Rheuma hat 400 Gesichter
Droht der ambulanten Versorgung von Rheumakranken in der Region das Aus? Mit dieser Frage hat sich die internistische Rheumatologin Dr. Marie-Luise Stadelmann in einem Patientengespräch in Zell-Barl beschäftigt.
Wittlich/Zell. (red) Im Rahmen eines intensiven Patientengespräches in Zell-Barl beschäftigte sich die internistische Rheumatologin Dr. Marie-Luise Stadelmann (Bad Bertrich-Kennfus), die eine rheumatologische Praxis in Wittlich hat, mit der Frage der Zukunft der Rheumatologie in Deutschland und speziell in der Region. Erschreckendes haben die Zuhörer vernehmen müssen in Bezug auf die weitere Versorgung der Rheumakranken durch Spezialisten.
Rheuma, so Stadelmann, sei eine Krankheitsbezeichnung für über 400 verschiedene Krankheiten. Diese müssten sorgfältig differenziert werden für eine richtige Behandlung. Ein Großteil der Bevölkerung sei betroffen, selbst kleine Kinder. Stadelmann erinnerte daran, dass in der Behandlung besonders schweren entzündlichen Erkrankungen, wie rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew und Kollagenosen ein großer Fortschritt erzielt worden sei - vor zehn Jahren noch als unvorstellbar angesehen. Grund sei ein revolutionärer Wandel mit neu entwickelten Medikamenten.
Die Rheumatologie habe sich gewandelt in eine fast ausschließliche ambulante Medizin. Damit seien die Kosten der stationären Aufenthalte enorm gesunken, die zeitliche Belastung der Rheumatologen jedoch gestiegen. Und damit auch ihre Probleme, denn Kassenärztliche Vereinigung (KV) und Krankenkassen würden diese Leistungen nicht adequat vergüten.
"Wir haben das Pech, dass unsere Arbeit eine ganzheitliche Medizin ist, die eine gute Anamnese, eine Ganzkörperuntersuchung und Erfahrung verlangt, aber keine Geräte", stellt sie fest. Dies würde jedoch im deutschen Gesundheitssystem nicht mehr gewertet.
Angesprochen auf die Zahl der Rheumatologenpraxen in der Region berichtet Stadelmann, dass in Trier bereits eine geschlossen habe. "Dies hat zur Folge, dass meine und die wenigen anderen Praxen mit neuen Patienten überschwemmt werden." In Rheinland-Pfalz befänden sich nur noch neun Praxen, und "mein Einzugsgebiet reicht vom Westerwald bis ins Saarland".