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Kommunalpolitik: Rezepte gegen Ärztemangel und Geschäftesterben gesucht

Kommunalpolitik : Rezepte gegen Ärztemangel und Geschäftesterben gesucht

Das Programm Zukunfts-Check Dorf soll den Kommunen im ländlichen Raum kostengünstig ermöglichen, ihre Orte weiterzuentwickeln. Wichtig ist die Beteiligung der Bürger.

Die Dörfer im Hunsrück sollen fit für die Zukunft werden. Deshalb macht sich der Kreis stark für das Programm Zukunfts-Check Dorf. Landrat Gregor Eibes und Mitarbeiter der Kreisverwaltung haben das Programm in Thalfang und Morbach  Lokalpolitikern und Bürgern vorgestellt.

Jeder Ort bis 3000 Einwohner  kann an der Aktion teilnehmen. Das Programm ist eine kostengünstige Art, die Entwicklung eines Ortes voranzutreiben. Denn der Eigen­anteil der Kommune liegt bei etwa 1050 Euro. Zum Vergleich: Ein Dorferneuerungskonzept kostet je nach Angebot bis zu 30 000 Euro. „Nehmen wir Entwicklungen hin, oder steuern wir sie“, fragt Eibes die 50 Besucher in der Morbacher Baldenauhalle.

Die Bürger sollen beim Zukunfts-Check Dorf die Grundlagen schaffen, um die Dörfer liebenswert zu erhalten. In Arbeitskreisen dieses „Dorferneuerungkonzepts light“, wie Eibes es nennt, können sich Bürger verschiedenen Themen annehmen. Allerdings: „Damit ist auch ein Stück Arbeit verbunden“, sagt der Landrat.

Mario Boiselle-Hempel von der Stabsstelle Kreisentwicklung führt die bestehenden Herausforderungen des ländlichen Raumes und die Ziele des Projekts weiter aus. Viele Dorferneuerungskonzepte seien veraltet, die demografische Entwicklung schreite voran. 2060 könnte der Landkreis etwa 20 Prozent weniger Einwohner haben.

Hinzu kommen weitere Faktoren wie ein größerer  Bedarf an Miet- und Eigentumswohnungen, der drohende Ärztemangel und ein steigender Pflegebedarf aufgrund Überalterung der Gesellschaft. Zudem verringere sich auf dem Land die Anzahl der Geschäfte und das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs. Innerhalb dieses Prozesses Zukunfts-Check Dorf könnten Kommunen und Privatpersonen für Ideen Fördergeld beantragen, beispielsweise aus den Leaderprogrammen.

Hinzu kommt die Möglichkeit, die Dörfer bei dem Programm Klikk Aktiv der Energieagentur Rheinland-Pfalz zu beteiligen und durch ehrenamtliche Berater in den Dörfern dem Klimawandel entgegenzuwirken. Grundsätzlich kommt die Anregung des Zukunfts-Checks Dorf bei den Zuhörern in Morbach gut an. Doch: „Wer macht die Arbeit?“, spricht der Wederather Ortsvorsteher Dieter Blatt aus, was offensichtlich viele seiner Kollegen ebenfalls denken. Vieles hänge am Ortsbeirat und den Ortsvorstehern, sagt Eibes. „Sie müssen vorausgehen und die Leute ansprechen“, sagt er. „Gehen Sie mit Optimismus ran. Die Leute sind oft engagierter, als man meint“, ergänzt der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal.

In Thalfang, wo 70 Bürger zum Infoabend des Landkreises gekommen waren, hätten sich zwölf Gemeinden für das Programm angemeldet, sagt Burkhard Graul, erster Beigeordneter der VG Thalfang. Bei diesen stamme das Dorferneuerungskonzept meist aus den 1980er Jahren und sei veraltet.

 Die Bürger in den Dörfer wie hier Merscheid sollen mit dem Projekt Zukunfts-Check ihre Orte weiterentwickeln
Die Bürger in den Dörfer wie hier Merscheid sollen mit dem Projekt Zukunfts-Check ihre Orte weiterentwickeln Foto: Christoph Strouvelle
 Die Bürger in den Dörfer wie hier Heinzerath sollen mit dem Projekt Zukunfts-Check ihre Orte weiterentwickeln
Die Bürger in den Dörfer wie hier Heinzerath sollen mit dem Projekt Zukunfts-Check ihre Orte weiterentwickeln Foto: Christoph Strouvelle

„Es geht darum, das Dorf nochmal kennenzulernen“, sagt er. Er verspricht sich von der „günstigen“ Möglichkeit, Anregungen von Bürgern entgegenzunehmen und diese umzusetzen.