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Rennfahrer Rudolf Caracciola hat familiäre Beziehungen zur Moselregion

Geschichte : Motorsportlegende Rudolf Caracciola war bekannt für große Rennsiege und edle Weine - Wie das zusammen passt

Vor 120 Jahren wurde die deutsche Motorsportikone Rudolf Caracciola in Remagen geboren. Seine Familie führte einst einen renommierten Hotel- und Handelsbetrieb für Rhein- und Moselweine. Hier ist die Geschichte dahinter:

Der frühere Mercedes-Benz-Werksfahrer Rudolf Caracciola (1901-1959) gilt als eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der internationalen Motorsportgeschichte. Dank seines fahrerischen Talents entwickelte sich das berühmte Mitglied einer rheinländischen Weinhändlerfamilie zum erfolgreichsten Rennfahrer der Vorkriegszeit in Europa. Einige seiner wichtigsten Siege feierte der dreifache Europameister auf dem legendären Nürburgring in der Eifel. Dort ging Caracciola bereits beim Eröffnungsrennen der historischen Rundstrecke am 19. Juli 1927 als Gewinner hervor.

Was hierzulande von besonderem Interesse ist: Mehrere Generationen der Vorfahren des bekannten Motorsportlers lebten in der Moselregion. Ihre Anfänge reichen zurück bis in die Nachkriegszeit des 30-jährigen Krieges. Um 1648 kam der aus Neapel stammende Bartholomäus Caracciola (1590-1685) als Soldat der österreichischen Truppen auf die Festung Ehrenbreitstein in Koblenz. Später stand der gebürtige Italiener mehrere Jahre lang als Landhauptmann und Oberstwachtmeister im Dienst der Trierischen Landkompanie. Sein Enkel Johann Georg Caracciola (1700-1756) heiratete 1731 Maria Ursula Wirz in der Moselgemeinde Klotten. Dort übernahm er später als Nachfolger seines Schwiegervaters Michael Wirz die Verwaltung des Wein- und Hofguts der Abtei Stablo-Malmedy.

Johann August Otto Caracciola (1815-1886), ein Urenkel des einstigen „Vogts von Clotten“ und Großvater der späteren Rennfahrerlegende, sollte sich gegen Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem der erfolgreichsten Weinhändler der Rheinprovinz entwickeln. Seine um 1844 in Remagen angesiedelte Firma „Otto Caracciola & Cie.“ zählte viele Jahrzehnte lang zu den namhaftesten Weinkellereien des Landes.

Neben dem Weinhandelsgeschäft betrieb Caracciola einen großen Hotelbetrieb, zu dem das herrschaftliche „Hotel Fürstenberg“ und das angrenzende Luxushotel „König von Preußen“ am Remagener Rheinufer gehörten. Darüber hinaus arbeitete der ehrgeizige Unternehmer bis 1875 als Leiter der örtlichen Agentur der „Kölner Dampfschifffahrtsgesellschaft“.

Im Zuge des boomenden Rhein-Tourismus dehnte sich sein aufstrebender Hotel- und Weinhandelsbetrieb stark aus. Vor diesem Hintergrund ließ Caracciola um 1880 eine neue Großkellerei am Remagener Deichweg errichten. Der hochwassergeschützt gelegene „Apollinaris-Keller“ gehörte mit einer Flächengröße von circa 1800 Qua­dratmetern und einem Fassungsvermögen von über drei Millionen Litern zu den größten und prächtigsten Weinkellern im preußischen Rheinland.

Nach dem Tod des Firmengründers wurde der Betrieb ab 1886 von seinem Sohn Otto Georg Maximilian Caracciola (1866-1915) weitergeführt. Das auf den Großhandel mit hochwertigen Rhein- und Moselweinen spezialisierte Unternehmen belieferte seinerzeit das deutsche Kaiserhaus und viele weitere bedeutende Kunden im In- und Ausland. Zu den wichtigsten Geschäfts- und Handelspartnern zählten unter anderem der 1896 eröffnete „Ratsweinkeller zu Hamburg“ und die Bremer Schifffahrtsgesellschaft Norddeutscher Lloyd (NDL). Darüber hinaus betrieb das familiengeführte Weinhaus Caracciola um 1900 eine firmeneigene Filiale in Berlin.

Während des Ersten Weltkrieges litt der Remagener Kellereibetrieb unter dem Verlust mehrerer Mitarbeiter, die zum Teil an der Front ums Leben kamen. Unter ihnen befanden sich der gleichnamige Neffe des seit 1897 beschäftigten Kellermeisters Mathias Ries aus Langsur, Peter Schmitgen aus Wehlen und Franz Scharvel aus Wiltingen. Im November 1915 starb überdies der langjährige Firmenchef Otto Georg Caracciola an den Folgen eines Schlaganfalls. Später wurde das Weinhaus von der Witwe Mathilde Caracciola, geborene Preutz und ihrem Sohn Otto weitergeführt.

 Der berühmte Rennfahrer Rudolf Caracciola war ein Enkel des Remagener Hoteliers und Weingroßhändlers Otto Caracciola. 
Der berühmte Rennfahrer Rudolf Caracciola war ein Enkel des Remagener Hoteliers und Weingroßhändlers Otto Caracciola.  Foto: TV/Mercedes-Benz-Classic
 Das von der Familie Caracciola betriebene „Hotel Fürstenberg“ befand sich einst am Remagener Rheinufer.
Das von der Familie Caracciola betriebene „Hotel Fürstenberg“ befand sich einst am Remagener Rheinufer. Foto: TV/Markus Philipps

Im Laufe der 1920er-Jahre ging das renommierte Unternehmen jedoch infolge der zunehmenden Inflation und finanzieller Probleme in Konkurs. Ab Herbst 1929 betrieb Otto Caracciola eine neugegründete Weinhandelsfirma unter dem Namen Otto Caracciola & Co. GmbH mit Hauptsitz in Mainz und Zweigniederlassung in Remagen. Der jüngere Bruder Rudolf, auch genannt „Carratsch“, trieb indessen seine steile Rennsportkarriere voran.