Reibungslos und einheitlich

BERNKASTEL-WITTLICH. Als erster Sektor im neuen Verbund aus Cusanus-Krankenhaus und St. Elisabeth Krankenhaus laufen die ambulanten und stationären Operationen vollständig vernetzt. Die neueste Folge der TV -Serie zeigt, dass die Individualität der Dienstleistung für die Patienten erhalten bleibt.

Fahrten zwischen zwei Arbeitsorten gehören für Gerd Seimetz seit einiger Zeit zum Alltag. Als Leiter und Koordinator der OP-Abteilungen zweier ehemals selbstständiger Krankenhäuser ist er zuständig für das Zusammenwachsen. "Das läuft sehr reibungslos. Meine Hauptaufgabe ist es, das Know-how beider Häuser zusammenzuführen", erklärt Seimetz. Für den medizinischen Laien waren die Abläufe der jährlich rund 10 000 Operationen, die im Verbund geleistet werden, schon immer einheitlich. Doch Seimetz erläutert die Feinheiten, die zum Alltag der Ärzte und Pfleger gehören: "Zu einem so genannten Sieb, das steril griffbereit zu sein hat, gehören bis zu 100 verschiedene Operations-Instrumente, die jeder Operateur in seiner eigenen Anordnung und Ausformung bevorzugt. Das landläufig bekannte Skalpell ist da nur der kleinste gemeinsame Nenner. Es gibt zig verschiedene Variationen von Klemmen oder anderem Material, und jeder Chirurg hat da eigene Vorlieben und Erfahrungen." Das werde im Rahmen des Krankenhausverbundes nun vereinheitlicht, da die Operateure mittlerweile in beiden Häusern arbeiten und sich das OP-Personal ohne Probleme darauf einstellen muss. "Für mich als Koordinator heißt das, die Ärzte mit ihren Arbeitsweisen sehr gut zu kennen und gleichzeitig als Ansprechpartner für die Pflege zu dienen", sagt Seimetz. Er schätzt, dass der Anpassungsprozess insgesamt zwei bis drei Jahre dauern wird, "dann müsste jeder überall eingesetzt werden können". Schulungen und Fortbildungen der "sowieso sehr wissbegierigen und motivierten Mitarbeiter" werden die Kenntnisse der neu standardisierten OP-Verfahren und Instrumente vertiefen. Ängste seitens des Personals oder der Patienten angesichts der Umstrukturierung seien nicht angebracht, betont er, denn "im neuen System kann jeder sehr viel besser gemäß den eigenen Fähigkeiten und Neigungen arbeiten, die örtliche Flexibilisierung bringt allen erhebliche Vorteile und macht die Pflege menschlicher". Durch größeren Abwechslungsreichtum, den die Vernetzung beider Häuser für den Einzelnen bietet, komme es seltener zu den in sozialen Berufen verbreiteten Symptomen des Ausgebranntseins, für jeden gebe es das passende Arbeitsfeld. "Dienst nach Vorschrift geht bei uns sowieso nicht. Menschen in der Pflege brauchen und haben viel mehr Antrieb." Bei den Einstellungsgesprächen werde auch darauf geachtet, wie sehr das familiäre Umfeld die Arbeit im Pflegeberuf mittrage. Doch nicht nur mehr Menschlichkeit soll der Verbund bringen, auch betriebswirtschaftliche Vorteile auf dem hart umkämpften Gesundheitsmarkt verspricht sich der Krankenhausträger ctt von der Neuerung. "Bei Implantaten, Instrumenten oder Verbänden muss man darauf achten, das innovativste und funktionalste Material zu wirtschaftlich guten Konditionen zu besorgen. Wir haben uns bisher zum Beispiel auf Hüft- und Knie-Endoprothetik spezialisiert. Was wir dafür an Implantaten verwenden, gehört zum Besten auf dem Markt", schildert Seimetz die Nische, während es in Bernkastel-Kues oder Wittlich eben keine Herzoperationen gebe: "Dafür existieren andernorts Spezialisten." Generell gebe es - auch auf Wunsch der Patienten - eine Tendenz zu vermehrten ambulanten Operationen, wenn es das Krankheitsbild zulässt. "Da wird ein anderer Takt gefahren", erklärt Seimetz. "Die Arbeit wird in ihrer kompletten Ablaufstruktur unter bestmöglicher Qualität kompensiert." Derzeit wird ein ambulantes OP-Zentrum im Cusanus-Krankenhaus errichtet.