Reifenproduktion läuft rund
Keinerlei finanzieller Schaden für die Wittlicher Reifenbauer, lediglich wenige Reifen, die nicht ausgeliefert wurden: Mit dieser Klarstellung reagiert die Firmenzentrale Hanau auf Gerüchte über eine größere Fehlproduktion bei Dunlop.
Wittlich. Goodyear Dunlop ist mit rund 900 Mitarbeitern neben Dr. Oetker größter Arbeitgeber der Stadt. Beunruhigend sind deshalb Gerüchte über das Wittlicher Werk: Rückruf Zigtausender Reifen, von einem millionenschweren Schaden ist die Rede.
Alles Quatsch, sagt die Firmenzentrale in Hanau: Seit fünf Jahren habe es keinerlei Rückrufaktionen gegeben. Und zwar weder für die Marken Dunlop noch für Goodyear Dunlop Tires Germany, weder beim Wittlicher Werk noch an anderen Produktionsstandorten in Deutschland. Gabriele Velte, Pressesprecherin von Goodyear Dunlop in Hanau, stellt zudem klar: "Sämtliche Gerüchte betreffend eines finanziellen Schadens für das Unternehmen entbehren jeder Grundlage."
Einziger Fehler: Reifen werden grau
Was könnte denn hinter den Unkenrufen stecken? Die Pressesprecherin gibt eine Erklärung. Kürzlich habe eine Qualitätsüberprüfung gezeigt, "dass eine geringe Anzahl von PKW-Reifen mit einem etwas höheren Anteil an Alterungsschutzmittel" hergestellt wurde.
Zwar halten Reifen damit länger, aber sie können die Farbe wechseln - grau werden. Gabriele Velte sagt: "Das hat keinerlei negative Auswirkungen auf die Fahreigenschaften. Der einzig mögliche Effekt ist ein rein optischer. Das heißt, ein Teil dieser Reifen zeigt unter Umständen eine leicht gräuliche Verfärbung der Seitenwand." Deshalb sei eine kleinere Menge Reifen nicht ausgeliefert worden. Mit "Rückruf" hat das nichts zu tun. Aus Mitarbeiterkreisen ist zu hören, es handele sich um 2000 PKW-Reifen. Bei dieser Größenordnung ist naturgemäß auch der "Millionen-Euro-Schaden" aus der Gerüchteküche vom Tisch. Derzeit werden rund 4000 PKW-Reifen täglich in Wittlich hergestellt plus 2400 LKW-Reifen. Die LKW-Reifen-Produktion ist noch von Kurzarbeit betroffen. Normalerweise sind es 2600 Stück am Tag. Die PKW-Reifen-Zahl entspricht wieder der Produktion bei normaler Absatzlage.
PKW-Reifen müssen gute Geschwindigkeitseigenschaften haben. Deshalb bestehen sie zu 80 Prozent aus Synthese-Kautschuk und zu 20 Prozent aus Naturkautschuk. Bei LKW-Reifen gilt ein umgekehrtes Verhältnis. Natur-Kautschuk gilt als relativ empfindlich gegen Alterung und wird dann etwa porös. Ihm werden deshalb Zusatzstoffe wie Zinkoxid beigemischt. Sie mildern den Alterungsprozess. Zu dem Naturprodukt Kautschuk werden im Sommer andere Beimischungsmengen als im Winter zugegeben. Ein Insider meint deshalb, dass die aktuelle Überdosierung womöglich durch die langen Minustemperaturen entstanden sein könnte. Vielleicht habe man wegen der Kälte mehr Beimischung zugesetzt. Jedenfalls ist das bei der Qualitätsprüfung aufgefallen.
Als "vorbeugende Maßnahme" hat man beschlossen, betroffene Reifen nicht zu verkaufen. Immerhin liefern die Wittlicher direkt an Erstausrüster, also Fahrzeughersteller. Unter anderem gehört die Nobelmarke Jaguar zum exklusiven Kundenkreis des Wittlicher Werks. Wer solch einen Wagen kauft, will eben Reifen ohne optischen Mangel.
EXTRA
Alterungsschutzmittel schützen Reifen vor Ermüdungs- und Rissanfälligkeit sowie Sprödigkeit und verlangsamen Schäden, die durch Sauerstoff, UV-Strahlung und Wärme entstehen. Die genaue Zusammensetzung hat entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Reifens und bleibt das Geheimnis der Reifenhersteller. (Quelle: www.kfz-teile-service.de)