Reizvoll und hilfreich

TRABEN-TRARBACH. Bei der achten "Tour d’Europe" fahren 225 Kinder und Jugendliche sowie 50 Betreuer mit. Bis zum Tour-Ende am Samstag werden sie rund 750 Kilometer zurücklegen. Die Kinder haben Sponsoren animiert, die für den Bau einer Schule in Ruanda Geld gespendet haben.

"Die Strecke ist landschaftsmäßig toll", findet der 17-jährige Michael Hahl aus Welschbillig. Man sieht ihm die zurückgelegten 103 Kilometer der Strecke von Kelberg über Daun und Wittlich nach Traben-Trarbach nicht an. Bereits zum zweiten Mal radelt er die Tour. "Man kann viel erleben und viel lernen", findet er, "vor allem, wie man zusammenhält und den Schwächeren hilft". Eine Grundfitness ist nötig, "aber der Gruppeneffekt ist ein Wahnsinnsgefühl", empfindet Betreuer Dieter Heisig. Beim Etappenziel in Traben-Trarbach herrscht Volksfeststimmung. Die Kindertanzgruppe Moselblümchen präsentiert ihre moseltypischen und modernen Tänze, die Musiker der Guggenmusik der Doppelstadt entlocken ihren Instrumenten heiße Samba-Rhythmen. Wer will, kann bei "Kirche in Bewegung" auf die Torwand schießen. Zur Stärkung stehen Getränke und jede Menge Kuchen bereit. Am Getränkestand helfen Marc-Oliver von Eckern, Kai-Steven Finke und Musa Bejta. Geschickt schenken sie Trarbacher Mineralwasser und Traubensaft ein. "Diese Gemeinschaft zu erleben macht Spaß", sind sich die drei einig. "Es ist was Besonderes". Die ganze Tour wird gesponsert. Dazu haben die Kinder im Vorfeld Förderer animiert, die mindestens 40 Euro gespendet haben. An den jeweiligen Etappenzielen sponsern ortsansässige Firmen den Zwischenstopp. Im Fahrerfeld ist auch der 13-jährigen Tobias Büchler aus Gerolstein. Wie die meisten fährt auch er aus Spaß mit. "Es ist ein enormer Reiz, es zu schaffen", schildert er sein Motiv. "Ich helfe gerne Kindern in Not", sagt Stephan Bouzieas, 15 Jahre aus Wallerfangen. Dabei kann "ich Rad fahren und tue gleichzeitig ein gutes Werk". 1999 war die Tour als einmalige Sache geplant. Aber das Interesse war so groß, dass die Tour zur Tradition wurde. Es ist kein Wettkampf, Schnelligkeit interessiert nicht, denn schließlich soll jeder ankommen. Durch den Sport werden Schulkinder aus Belgien, Deutschland, Luxemburg und Frankreich zusammengeführt. Sie setzen sich für ein völkerverbindendes Fair-Play-Projekt ein, dessen Erlös in diesem Jahr dem Bau einer Schule in Muyunzwe im rheinland-pfälzischen Partnerland Ruanda zukommt. Tourbegleiter ist Dieter Hens vom Jugendhof Wolf. "Wir erleben täglich mit den Kindern viele Abenteuer", erinnert er sich an seinen Beruf. "Bei dieser Fair-Play-Veranstaltung lernen die Kinder viel für den Umgang miteinander". Die Tour hat sich zum Jahres-High-Light entwickelt. Auch die Jugendlichen vom Jugendhilfezentrum Helenenberg arbeiten darauf hin. "Unsere Jungs fühlen sich oft etwas ausgegrenzt", sagt Georg Heisig, Betreuer aus Welschbillig. "Aber so positiv empfangen zu werden wie hier in Traben-Trarbach, ist ein tolles Gefühl für alle". Begeisterung herrscht überall. "Es ist beeindruckend, was in einer Woche zusammenwächst", lobt Joachim Holleitner, Lehrer der Grund- und Hauptschule aus Mettendorf: Schüler aller Schularten treffen ohne Berührungsängste aufeinander, Freundschaften entstehen. Annähernd 750 Kilometer werden die Jugendlichen zurückgelegt haben, wenn sie am 8. Juli in Trier am Ziel der Tour ankommen.

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