Einsatz eines Kontaktmittels oder Kupferpräparates ausreichend. Der Einsatz eines tiefenwirksamen Mittels sollte nur in Anlagen mit stärkerem Vorbefall zur Anwendung kommen. Achtung: Wartezeiten der Peronosporamittel liegen zwischen 21 und 56 Tagen! Oidium : Die Trauben können bis zum Weichwerden befallen werden. Da bisher so gut wie keine Infektionen aufgetreten sind, ist die Gefahr von Befall relativ gering. Vorrangig wird daher der Einsatz eines Azols (Castellan, Systhane, Topas, Folicur EM) empfohlen. Lediglich in Befallslagen kann der Einsatz von Prosper erforderlich werden. Schwarzfäule: Stärkere Infektionen durch die Schwarzfäule wurden am 28. Juli gemeldet. Durch die derzeit vorherrschende Witterung sind Neuinfektionen nicht ausgeschlossen. Da bis zur Beerenreife die Trauben befallen werden können, ist zum Schutz vor weiteren Infektionen bei der Peronospora - bzw. Oidiumbekämpfung ein Mittel mit Zusatzwirkung gegen Schwarzfäule einzusetzen. Wirkstoffwechsel beachten! Botrytis: Bei der Abschlussspritzung gilt es vor allem, die Trauben gegen Botrytis zu schützen. Bei kompakten Sorten und hagel-geschädigten Anlagen wird der Einsatz eines Spezialbotrytizides (Cantus, Scala, Switch oder Teldor) empfohlen. Jedes Mittel kann aus Resistenzgründen nur einmal je Vegetationsperiode angewandt werden. Stiellähme: Es ist zu befürchten, dass auf Grund der extremen Witterungsbedingungen bei anfälligen Sorten wie Riesling und Spätburgunder so wie in stark verrieselte Rebanlagen mit zunehmender Reife Stiellähmebefall auftreten wird. Als befallsmindernde Maßnahmen sind Spritzungen mit Magnesium-Blattdünger (z.B. Bittersalz; Falnet u.a.) geeignet. ESCA: Die schon im letzten Aufruf dargestellte Situation hat sich aufgrund der extremen Trockenheit verschärft. Im ganzen Anbaugebiet nehmen die deutlich sichtbaren ESCA-Rebstöcke, welche komplett zusammengebrochen sind, stark zu. Daher ist es um so wichtiger diese Rebstöcke zu kennzeichnen, um vor dem Winterschnitt diese aus der Rebanlage zu entfernen und zu verbrennen. Sauerwurm : Der Mottenflug des einbindigen und bekreuzten Traubenwicklers ist beendet. Bekämpfungsmaßnahmen haben zum jetzigen Zeitpunkt nur noch geringen beziehungsweise keinen Erfolg mehr. Spinnmilben: Nur bei Überschreiten der Schadschwelle von ein bis zwei Milben pro Blatt sollte ein Akarizid wie zum Beispiel Apollo, Envidor, Kiron oder Masai eingesetzt werden. Applikationstechnik: Beim derzeitigen Entwicklungsstand ist als Berechnungsgrundlage eine Wasseraufwandmenge von 1600 Litern pro Hektar zu wählen. Dementsprechend ist zur Berechnung der genauen Mittelmenge pro Hektar der Basisaufwand mit dem Faktor vier zu multiplizieren. Auf eine gründliche beidseitige Benetzung ist zu achten. In Steillagen ist der Mittelaufwand um 25 Prozent zu erhöhen. Begrünung einsähen : Bei einem angepassten Bodenmanagement mit Offenhaltung jeder zweiten Rebgasse hat sich die Winterbegrünung mit der Einsaat einer Winterroggen-Wickenmischung bewährt. Bei der Einsaat ist unbedingt darauf zu achten, dass nicht zu breit eingesät wird, da ansonsten die Wicken zu stark in den Unterstockbereich einwachsen können. In den letzten Jahren hat sich trotz unterschiedlicher Witterungssituationen im August gezeigt, dass die Einsaat der Roggen-Wickenmischung innerhalb der ersten beiden Wochen im August die besten Ergebnisse hinsichtlich des Aufwuchses gebracht hat. Bodenbearbeitung: Trotz gelegentlicher Niederschläge durch lokal sehr unterschiedliche Gewitterfronten sind die Bodenhorizonte stark ausgetrocknet. Dies bestätigen auch unsere Bodenfeuchtemessungen mit Tiefenmessrohren. Die Blattwasserpotenzialmessungen zum Sonnenaufgang zeigen immer noch alarmierend niedrige Werte an, die schon weit unter der Bewässerungsschwelle von -2,5 bar liegen. Diese Situation wurde an allen Messstandorten (Kanzem, Thörnich, Trittenheim, Braune-berg, Hatzenport und Winningen) festgestellt. Daher ist es von besonderer Wichtigkeit, alle wassersparenden Maßnahmen zu ergreifen. Im Unterstockbereich herrscht aufgrund der besonders dichten Bewurzlung eine besondere Trockensituation, so dass hier unbedingt ein Kapilarbruch durch eine Lockerung mit der Scheibe, einem Grubberschar oder den bekannten Stockräumersystemen durchzuführen ist.