Reil will mit Bürgerbeteiligung negative Entwicklung stoppen

Reil · Reil leidet wie so viele Moselorte unter einem gravierenden Bevölkerungsschwund. Die Gemeinde will sich die Entwicklung entgegenstemmen. Mit Hilfe der Dorfmoderation soll der Ort lebens- und liebenswert bleiben.

Reil. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 1050 Menschen leben aktuell in Reil. Vor 50 Jahren waren es noch über 1500. Die Tendenz ist weiter fallend. 24 Vollerwerbswinzer und rund ein Dutzend Nebenerwerbswinzer betreiben zurzeit in dem Ort, der vor drei Jahren sein 1000-jähriges Bestehen feierte, Weinbau. In den 50er und 60er Jahren wurden noch insgesamt 160 Winzer gezählt.
"Reil ist von einem Winzerdorf zu einem Dorf mit Winzern geworden", sagt Ortsbürgermeister Artur Greis. In den 70er und 80er Jahren sei kaum ein Bauplatz zu kaufen gewesen, weil die Winzer sie nicht hergaben. Greis: "Dass Reil so viele Einwohner verloren hat, ist auch ein Versäumnis früherer Jahre." Man habe den Ort nur im Sinne einer Berufsgruppe entwickelt. Viele junge Familien seien in Nachbarorte gezogen, weil sie in Reil nicht bauen konnten.
Noch ist die Infrastruktur gut. Es gibt ein Lebensmittelgeschäft mit Bäckerei, zwei Elektriker, zwei KFZ-Werkstätten, einen Fliesenleger, Friseur, ein Bauunternehmen, Dachdecker, Gärtnerei und Getränkemarkt. Außerdem sind in Reil noch die Grundschule und der Kindergarten, und Reil hat einen Bahnanschluss. Touristisch steht Reil ebenfalls gut da. Es gibt mehrere Hotels und zahlreiche Privatvermieter mit insgesamt rund 1200 Gästebetten. Die Gästezahlen sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.
Ortsbürgermeister Greis weiß, dass sich sein Ort für die Zukunft wappnen muss. Daher hat sich die Gemeinde für eine Dorfmoderation entschieden. Die Gemeinde hat ein Grobkonzept erstellt und den Auftragsrahmen für das Planungsbüro formuliert.
Im zweiten Schritt werden alle Bürger zu einer Auftaktveranstaltung eingeladen. Sie sollen ihre Wünsche, Ideen und Meinungen einbringen. Schließlich werden Arbeitskreise gebildet, die sich um Themen wie Umnutzung leerstehender Gebäude, Verbesserung des Ortsbildes, Kinder und Jugend im Dorf, Älterwerden im Dorf oder Grundversorgung im Dorf beschäftigen.
Diese Ideen sind dann Grundlage für konkrete Maßnahmen, die in den kommenden zehn bis 20 Jahren umgesetzt werden sollen. sim