Rieslinglese an der Mosel: „Die Trauben müssen nach Hause“

Wein könnte faulen : Rieslinglese an der Mosel – Die Winzer sind in Eile

Das nasse Wetter zwingt die Moselwinzer bei der Lese der Rieslingtrauben zur Eile. Die Menge fällt in diesem Jahr deutlich geringer aus.

Die Winzer hoffen auf einen goldenen Oktober“ lautete unsere Schlagzeile am 20. September. Zu dem Zeitpunkt ernteten die Winzer die frühreifenden Rebsorten wie Müller-Thurgau (Rivaner) und Dornfelder. Die Rieslingtrauben waren sehr gesund und in den meisten Lagen bereits reif. Gerne hätten die Winzer mit der Rieslinglese noch gewartet, aber jetzt ist Eile geboten. Denn der goldene Oktober ist bislang nicht eingetreten, vielmehr hat es viel geregnet – an manchen Tagen an die 30 Liter pro Quadratmeter.

„Die Trauben müssen nach Hause“, sagt Winzer Gerhard Trossen aus Kröv. Gestern stand er mit seiner Lesemannschaft in der Spitzenlage Kröver Letterlay. An den Reben hängen wunderbar goldgelbe und sehr aromatisch schmeckende Trauben, aber auch Trauben, in denen sich Fäulnisnester gebildet haben. „Noch weiter zu warten, macht keinen Sinn“, sagt er.

Rieslingtrauben an einem Stock. Links gesunde Trauben, rechts sind viele Beeren von Fäulnis befallen. Foto: TV/Winfried Simon

Sohn Lucas (20), der einmal das Weingut übernehmen wird, ist dennoch nicht ganz unzufrieden. Die Mostgewichte, also der Zuckergehalt der Trauben, sind hoch, sie liegen bei 80 bis 90 Grad Oechsle. „Es kann ja nicht immer so sein, wie im vergangenen Jahr, als Menge und Güte hervorragend waren“, sagt der junge Mann.

Die Fachberater des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) Mosel in Bernkastel-Kues  haben Anfang dieser Woche in der Spitzenlagen der Mittelmosel Durchschnittsmostgewichte von knapp 90 Grad Oechsle gemessen – etwa genauso viel wie eine Woche zuvor. Die Berater empfehlen den Winzern, die Trauben so schnell und zeitnah wie möglich zu ernten, weil Qualitäts- und Mengenverluste drohen. An diesem Wochenende sollen die Temperaturen auf über 20 Grad ansteigen, was die weitere Fäulnisbildung begünstigt.

Die großen Spitzenweingüter sind auch schon fleißig am Lesen. So wie das Weingut Fritz Haag in Brauneberg. Für Betriebsleiter Oliver Haag ist es jetzt eine stressige Situation, aber er bleibt dennoch relativ gelassen. „Sicher, der Regen hat uns nicht in die Karten gespielt, aber die Qualitäten sind dennoch gut.“ In etwa zwei Wochen wird er mit der Weinernte  fertig sein.

In den großen Weinanbaugebieten Pfalz und Rheinhessen, wo der Rieslinganteil deutlich geringer ist als an der Mosel und die meisten Weinberge mit der Maschine geerntet werden, ist die Lese weitestgehend abgeschlossen.

Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) auf Basis einer ersten Ertragsschätzung mitteilt, wird die bundesweite Weinmosternte 2019 mit voraussichtlich 8,6 Millionen Hektolitern 17 Prozent unter der Vorjahresmenge und zwei Prozent unter dem zehnjährigen Mittel von 8,8 Millionen Hektolitern liegen.

Die Weinbauorganisationen der Mosel – Genossenschaft, Weinkellerreien  und Weingütger – geben am kommenden Freitag, 18. Oktober, in Wiltingen/Saar eine erste Erntebilanz des Jahrgangs 2019.

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