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Redakteur erinnert sich an ersten Besuch der Eifel: Beim Urlaub am Maar

Streifzug am Meerfelder Maar : Spazieren auf den Spuren der Kindheit - Wie sich unser Redakteur an seinen ersten Besuch in der Eifel erinnert (Fotos)

Das erste Mal in Berührung mit der Eifel kam unser Redakteur bei einem Urlaub mit den Großeltern. Wie ein Spaziergang am Meerfelder Maar wieder Erinnerungen an diesen Ausflug geweckt hat.

Sich zu erinnern, kann sich manchmal anfühlen wie ein Stochern im Nebel. Besonders meine Kindheit und Jugend  erscheinen mir trübe, verschwimmen in der Rückschau. Da sind ganze Jahre, die im Dunst liegen. Und dann wieder Momente, die aus dem Dunkel auftauchen. Bilder, die ich in meinem Kopf abspielen kann wie einen Film.

Zu diesen wenigen, einigermaßen klaren Erinnerungen gehört mein erster Urlaub in der Eifel. Ich dürfte damals etwa neun gewesen sein, vielleicht zehn, ging auf jeden Fall noch zur Grundschule. Und hatte noch nicht viel mehr von der Welt gesehen als meine damalige Heimat, das Saarland, als meine Großeltern mich mitnahmen.

Oma und Opa waren seit jeher große Wanderer gewesen. Stets ausgerüstet mit Stöcken, an denen allerhand Wappen prangten, machten sie kilometerlange Touren in den Alpen, bestiegen auch so manchen Berg. Und auch auf die Höhen der Eifel trieb es die beiden fast jedes Jahr.

Und dieses eine Wochenende sollte ihr Enkel mitkommen. Es war der erste Trip ohne meine Eltern und meinen Bruder. Und meine erste Berührung mit einer Region, die heute mein Zuhause ist. Damals allerdings, vor gut 20 Jahren, erschien mir die Fahrt dorthin — einmal quer durch den Hunsrück und an der Mosel vorbei — wie eine halbe Weltreise.

Die grünen Hügel, die Felsen und Wälder, die kleinen Dörfer mit ihren Bauernhäusern und vor allem die Maare — all das war neu für mich. Dass ich diese eineinhalbstündige Weltreise später jeden Monat fahren würde, um Eltern oder Freunde im Saarland zu besuchen, wusste ich damals natürlich noch nicht.

Doch obwohl ich heute in Salmtal lebe, ganz in der Nähe der Vulkaneifel also, habe ich lange gebraucht, um herauszufinden, wo ich damals genau war. Es war ein Foto in einem alten Fotoalbum, das mich erst kürzlich auf die Spur brachte.

Es zeigt einen hölzernen Turm auf einer Wiese, drumherum: Eifel-Panorama. Und an dessen Fuß sitzen ich und Opa auf einer Bank. Ich stochere mit einem Stock in der Wiese herum, vermutlich erschöpft von der Wanderung und mit leerem Magen. Mein Großvater hingegen schaut zufrieden in die Ferne. Und wie ich heute wieder weiß: auf das Meerfelder Maar, eines jener blau-glitzernden Augen der Eifel.

Mindestens 30 000 Jahre liegt der mit Wasser gefüllte Krater schon im Talkessel. Doch bereits in 20 Jahren hat sich hier einiges verändert. Zwar thront noch immer ein Turm über dem See. Allerdings sieht die Aussichtsplattform „Landesblick“ zwischen Deudesfeld und Meerfeld heute anders aus als in meiner Erinnerung und auf meinem Foto. Wie der Dauner Kollege Stephan Sartoris mir erklärte, hatte man den Turm zwischenzeitlich ersetzt.

Was einerseits erklären dürfte, warum ich ihn aus der Ferne, all die Male, wo wir im Meerfelder Maar schwimmen waren, nicht erkannt habe. Und, warum ich andererseits dennoch immer eine Art Dejà-Vu hatte, wenn wir uns dem Ort näherten.

Die Flut an Erinnerungen allerdings kam erst, als ich mit Kollegin Nora John neulich noch einmal rund um das Maar spazierte. Auf demselben Weg, den ich damals mit meinen Großeltern ging. Plötzlich weiß ich wieder, dass Oma zu wenige Butterbrote eingepackt hatte. Dass mir die Füße weh taten und mir der Schweiß die Haut runterperlte. Aber auch: Dass der Ausblick vom Turm auf das schimmernde Maar und über die Eifelhöhen für die Mühen entschädigt hat. Und, wie ich da wieder so stehe auf dem Turm, mit dem Wind, der mir um die Ohren bläst, habe ich wieder dasselbe Gefühl wie damals. Diese wohltuende Ruhe, fernab des Straßenlärms und der Hektik der Arbeit. War es dieses Gefühl, das auch meine Großeltern hier gesucht haben? Schade, dass ich sie das nicht mehr fragen kann.

Opa ist schon 2013 gestorben, Leberkrebs. Meine Oma ist vergangenen Winter in einem Pflegeheim im Saarland eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht. Das letzte Mal gesehen habe ich sie im Sommer — wegen der Pandemie waren Besuche in der Seniorenresidenz lange nicht möglich. Bei diesem letzten Treffen aber kamen wir wieder auf die Eifel zu sprechen. Das heißt: ein richtiges Gespräch war eigentlich schon nicht mehr möglich. Oma summte mehr, dass sie sprach, meist Lieder aus ihrer Kindheit. Auch sie hat also noch ein paar klare Erinnerungen in diesem Nebel, der Demenz heißt. Sie war da schon nicht mehr ganz bei sich. Dennoch gab es manchmal lichte Momente. Und das war einer von ihnen.

Es war ein schöner Sommertag, mein Vater und ich schoben seine Mutter mit dem Rollstuhl durch den Dillinger Stadtpark und ich steckte ihr eine Postkarte zu. Ich hatte sie an dem Büdchen vor der Wallfahrtskirche in Klausen gekauft, einen Ort zu dem meine Oma früher gepilgert war. Da nahm sie meine Hand und sagte: „Und, was macht die Eifel? Die Eifel ist schön.“

 Auch zum Schwimmen ist das Maar geeignet.
Auch zum Schwimmen ist das Maar geeignet. Foto: TV/Christian Altmayer

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