Reitz: Elternhaus ist nicht Geburtshaus

Reitz: Elternhaus ist nicht Geburtshaus

Was nur wenige Morbacher wissen: Das Elternhaus des Filmemachers Edgar Reitz in der Morbacher Biergasse ist nicht sein Geburtshaus. Auf die Welt gekommen ist er vielmehr in einem Gebäude am Unteren Markt, in dem sich heute das Hochwald-Café befindet.

Morbach. Im Elternhaus von Edgar Reitz, dem Regisseur der Film-Trilogie "Heimat", soll, wenn es nach den Vorstellungen der Gemeinde Morbach geht, ein Café eingerichtet werden, das unter anderem mit Filmrequisiten an den berühmtesten Sohn der Gemeinde erinnern soll (der TV berichtete). Die wenigsten Morbacher dürften wissen, dass das ehemalige Uhrengeschäft Reitz in der Morbacher Biergasse, das der Bruder von Edgar Reitz Guido bis zu seinem Tod am 2. Oktober 2008 betrieb, nicht das Geburtshaus des Filmemachers ist. Dies teilte die Morbacher Malerin und Autorin Henriette Nehren dem TV mit.

Bruder lüftet Geheimnis des Geburtshauses



Der inzwischen verstorbene Guido Reitz hat es ihr, wie sie es schildert, zu Lebzeiten erzählt. Er habe ihr von der Vergangenheit seiner Familie, wie Nehren sich erinnert, "sehr stolz und sehr liebevoll" berichtet.

Robert Reitz, der Vater von Edgar, Guido und der ebenfalls verstorbenen Schwester Heli, stammte aus einer Hundheimer Schmiede und absolvierte in Bernkastel-Kues eine Uhrmacher-Lehre. Nach seinem Abschluss erhielt er ein laut Nehren "hervorragendes Zeugnis". Er heiratete eine Hundheimerin, die im früheren Bekleidungsgeschäft Humpert in der Bahnhofstraße eine Lehre als Modistin absolviert hatte. Eine Modistin fertigte früher vor allem Kopfbedeckungen für Frauen.

Nach der Heirat eröffnete Robert Reitz ein Uhrengeschäft im Gebäude, in dem heute das Hochwald-Café zu Hause ist. Robert Reitz, so erinnert sich der Sohn, sei technisch vielseitig begabt gewesen. Er reparierte nicht nur Uhren, sondern nahm auch Radios, Grammophone und Schallplatten in sein Sortiment auf.

1932 wurde in dem Gebäude am Unteren Markt Sohn Edgar geboren. Erst zwei Jahre später sei die Familie in die Biergasse gezogen.

Edgar Reitz bestätigte gegenüber dem TV die wesentlichen Angaben. "Meine Eltern haben das Haus in der Biergasse 5 im Jahre 1934 als Wohn- und Geschäftshaus erbaut. Ich bin dort dort seit meinem zweiten Lebensjahr aufgewachsen", schreibt er dem TV auf Anfrage. Geboren sei er allerdings in einem Haus am Unteren Markt, in dem Vater Robert vorübergehend sein erstes Uhrengeschäft betrieben hatte. Nach dem Umzug in die Biergasse wurde sein Geburtshaus zum Café Weyand, heute Hochwald-Café, umgebaut.

An das Haus kann sich der 77-Jährige "naturgemäß nicht erinnern". Das Haus in der Biergasse empfindet er als sein "eigentliches Elternhaus".