Renovierung ist unausweichlich

Umfangreicher Sanierungsbedarf in der evangelischen Kirche in Thalfang: Der Gewölbeputz muss saniert und Risse in der Außenwand müssen ausgebessert werden. Während der Reparaturarbeiten kann die Kirche, Thalfangs ältestes Gebäude, ein halbes Jahr nicht genutzt werden.

Thalfang. Kaum hat der Turm der evangelischen Kirche in Thalfang einen neuen Anstrich erhalten, stehen weitere Renovierungsarbeiten an. "Neben der Orgel fehlt an der Decke ein Stück Putz, und dort ist das Gewölbe nicht mehr ganz rund", sagt Pfarrer Winfrid Krause und zeigt dabei auf die Decke über einem Seitenschiff. Eine Untersuchung hat jetzt ergeben, dass 70 Prozent des Deckenputzes lose sind, sagt Architekt Hans-Uwe Wagner. Insbesondere das untere Drittel in den spitz nach unten verlaufenden Gewölbeabschnitten ist davon betroffen. Auch die Decke über den Seitenschiffen weist Schäden auf. Ein Teil der Empore ist deshalb mit Baustellenband abgesichert. Jedoch sei die Kirche gefahrlos zu benutzen. "Der Putz ist durch die runde Form des Gewölbes in sich stabil", sagt er. Wie alt die Risse sind und seit wann es die Hohlstellen unter dem Putz gibt, ist unbekannt. "Die können schon 100 Jahre da sein", sagt Pfarrer Krause.
Außerdem gibt es Risse an der Außenwand der Kirche. An 21 Stellen werden diese vermessen, um festzustellen, ob sie sich ausweiten. Drei Monitore sind vor einem halben Jahr ähnlich einem Pflaster angebracht worden. Damit kann beobachtet werden, ob sich die Risse seitlich verschieben. Zudem muss geprüft werden, wie die Gewölbe und das Dach aufgebaut sind: "Das Dach wird durch den Wind bewegt und überträgt diese Bewegungen auf das Mauerwerk", erläutert Wagner. Durch eine Stabilisierung des Daches könne man dieser Ursache entgegenwirken. "Wir kommen an einer Renovierung nicht vorbei", sagt Pfarrer Krause nach einer Besichtigung der Kirche. Zwei Dinge machen ihm dabei offensichtlich zu schaffen: Zum einen die Kosten, die wegen ausstehender Überprüfungen am Dach und an den Gewölben noch nicht exakt genannt werden können. Die erste grobe Schätzung von Architekt Wagner: "180 000 Euro mit vielen Fragezeichen. Eventuell werden es bis zu 250 000 Euro", sagt er. Krause will Zuschüsse bei der Synode beantragen, die bis zu 50 Prozent der Kosten übernehmen könnte.
Das zweite Problem ist die Renovierungszeit von fünf bis sechs Monaten, denn solange kann die Kirche wegen eines erforderlichen Raumgerüstes nicht genutzt werden. Für Messen müsste Krause während dieser Zeit ins Gemeindehaus ausweichen. Architekt Wagner und Malermeister Gerhard bevorzugen eine Renovierung im Winter wegen der günstigeren Bedingungen für die anstehenden Putz- und Malerarbeiten. Bei niedrigeren Temperaturen kann sich der Putz nämlich besser mit dem Untergrund verbinden. Doch für den Pfarrer bedeutet das, dass er abhängig vom genauen Termin der Sanierung die Oster- oder Weihnachtsmesse nicht in der Kirche halten kann. Als Renovierungszeitraum haben Pfarrer, Architekt und Handwerker vorerst den Winter 2014/2015 ins Auge gefasst.
Extra

Die evangelische Kirche ist das älteste Gebäude in Thalfang und die älteste Kirche, die es im Hochwald in vergleichbarer Größe gibt. Der Turm stammt wahrscheinlich aus den Jahren 1220 bis 1230. Um 1300 wurde die dreischiffige Kirche im gotischen Stil gebaut. Um 1450 entstand der hochgotische, mit einem erhöhten Dachstuhl versehene Chor. Erstmals wird eine Kirche in Thalfang in einem Dokument aus dem Jahr 1140 erwähnt. Der Sage nach ist sie um 1200 abgebrannt. Die heutige Kirche soll auf deren Grundmauern errichtet worden sein. (Quelle: Evangelische Kirchengemeinde Thalfang-Morbach) cst