Reils rasende Leiterwägelchen

Reil · Mit der Kirchengeschichte und dem moselfränkischen Dialekt seines Heimatortes Reil hat sich Rudolf Hochscheid bereits früher befasst. Nun brachte er ein viertes Buch heraus, das auf amüsante Art erzählt, wie das früher so war in Reil.

 Rudolf Hochscheid mit seinem jüngsten Werk, mit dem an Traditionen seines Heimatdorfes Reils erinnert. TV-Foto: Ursula Schmieder

Rudolf Hochscheid mit seinem jüngsten Werk, mit dem an Traditionen seines Heimatdorfes Reils erinnert. TV-Foto: Ursula Schmieder

Reil. Spiele und Traditionen früherer Generationen sind mit Sicherheit spannend und aufschlussreich. Doch einige Kapitel des jüngsten Buches von Rudolf Hochscheid, seinem Band drei des "Moselfränkischen Wörterbuches", machen besonders neugierig. Das inzwischen vierte Werk des 68-jährigen Rentners aus Reil verrät nämlich auch, was Läätawäänchje und Kläppachja sind. Dass das ä ein beliebter Laut in Reil ist, erfuhren Leser ja schon in früheren Werken. Doch nun können sie auch mitreden, wenn vom Läätawäänchje, einem Leiterwägelchen, gesprochen wird. Der Ausdruck mag auch für Nicht-Reiler noch halbwegs verständlich sein. Doch die immense Bedeutung dieses einst vielseitig genutzten Transportfahrzeugs können sie kaum erahnen. Solche Wägelchen kamen praktisch überall zum Einsatz. Sei es, um vom Garten am Dorfrand Kartoffeln und Gemüse nach Hause zu karren, oder um sich selbst voran zu bringen. "Man hat die Deichsel zwischen die Füße genommen und konnte damit sehr schön lenken", erklärt Autor Hochscheid. Das habe einfach großen Spaß gemacht, obschon das mit dem Bremsen mitunter etwas schwierig gewesen sei. "Das ging oft nur, indem man schräg gegen eine Wand fuhr", erinnert er sich.
Um zu verstehen, was sich hinter Kläppachja verbirgt, braucht es ebenfalls fachkundige Erläuterungen eines Einheimischen wie Hochscheid, der aus Reil stammt. Denn die Ähnlichkeit des Wortes mit dem moselfränkischen Kläpp für Schläge, die Jungs schon mal gegenseitig verteilten oder für ihre Streich einstecken mussten, ist Zufall. Hochscheid erklärt die Bedeutung des Wortes vielmehr so: "Man hat geklappert, Lärm gemacht." Und das am liebsten vor Haustüren anderer Leute, die das natürlich mächtig aufbrachte. Und das wiederum konnte dann schon mal zum Eigentor werden. Denn nicht immer konnten diejenigen, die den Streich ausführten, schneller laufen als die von ihnen Geärgerten. Mit amüsant erzählten Episoden wie diesen will der Familienvater allerdings nicht nur unterhalten, sondern in erster Linie "das Alte dokumentieren". Es ist ihm einfach wichtig, "schriftlich festzuhalten, wie das früher war". Und das sowohl für Jüngere, die sich das oft kaum vorstellen können, als auch für Ältere, die dann sagen könnten: "Kuck mal, genau so hat sich das damals abgespielt". urs
Extra

Der dritte Band von Rudolf Hochscheids "Moselfränkischem Wörterbuch" trägt den Untertitel "Moselfränkische Traditionen - Gestaltung der arbeitsfreien Zeit". Das Buch ist im Selbstverlag erschienen und über den Autor, Telefon 06542/21693, zum Preis von 25 Euro zu beziehen. Band 1 und 2 erschienen 2012 (der TV berichtete): ein Wörterbuch von A bis Z mit gut 6000 Begriffen in Reiler Dialekt und ein Buch mit Redensarten, Namen oder auch Schimpfwörtern. So etwa Knousat, sprich Geizkragen, Lousat (Frechdachs), Dreakhommel (Schmutzfink) oder Läitsgehäija (ein nervender Mensch). Fünf Jahre recherchierte Hochscheid dafür - im Internet und indem er sich mit Reilern unterhielt. Sein erstes Buch "160 Jahre Pfarrkirche Reil" befasste sich mit dörflichen Kirchenleben. urs

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