Regress ist abgeschlossen

Eine zweijährige Bewährungsstrafe hat der frühere Chef des Anfang 2005 pleite gegangenen Mineralwasserproduzenten "Diamant-Quelle", Hans-Jürgen Jungblut, bekommen. Fraglich ist, welche zivilrechtlichen Konsequenzen daraus resultieren.

Thalfang/Schwollen. (kas) Helmut Konrad, Insolvenzverwalter der Diamant-Quelle, sieht keinen Grund zivilrechtlich gegen den am Montag vom Landgericht Koblenz zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilten ehemaligen Geschäftsführer des Mineralbrunnens, Hans-Jürgen Jungblut, vorzugehen: "Er hat sich um eine Wiedergutmachung des Schadens bemüht, womit der Regress für uns abgeschlossen ist." Diese Lösung wurde mit der Gläubigerversammlung abgestimmt. Inzwischen zahlte der 60-Jährige einen stattlichen Betrag zur Abgeltung der Gläubiger zurück; eine weitere Überweisung soll die Masse nochmals vergrößern. Voraussichtlich können die noch offenen Ansprüche in Höhe von 15,7 Millionen Euro mit einer Quote von durchschnittlich etwa zehn Prozent erfüllt werden, erklärt der Insolvenzverwalter.Banken vorab befriedigt

Nach seinen Worten waren die angemeldeten Forderungen ursprünglich doppelt so hoch. Aus dem Verkauf an Hochwald-Sprudel im März 2005 konnten die Sicherungsgläubiger vorab befriedigt werden. Dazu gehörten neben einem Konsortium größerer Banken die Volksbank-Raiffeisenbank (VR) Naheland und die Kreissparkasse (KSK) Birkenfeld, die folglich ebenfalls keinen Anlass für rechtliche Schritte sehen. "Für uns ist die Sache erledigt", sagt KSK-Vorstandsvorsitzender Joachim Köls. Nicht anders bewertet es Frank Schäfer von der VR-Bank, der von einem "für uns zufriedenstellenden Ergebnis" spricht.Ohne Gegenleistung Gelder kassiert

Bei beiden Kreditinstituten hatte sich Jungblut 2003 mit falschen Angaben Darlehen erschlichen. Jetzt verurteilte ihn das Landgericht Koblenz wegen Untreue und Betrugs. Strafantrag wegen Untreue stellte nach den Insolvenzanträgen der zweite Geschäftsführer Werner Klee. 1999 hatte sein Kompagnon, dessen in den 90er-Jahren aufgebautes Geflecht von Gesellschaften bis nach Panama reichte, die mit Abstand umsatzstärkste Marke Berg-Quelle auf die luxemburgische Briefkastenfirma TTI Participations übertragen. Weil diese von dem Mineralwasserhersteller, der zuletzt 142 Mitarbeiter beschäftigte, Gelder kassierte, ohne Gegenleistung zu erbringen, prellte er die von ihm geleitete Diamant-Quelle um mehr als 1,1 Millionen Euro. Der Transfer der Markenrechte verzögerte 2005 die Übernahme durch Hochwald-Sprudel um zwei Wochen. Offen ist, ob Hans-Jürgen Jungblut vonseiten der Familie Klee nun auch per Zivilklage Ungemach droht. Bis ins Jahr 2008 hinein kann sich laut Helmut Konrad das Insolvenzverfahren hinziehen: "Noch sind nicht alle Außenstände eingegangen." Denkbar ist auch eine vorläufige Ausschüttung.