Rechenzentrum statt Geo-Amt?

Nur noch wenige Beschäftigte arbeiten im Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr in Traben-Trarbach. Bis Mitte dieses Jahres wird das Militär den Standort ganz aufgeben. Die Immobilie stand bis Dezember 2012 zum Verkauf. Der Bund als Eigentümer hat mit verschiedenen Interessenten verhandelt. Die größte Chance auf den Zuschlag hat ein niederländischer Investor, der dort ein Rechenzentrum einrichten will.

Traben-Trarbach. Was passiert mit den Gebäuden und Grundstücken des Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr auf dem Mont Royal in Traben-Trarbach? Mehr als 250 Menschen beschäftigte das Militär seit 1975 "im Amt".
2007 gab das Bundesverteidigungsministerium bekannt, es werde den Standort Traben-Trarbach aufgeben und die Mitarbeiter würden nach Euskirchen versetzt. Jetzt, sechs Jahre später, ist endgültig Schluss. Die Bundeswehr hat die Liegenschaft am 17. April der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übergeben. Die letzten zwölf Mitarbeiter verlassen in wenigen Wochen ihre Büros. Diese gehören zum Dezernat Ökologie, das nicht mehr dem Amt für Geoinformationswesen, sondern dem Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr in Bonn angegliedert ist.
Monatelang stand die Immobilie als "modernes Datenzentrum der Bundeswehr mit vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten" im Internet zum Verkauf.
Ein Kaufpreisangebot konnte bis zum 4. Dezember 2012 abgegeben werden. Alexander Lehnen vom Verkaufsteam Trier der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben sagt: "Es gab mehrere Interessenten, unter anderem für Freizeitnutzung und touristische Nutzung."
Jetzt ist laut Lehnen nur noch ein Interessent im Rennen - ein Investor, der dort ein Datenzentrum einrichten will. Details will er nicht nennen. Man stehe aber kurz vor einem Vertragsabschluss - möglicherweise sogar noch bis Ende Mai. Bereits im Dezember war ein niederländischer Investor im Gespräch, der dort ein Rechenzentrum beziehungsweise eine Firma für Software-Entwicklung einrichten will. Das bestätigt der Bürgermeister der VG Traben-Trarbach, Ulrich K. Weisgerber, auf Anfrage. Den Namen will aber auch er (noch) nicht nennen. Im nächsten Schritt muss der Kaufinteressent einen Planentwurf vorlegen, damit der Stadtrat über einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan beschließen kann.
Keine Ferienhäuser


Im Angebotsexposé der Immobilie favorisieren Stadt- und VG-Verwaltung Traben-Trarbach mehrere Nutzungen: Dienstleistungen im Bereich Informationstechnologie/Datenverarbeitung, wertschöpfungsintensive Gewerbebetriebe, Hotel/Kongress/Bildung und gesundheitsbezogene Einrichtungen (Reha/Wellness). Nicht vorgesehen ist dort die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe, großflächiger Einzelhandel oder Ferienhausbebauung.
Für die Ansiedlung eines Rechenzentrums beziehungsweise einer Software-Entwicklungsfirma, wie dies der niederländische Investor offenbar anstrebt, bietet die Liegenschaft günstige Voraussetzungen. Denn die vorhandene unterirdische Bunkeranlage empfiehlt sich als Zentrum zur Sicherung und Aufbewahrung sensibler Daten aus allen Bereichen von Wirtschaft und Technik.
Der mehrstöckige Schutzbau hat eine Nutzfläche von 5500 Quadratmetern. Ferner stehen zwei Bürogebäude mit einer Gesamtnutzfläche von 4300 Quadratmetern zur Verfügung. Das 13 Hektar große Gelände mit Parkplätzen, Garagen und Freiflächen ist durch eine Toranlage sowie einem Maschendrahtzaun gesichert.