Rezepturen für Rost und Sand

WITTLICH. Flugzeuge, Schiffe, Panzer, und Autos, mal einzeln auf einem Spiegel, mal als Diorama in passender Landschaft präsentiert: Die Ausstellung des PMC Mittelmosel gewährte einen Einblick in die große, kleine Welt des Modellbaus.

"Ich finde es richtig schön hier", sagt Ulrike Heiner, die gerade staunend vor den Modellen eines Fantasie-Fans steht. Eigentlich war die Familie für einen gemeinsamen sonntäglichen Spaziergang von Bengel nach Wittlich gekommen. Dann sah der Sohn, der ohnehin ein Faible für Flugzeuge hat, das Hinweisschild zur Ausstellung des Plastikmodellbauclubs (PMC) Mittelmosel. Hier sind sie dann gelandet, mitten im unerwartet internationalen Publikum in der Berufsbildenden Schule.Die ganze Bandbreite eines kniffligen Hobbys

"Wir wollten diesmal etwas wirklich Großes machen", gesteht der Vorsitzende Olaf Lejeune. Das ist dem mit gerade mal zehn Mitgliedern kleinen Verein gelungen. In der BBS zeigt sich die ganze Bandbreite des kniffligen Hobbys. Wie Peter Zehren haben sich die meisten Modellbauer längst auf eine Sparte konzentriert. Stolz zeigt Zehren das vielleicht schönste Exemplar seiner Sammlung her: eine schwere Raupe, mit geheimnisvollen Rezepturen für Rost und Sand "künstlich gealtert". Drei Jahre lang hat der geduldige Tüftler daran gearbeitet. Die LKWs haben es ihm angetan, besonders die amerikanischen, und von denen die älteren. "Die neuen haben keinen Charakter mehr." Hauptsächlich im Winter klebt und feilt der Berufskraftfahrer, der auch nach Feierabend nicht von den Brummis lassen kann, setzt zusammen und klebt, was die Ideen hergeben. Bei Chris Popelier könnte er Teile ergattern, die es so im Baukasten "fürs Fußvolk" nicht gibt. Der Belgier hat sich auf kleinste Serien spezialisiert: Ersatzteile für die Stücke, die in den üblichen Bausätzen fehlerhaft waren. Das wissen die Kollegen von Christian Gerard zu schätzen: Das PMC-Mitglied ist in Fachkreisen als "Nietenzähler" bekannt. Seine F-16 CJ, in vergrößerter Fassung mit dem 52. Jagdgeschwader in Spangdahlem stationiert, hat schon etliche Preise abgeräumt, eben wegen der bis auf die einzelne Niete exakten Wiedergabe des Vorbilds. Militärische Modelle einfach reizvoller

Auch viele andere Modelle der Ausstellung stammen aus dem militärischen Sektor. Doch dass Modellbauer deshalb den Militarismus verherrlichen oder gar aus der rechten Szene stammen würden, verneint Gerard sehr vehement. "Einmal haben wir sogar einen aus dem Verein geworfen, der sich als Rechtsradikaler entpuppt hatte." Die militärischen Modelle, zum Beispiel die Flugzeuge, seien schlichtweg handwerklich und optisch die reizvolleren gegenüber der zivilen Luftfahrt, erklärt er. Am nächsten Tisch versteht man, was er meint. Hier steht neben einigen, ganz in Rot gehaltenen Fantasie-Panzern ein Flieger aus der Staffel der amerikanischen "Flying Tigers", auf den Bug ein dekoratives Haifisch-Maul gemalt. Als Publikumsmagneten entpuppen sich auch die Enterprise und der Basisstern der Zylonen aus der Science-Fiction-Ecke. Außergewöhnlich eine - fast - barbusige Büffelreiterin gleich neben Pierluigi Collina, dem sechsmaligen Weltschiedsrichter des Jahres. In der Tat, der Modellbau hat viele Facetten. Dass das vermutlich auch so bleibt, sieht man beim Workshop im Erdgeschoss. Hier leitet Vereinsmitglied Reinhold Moseler die jüngsten Besucher zum ersten eigenen Bauen an: Autos, Häuser, Schiffe, was immer die Kinder bevorzugen, können sie sich hier eigenhändig erarbeiten, um vielleicht eines Tages genauso gut zu werden wie die beiden erst achtjährigen Töchter des Vorsitzenden. Natalie und Christine Lejeune sind bereits jetzt "alte Hasen" im Geschäft und haben das Modell eines Dorfes zur Ausstellung mitgebracht.

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