Revolutionäres Wengerohr

Revolutionär sind sie, die Wengerohrer. Haben sie doch einen exklusiven Ratsbeschluss gekippt. Es geht um neue Straßennamen. Dieses Taufen von Straßen oder Plätzen ist ja das Einzige, was so ein Stadtrat überhaupt noch freihändig entscheidet, wenn nicht ein Stadtchef seine eigene Eilentscheidung für nötig hält, siehe Vitelliuspark-Taufe.

So gesehen ist es eine Blamage, jetzt einfach klein beizugeben: Wenn das Schule macht, hat der Rat bald garnix mehr zu sagen!

Genial am Überraschungscoup der Wengerohrer war der Zeitpunkt: In der letzten Sitzung des Jahres, in der alle nur ans anschließende Weihnachtsessen denken, sollte der neue Stadtrat zurücknehmen, was der alte Stadtrat 2006 entschieden hat.

Damals wurden die Straßen in Wengerohr-Süd großartig europäisch getauft. Der Grund: Eine internationale Adresse passt besser zu internationalen Firmen. Aha. Europa-, Straßburg, Brüssel- , Den Haag- und Luxemburgstraße gab es sodann. Wann Wengerohr in Wittlich-Washington umgetauft wird, bleibt abzuwarten. Das mit der Luxemburgstraße hat die Wengerohrer allerdings gewurmt: Mit einer ähnlich klingenden Luxemburger Straße in einer Stadt namens Trier wollen sie nicht verwechselt werden. Sie wissen nämlich, das dort ein altes Gewerbe betrieben wird. Übrigens bin ich bin sicher, dass das ungeliebte Gewerbe auch in Straßburg, Brüssel, Den Haag ja ganz Europa betrieben wird. Und ich bin in diesem Zusammenhang auch gespannt, wie lange der Pariser Platz noch so heißt. Übrigens: Wieso heißt der Stadtpark eigentlich einfach Stadtpark? Und das Verbundkrankenhaus nicht Verbandkrankenhaus? Wengerohrer, helft!