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Reisen und leben mit kleinem Gepäck: Sie sind überall auf der Welt zuhause

Reisen und leben mit kleinem Gepäck: Sie sind überall auf der Welt zuhause

Leben und arbeiten irgendwo in der Welt ohne festen Wohnsitz: Die moderne Technik macht es möglich. Jenny Mitscher und Sebastian Ritter haben sich für ein Leben als digitale Nomaden entschieden und sind damit erfolgreich. Ihr Reiseblog hat pro Monat rund 70000 Leser.

Das Leben von Jenny Mitscher und Sebastian Ritter passt in zwei 42-Liter-Rucksäcke. Darin befinden sich in erster Linie hochwertige Technik wie Kameras, Laptops und ähnliches. Wenn Jenny Mitscher und Sebastian Ritter unterwegs sind, reisen sie nur mit Handgepäck. Mit diesen wenigen Dingen gehen sie nicht nur auf einen Wochenendtrip, sondern sind die meiste Zeit des Jahres in der Welt unterwegs. Sie selbst bezeichnen sich als "digitale Nomaden". Also als Menschen, die durch die Welt ziehen und das Internet für ihre Arbeit nutzen.

Seine Wohnung in Berlin hat das Paar untervermietet. Wenn sie in Deutschland sind, machen sie Station bei Jennys Eltern in Traben-Trarbach-Wolf oder bei Sebastians Eltern in Hamburg. Angefangen hat alles mit ihrem Unternehmen 22places. Sebastian, der Betriebswirtschaft studiert hat und zuvor in einer Agentur tätig war, merkte schnell: "das kann es nicht sein für die nächsten 40 Jahre." Zusammen mit Jenny gründete er 22places.

"Wo sind coole Orte zum Fotografieren?" hieß und heißt dabei die Aufgabenstellung. Dabei war die Namenswahl eher zufällig, das Portal ist nicht auf 22 Orte beschränkt. Auch wenn die beiden Weltenbummler schon damals viel unterwegs waren, hatten sie noch einen festen Wohnsitz in Berlin. Die Initialzündung, sich ortsunabhängig zu machen, kam ihnen bei einem Vortrag über digitale Nomaden. "Wir saßen da, haben uns angeguckt und gesagt: ,Das machen wir auch'", erinnert sich Jenny Mitscher.

Ein Jahr lang wollten sie versuchen, dieses Geschäftsmodell auf solide Füße zu stellen. Sie übernahmen Aufträge für Webseiten und Onlineprojekte. Im September 2015 ging es los. Eines ihrer liebsten Ziele ist Thailand, weil die Lebenshaltungskosten günstig und die Internetverbindungen gut sind. Aber auch die Philippinen bereisen sie gerne. Da sei alles etwas entspannter.

Dabei sind die 30-Jährige und ihr 32-jähriger Freund keinesfalls weltfremde Träumer, die ausschließlich an exotischen Stränden abhängen. Sie betreiben ihren Beruf mit Fleiß, Ehrgeiz und Engagement. Arbeitswochen wechseln sich mit Reisewochen ab. Während der Arbeit verlassen sie kaum ihre Unterkunft und sitzen den ganzen Tag vor ihren Laptops. Mit den Einheimischen kommen sie in diesen Phasen weniger in Kontakt.

Dagegen treffen sie eher auf andere digitale Nomaden, die ein ähnliches Leben führen und auch die Orte aufsuchen, an denen es eine gute Internetverbindung gibt. In diesen Arbeitsphasen betreuen sie unter anderem die Nutzer ihres Online-Fotokurses. Den haben sie selbst entwickelt und nach eigenen Aussagen möglichst unkompliziert gestaltet, so dass jeder die Technik des Fotografierens leicht erlernen kann.

Jenny und Sebastian selbst sind Autodidakten. "Wir sind durch die harte Schule gegangen. Wir haben Kurse besucht und jede Menge Bücher gewälzt". sagt Jenny. Doch der Fotokurs ist nicht die einzige Einnahmequelle. Der Reiseblog des Paares ist mittlerweile stark gefragt. Darin geben sie Reisetipps und empfehlen eine Liste mit Dingen, die man auf Reisen unbedingt dabei haben sollte. Mit mittlerweile rund 70000 Lesern im Monat gehört er nach ihren Aussagen zu den meistgelesenen Reiseblogs in Deutschland. Und damit steigert sich auch das Interesse von Firmen, die Reiseutensilien für Testzwecke zur Verfügung stellen. Diese Produkte stellen sie in ihrem Blog vor, gehen aber mit dem Thema Werbung offen um: "Wir würden nichts empfehlen, was wir nicht selber gut finden."

Zu ihren beruflichen Aktivitäten gehören auch Besuche von Fachmessen. Auf der Photokina werden sie Ende September Vorträge halten, auch die Internationale Touristik-Messe in Berlin gehört zu den Pflichtterminen.

Und auch ganz profane Dinge müssen erledigt werden. Zum Beispiel die Steuererklärung. "Wir wollen ja in Deutschland Steuern zahlen", sagt Ritter, obwohl er keinen festen Wohnsitz hat. Doch sei es schwierig, diese Form des Arbeitens in die Schablonen der Finanzämter zu kriegen. Allein die Reisen als Werbungskosten abzusetzen, sei nicht ganz einfach.

Beiden ist das Reisefieber in die Wiege gelegt. Schon ihre Eltern seien gerne unterwegs gewesen. Die hätten zwar viele Fragen gehabt, hätten aber kein Probleme damit, dass sie ständig unterwegs sei, erzählt Mitscher. "Viele Freunde verstehen nicht, was wir machen", räumt Mitscher allerdings ein.

EXTRA
Die schönsten Orte der Welt in der 22places-Rangliste von Jenny Mitscher und Sebastian Ritter: Auf Platz eins steht die Insel Siquijor, Philippinen. "Wenn du uns vor einem Jahr gefragt hättest, wie unsere Trauminsel aussieht, hätten wir dir die Insel Siquijor beschrieben, ohne dass wir sie zu dem Zeitpunkt kannten." Es folgt Berlin auf Platz zwei. Sonnenaufgang über den Chocolate Hills auf Bohol, Philippinen steht auf Platz drei. Den vierten Platz teilen sich die Heimatorte der beiden Weltenbummler: Traben-Trarbach-Wolf und Erfurt. Es folgen Orte in Thailand, Lissabon und Stockholm. Die Liste ist nicht vollständig und kann sich jederzeit ändern. noj
Noch mehr Infos über Reiseziele in aller Welt und die besten Fotolocations gibt es im Internet unter www.22places.de