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Rektor des Traben-Trarbacer Gymnasiums geht in den Ruhestand

Schule : Mit Keyboard und E-Bike ins Leben nach der Schule

Rudolf Müller-Keßeler hat das Rektorenamt am Traben-Trarbacher Gymnasium in schwierigen Zeiten übernommen. Neun Jahre später geht er nun zufrieden in den Ruhestand.

Im Traben-Trarbacher Gymnasium herrscht wie in den anderen rheinland-pfälzischen Schulen Ruhe. Die Sommerferien haben begonnen. Das Zimmer des Rektors ist aber nicht leer. Rudolf Müller-Keßeler sitzt am Schreibtisch. Dabei ist er zum Ende des Schuljahres verabschiedet worden (siehe Info).

Doch er muss „klar Schiff machen“, bevor er nach neun Jahren die Leitung abgibt. „Offiziell bin ich auch noch bis zum 1. August im Amt“, erläutert der 65-Jährige. Spätestens wenn es um die Stundenpläne für das neue Schuljahr geht, wird aber sein Nachfolger Johannes Wiedemann, bisher stellvertretender Schulleiter und schon lange an der Schule, übernehmen.

Er wird wahrscheinlich einen leichteren Einstieg haben als Müller-Keßeler, der 2012 neu an die Mosel kam. „In Traben-Trarbach gehen die Uhren anders. Das war das Erste, was ich schon vor meinem Antritt zu hören bekam“, erinnert sich Müller-Keßeler.

Damals war entschieden worden: Die Schüler machen nach acht Jahren Abitur und sie machen das im Rahmen des verpflichtenden Ganztagsunterrichts. „Das führte zu nahezu unüberwindlichen Kommunikationsstörungen – vor allem zwischen Schulleitung und Eltern, aber auch zwischen Schulleitung und Kollegium“, sagt Müller-Keßeler. Und dann kommt er neu an die seit 1573 bestehende Schule – aus der beschaulichen Eifel (Thomas-Morus-Gymnasium Daun) in das in dem Moment nicht so ruhige Traben-Trarbach.

Seither ist aber viel Wasser die Mosel hinuntergeflossen. Das Verhältnis zur Elternschaft sei schnell besser geworden, berichtet der Oberstudiendirektor. Auch das Kollegium sei nach einer gewissen Anlaufzeit zu einer starken Einheit geworden.

Abgeschreckt hätten ihn die damaligen Vorkommnisse nicht. „Es war eine Herausforderung, aber es war für mich der richtige Weg“, sagt der Mann, der in Niederstadtfeld (Eifel) geboren wurde, in Köln studierte, fünf Jahre an einem Kölner Gymnasium arbeitete, dann in die Eifel zurückkehrte und sich in Immerath niederließ. Dort war er 15 Jahre lang auch Ortsbürgermeister.

36 Kilometer nach Traben-Trarbach, 36 Kilometer zurück. „Bei der Heimfahrt konnte ich immer Dampf ablassen“, erzählt er. Er habe gewusst, dass seine Schulzeit in neun Jahren ende. Das Wagnis und die Gefahr etwas falsch zu machen seien also auch nicht so groß gewesen.

Müller-Keßeler hat den Schritt von der Eifel an die Mosel aber nicht bereut. Von Anfang an habe seine Tür immer offen gestanden – nicht nur im übertragenen Sinn. Natürlich sei es nicht einfach, 400 Schüler sowie 50 Kollegen unter einen Hut zu bekommen.

Seine Anforderung ans Amt: „Es ist wohl vornehmlich die Aufgabe eines Schulleiters, Lernfreude bei Schülern ebenso wie bei Lehrern zu initiieren, damit Schule als Ort und Lebensraum erlebbar und auch lebenswert wird.“ Alle sollten Träume und Visionen haben und versuchen, diese zu verwirklichen.

Ob er den eigenen Anspruch verwirklicht habe, könne er nur schwer beurteilen. „Zumindest hoffe ich doch, dass ich es in der Zeit meines Wirkens an dieser Stelle fertig bringen konnte, die Uhren wieder zu synchronisieren, einen Gleichklang der Takte wieder herzustellen und den Lebensraum Schule nachhaltig günstig zu verändern“, resümiert er.

Zum Abschluss seiner Schul­laufbahn, in der er Mathematik und Physik unterrichtete, musste er die Pandemie miterleben. Er habe unter anderem erfahren, wie sehr Schüler die Schule vermissen. Er habe aber auch sehen müssen, dass Schüler auf dem Absatz kehrt machten, wenn die Schule in Sicht kam.

Seine Erkenntnis und Folgerung aus dem bisherigen Corona-Geschehen: „Schule ist nicht zu ersetzen. Es braucht den persönlichen Kontakt um voranzukommen.“

Im Ruhestand wird er nun selbst wieder zum Schüler. Das Kollegium hat ihm ein Keyboard geschenkt. Da ist Unterricht angesagt. Ansonsten wird der Vater von drei Söhnen öfter als bisher mit dem E-Bike unterwegs sein, gemeinsam mit seiner Frau Annette das große Anwesen in Immerath in Schuss halten und auch einmal außerhalb der Schulferien verreisen.