Reil will auch im Land ganz vorne sein

Reil · Den Kreisentscheid und den Bezirksentscheid im Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" hat Reil bereits gewonnen. Jetzt will der schmucke Moselort noch eine Stufe höher steigen. Reil hat sich als eine von zwölf Gemeinden in Rheinland-Pfalz in der Hauptklasse qualifiziert. Gestern war die Kommission vor Ort.

Reil will auch im Land ganz vorne sein
Foto: (m_kreis )

Reil. Auf dem Reiler Bibade-Platz bleibt die sechsköpfige Kommission besonders lange stehen. Der Pfalzgraf und der Teufel als Gestalten der Reiler Sage vom heißen Stein, der Reiler Bibad und zwei Wingertsfrauen stehen dort in Stein gemeißelt, der Platz lädt zum Verweilen ein. Es ist ein vorbildliches Projekt von Gemeinsinn und ehrenamtlichem Engagement. Der Theaterverein "Moselblümchen" hat den Platz auf eigene Kosten neu gestaltet.
Gemeinsinn und Engagement — damit kann der 1000-Einwohner-Ort punkten. Nicht weniger als 22 Vereine gibt's in Reil — ein Beweis für ein intaktes Dorfleben, wie Landrat Gregor Eibes bei der Begrüßung hervorhebt. Ortsbürgermeister Artur Greis ist stolz auf "seine" Reiler, die in den vergangenen Jahren in verschiedenen Arbeitskreisen Bemerkenswertes geleistet haben. Um nur einige Beispiele zu nennen: Es gibt einen ehrenamtlichen Fahrdienst für ältere Menschen, einen Seniorenbesuchsdienst, Spielenachmittage und eine Betreuungsgruppe für Demenzkranke. Und man will bei dem Erreichten nicht stehenbleiben: Geplant ist ein Mehrgenerationenplatz, das Rathaus soll energetisch saniert werden, und im Dorfgemeinschaftshaus soll ein gemeinsames Essen für ältere und alleinstehende Menschen angeboten werden.
Die Kommission ist beeindruckt. Beim Dorfrundgang, an dem sich zahlreiche Reiler Bürger beteiligen, fallen den Mitgliedern viele vorbildlich renovierte Fachwerkhäuser ins Auge. An der Kirche zeigt der erste Beigeordnete Rüdiger Nilles auf eine offene Dachluke. Dort fliegen frühmorgens und spätabends mehrere Tausend Fledermäuse ein und aus. Auf dem Dachboden befindet sich eine der bundesweit bedeutendsten Fledermauskolonien. Der ökologische Gedanke spielt in Reil ohnehin eine große Rolle. Die Kommission besichtigt auch ein neben dem Sportplatz ausgangs des Orts angelegtes Biotop. An einem kleinen Bachlauf wurden Teiche angelegt. Aus den Weidenstecklingen sind inzwischen große Weiden geworden. Außerdem konnten ökologisch wertvolle Trockenmauern in den Steilgagen erhalten werden.
Am Ortsrand befindet sich auch ein Areal mit vielen Kleingärten — "die Gardin" genannt. Dort ernten Reiler Bürger ihr selbst angebautes Gemüse und Obst.
Die Gemeinde hat sich auch für den vom Land ausgelobten Sonderpreis "Vorbildliche ökologische Leistungen in der Gemeinde" beworben.
Reil ist aber kein "aussterbendes Museumsdorf", sondern eine sich entwickelnde Gemeinde, die viele Gäste anlockt. Sieben Hotels, zehn Restaurants und der große Wohnmobilstellplatz am Moselufer gehören zur touristischen Infrastruktur, wie Rüdiger Nilles erläuterte. Und es gibt in Reil neben 41 Weinbaubetrieben noch 39 Gewerbebetriebe.