Rieslingpionier seit 100 Jahren

Albert Kallfelz aus Zell-Merl ist einer der erfolgreichsten Winzer Deutschlands. In diesen Tagen feierte sein Weingut 100. Geburtstag.

Zell-Merl. (fp) Nicht viele andere Weingüter in Deutschland liefern Jahr für Jahr eine so konstant hohe Qualität in dieser Menge. Und das Schöne daran: Kallfelz-Weine sind trotzdem bezahlbar.Fast 70 Hektar bewirtschaftet das Weingut im Jubiläumsjahr, 25 Hektar davon Eigentum, den Rest über Pacht und Bewirtschaftungsverträge. Der Blick in den Keller verrät: Große Gebinde sind dennoch nicht Kallfelz' und seines versierten Kellermeisters Rüdiger Nilles Ding. Gerade einmal 6000 Liter fasst der größte Edelstahltank. Es sind die Besonderheiten einer jeden Lage und die Liebe zu deren mineralischer Einzigartigkeit, die hier die Produktion bestimmen. Dass es dem Weingut Kallfelz immer wieder gelingt, lange und zuverlässig gleich bleibend überragende Qualität zu liefern, ist diesem Respekt, ja fast der Ehrfurcht vor dem einzigartigen Naturprodukt Wein zu verdanken.Rang vier der 100 besten deutschen Weingüter

Eine Kontinuität, die schon allerhöchste Ehren erfuhr. Bereits zweimal gewannen Kallfelz Weine den internationalen Riesling-Grand Prix in Trier. 2002 und 2003 zeichnete die DLG Kallfelz für das bundesweit beste Sortiment trockener Weißweine aus. Und in den Top 100 der besten deutschen Weingüter, klassifiziert von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft, ist Kallfelz inzwischen auf Rang vier angekommen und damit bestes Moselweingut. Auch der Erfolg eines vom Chef motivierten Teams von inzwischen 20 Mitarbeitern.Ein Unternehmertum, das "kribbelt", macht Kallfelz Spaß. Etwa bei der Renaissance der Mosel insgesamt und besonders der Steillagen. Sie haben die Mosel weltberühmt gemacht, dann kam die Delle. Dort anzusetzen und Qualität, Vertrauen und Absatz wieder aufzubauen, das sah und sieht Albert Kallfelz als Lebensaufgabe. Und sieht sich als Vorreiter bestätigt vom Nachwachsen einer jungen Winzergeneration, die seine Ideale verinnerlicht. "Brach liegende Steillagen sind wie ein Facharbeiter ohne Arbeit", meint er und appelliert, ihnen wieder mehr Chancen zu geben.Mit 27 Jahren übernahm der heute 63-Jährige das damals etwa zwei Hektar große Gut. Heute kann er fast 25 Hektar in den Zeller Steillagen sein eigen nennen. Wie auch das ehemalige Versuchsweingut Sonneck des Kreises. Geschenkt bekam er nichts. "Alles habe ich zu 100 Prozent finanziert", meint er. Es hat dennoch geklappt. Kallfelz hofft, dass sein Beispiel Schule macht und vielen Drieschen wieder Leben eingehaucht wird.Der Mosel-Riesling, er hat in Albert Kallfelz einen Pionier gefunden. Und unzählige neue Freunde. Rund 55 Prozent seiner Produktion von rund 600 000 Flaschen jährlich vermarktet das Merler Weingut an Endkunden, 20 Prozent gehen in die Gastronomie. Zehn Prozent gehen an den Fachhandel, der Rest ist reserviert für Präsentwünsche der Industrie. Vertrauen in den Moselwein hat Kallfelz wieder aufgebaut, und warnt: "Vertrauen aufzubauen, dauert Jahre, es zu verlieren gelingt an einem Tag." Davor braucht er keine Angst zu haben. "Eine tiefe Freundschaft" hätten seine Stammkunden mit den Kallfelz-Weinen geschlossen, die einfach Lust auf das zweite Glas machen. Und nicht nur auf das, wie in dieser Wochen viele feststellen durften.