Rechnen im Laufschritt

HUPPERATH. Die Grundschule in Hupperath hat einen besonderen Schultag erlebt: Nicht nur die Schüler sollten etwas lernen, auch die Lehrer und die Eltern wurden zum Unterricht in Sachen Bewegung aufgefordert. Anlass war das Schulprojekt "Bewegte Schule" vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung.

Wann können sich Kinder in der Schule bewegen? Im Sportunterricht oder in der Pause. Und im Matheunterricht? Physiotherapeutin Margret Adams, freie Mitarbeiterin der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung, hat auch dafür Ideen. Laufen auf der Stelle, dabei rechnen, und wer das richtige Ergebnis hat, bleibt stehen. "Ich will weiter rennen!", ruft Felix, als er sich wieder setzen soll.Begeistert sind die Zweitklässler bei der Sache. Der Aktionstag an der Grundschule soll Rückenschäden vorbeugen.Um das Thema theoretisch anschaulich zu machen, reichen die Grundschüler ein Modell einer Wirbelsäule von Bank zu Bank weiter.Die Funktionsweise einer Bandscheibe erfahren sie anhand eines Schwammes, der von Schüler zu Schüler geworfen wird. Auch das Beispiel mit dem Hamburger leuchtet den Kindern ein: Wenn man diesen vorne zusammendrückt, quillt es hinten raus. "Genauso ist es mit der Bandscheibe", macht Adams den Kindern klar.Was ist zu beachten, wenn man einen gesunden Rücken behalten will? Die Kinder haben es schnell begriffen. Vernünftig sitzen, richtig heben, viel bewegen und nicht zu schwer tragen. Deshalb müssen natürlich auch die Schulranzen unter die Lupe genommen werden. Schon vor dem Unterricht, der in dieser Stunde von Margret Adams gestaltet wird, waren zwei ihrer Kolleginnen in den Klassen und haben die Schüler und ihre Schulranzen gewogen. Dabei zeigte sich auch in Hupperath ein gewohntes Bild: Die meisten Schulranzen waren zu schwer.Margret Adams ruft vier der Schüler mit ihren Ranzen nach vorne. Sandro zieht beim Tragen des Schulranzens die Schultern nach vorne, ein Zeichen dafür, dass der Ranzen zu schwer ist und nicht optimal angepasst. Marcos Ranzen sitzt zwar vorschriftsmäßig auf Schulterhöhe ist aber auch zu schwer. Bei Jessica dagegen sitzt die Schultasche zu tief, ein Hohlkreuz sei die Folge, erläutert Adams.Nach einem weiteren Bewegungsspiel, bei dem die Groß- und Kleinschreibung geübt wird, ist für die Kinder diese Stunde beendet.Für Margret Adams dagegen geht der Tag weiter. Nun müssen die Lehrer die Schulbank drücken. Auch bei ihnen ist Sitzenbleiben nicht erlaubt, sie lernen, wie sie Bewegungen in den Unterricht einbauen können.Margret Adams Theorie: Wer beim Lernen im Kreis um einen Tisch herum gehe, behalte das Gelernte länger gespeichert. Ihre eigenen Kinder lernen beim Trampolinspringen. "Ich versuche, den Lehrern die Angst zu nehmen, dass Bewegung Unruhe in die Klasse bringt", erklärt Adams.Um das Angebot abzurunden, sind abends die Eltern an der Reihe. Sie sollen mit den Kindern die Schulranzen auf überflüssigen Ballast prüfen. "Die Eltern können nicht alles auf die Schule abschieben", sagt Adams. Sie fordert dazu auf, die Kinder nicht ständig zu fahren, sondern häufig zu Fuß gehen zu lassen. Auch bei der Auswahl der Ranzen sind die Eltern gefragt. Heute würde viel zu sehr der Mode nachgegeben. "Ich muss den Eltern auf die Füße treten."