Reinbuttern statt Abwarten
Während der Nachbau des Neumagener Weinschiffes zügig voran schreitet, laufen die Überlegungen für eine optimale Vermarktung auf Hochtouren. Eine tragende Rolle kommt dabei der Konzeption Trierer Studenten zu.
Neumagen-Dhron. (urs) Wer wird es chartern, das Römische Weinschiff? Wird es genügend Interessenten geben, die mit dem Nachbau auf der Mosel herum schippern möchten? Und wenn ja, zu welchem Preis? Mit Fragen wie diesen haben sich Studenten des Fachbereichs Freizeit-Tourismus-Geografie der Uni Trier beschäftigt. Basierend auf deren Erkenntnissen will Neumagen-Dhron bis August buchbare "Pakete" geschnürt haben."Wir haben eine ganze Menge Resonanz festgestellt", bilanziert Professor Andreas Kagermeier die Resultate seiner Studenten. Interesse bekundet haben alle befragten Zielgruppen wie Kulturinteressierte, Touristiker, Hoteliers und Winzer, Senioren und Schüler, Betriebe und Vereine. Lediglich bei Busunternehmen gebe es Grenzen, da diese im Schnitt mit 50 Personen unterwegs seien, in dem Schiffsnachbau aber nur 40 Platz fänden. Neumagen-Dhron könne bei der Vermarktung des Weinschiffes also "ruhig breit vorgeben", hält Kagermeier auch die Chance einer Gäste-"Verjüngung" vor Augen. Nach den Erkenntnissen seiner Studenten ist es aber wichtig, diverse Tour-"Pakete" zu schnüren. So sollten Gruppen oder Einzelreisende das Schiff nicht nur inklusive römischen Essens oder Weinprobe buchen können. Neben einem "Rahmenprogramm rund um Wein- und Römerthematik" sei auch historisches Ambiente gefragt. Außerdem biete sich die Kombination mit Führungen oder Wanderungen an. Weitere Ideen sind Ruderpartien, die Vermietung des Schiffes an Nachbargemeinden oder ein begehbares Römerlager an der Anlegestelle. Die Befragungen zu den Preisvorstellungen potenzieller Mieter tendieren in Richtung zehn bis 20 Euro pro Person beziehungsweise 200 bis 400 Euro pro Gruppe.Dass Einzelne auch bereit sind, für solche Angebote einen gewissen Betrag auszugeben, steht für Verbandsbürgermeisterin Christiane Horsch außer Frage. Angesichts der derzeit noch nicht absehbaren Betriebskosten stehe die Gemeinde aber vor der Frage: "Buttern wir rein, oder warten wir bescheiden ab." Sie persönlich tendiert dazu, dass Schiff offensiv anzubieten: "Ein gewisses Risiko muss man sicher eingehen." Außerdem vermarkte sich so etwas nicht von selbst: "Der Gast möchte unterhalten und an die Hand genommen werden, und er will gut essen und trinken." "Im August muss das Konzept stehen"
Insgesamt stecke im Römerweinschiff aber ein Riesenpotenzial - und zwar nicht nur für den Ort, sondern für den Bekanntheitsgrad der gesamten V G. Ortsbürgermeister Willi Herres setzt daher auch auf die Nachbarn: "Wir sitzen da alle in einem Boot." Mut macht ihm eine beeindruckende Unterstützung. So stelle der Hersteller der beiden Schiffsmotoren einen davon kostenlos zur Verfügung, und die Planung für den Hafen sei unentgeltlich erstellt worden. Vordringlich müsse jedoch daran gearbeitet werden, dass der Nachbau überregional noch zu wenig bekannt sei. Laut der Studentenbefragung weiß schon in Mainz kaum jemand davon. Doch auch ohne derlei Bemühungen drängt die Zeit, wie er betont: "Im August muss das Konzept stehen." Ansonsten könne die Vermarktung des Schiffes, das nicht als Fahrgastschiff an den Start gehe, sondern als Charterschiff ohne Gastronomie, erst ein Jahr später anlaufen.